Zwei Signale aus Mai 2026: Konjunktur dümpelt, CFOs ziehen den KI-Lohnhebel

Das KOF-Konjunkturbarometer kratzt im Mai an der 100er-Marke, ohne sie zu nehmen. Gleichzeitig planen 46 Prozent der Schweizer Finanzchefs, mittelfristig Lohnkosten durch KI zu senken. Zwei Signale, eine Konsequenz für KMU-Führungspersonen.

Das KOF-Barometer sagt: keine Wende, aber auch kein Absturz

Im Mai legte das KOF-Konjunkturbarometer um 0,2 Punkte auf 98,0 zu. Wie watson.ch berichtet, blieb der Sprung über die 100er-Schwelle aus. Ein Wert unter 100 signalisiert ein unterdurchschnittliches Wachstum der Schweizer Wirtschaft.

Die KOF beschreibt die Lage als gemischt. Die Industrie bleibt unter Druck, der Finanz- und Versicherungssektor stützt das Bild. Für KMU-Chefs heisst das: Branchenpfade gehen auseinander. Wer im Verarbeitenden Gewerbe unterwegs ist, navigiert in anderem Wetter als ein Finanzdienstleister.

Wichtig: Das Barometer ist ein Frühindikator, kein Quartalsbericht. Es zeigt, wohin die Reise geht, nicht wo wir stehen. Aktuell zeigt es keinen klaren Trend nach oben.

Die CFO-Antwort fällt deutlich aus

Parallel zur verhaltenen Konjunktur sendet die Deloitte-CFO-Umfrage aus dem Frühling 2026 ein erstaunlich aktives Bild. 46 Prozent der Schweizer Finanzchefs planen, mittelfristig Lohnkosten durch KI zu senken. 64 Prozent wollen die IT-Budgets erhöhen. 27 Prozent rechnen mit steigenden Weiterbildungskosten, weil Rollen sich verändern.

Das ist kein abwartendes Mindset. Das ist eine Verschiebung der Kostenstruktur, die bereits in den Budgets der nächsten Jahre verankert wird. Das KMU-Führungspersonal, das heute nicht plant, sitzt morgen ohne Budget für genau diese Investitionen.

Standortfrage: Schweiz halten oder international skalieren

37 Prozent der CFOs planen einen Ausbau der Beschäftigung im Ausland, nur 27 Prozent primär in der Schweiz. Die Ursache: Margendruck. 68 Prozent der CFOs nennen den starken Franken als grösste Belastung, 58 Prozent die Personalkosten. Wer als KMU-Führungsperson in der Schweiz wächst, braucht eine klare Antwort auf diese Kosten-Qualitäts-Gleichung.

Vier Schritte für die nächsten 90 Tage

  • Branchen-Position klären: Branchenspezifische KOF-Indikatoren lesen, nicht nur den Gesamtwert.
  • Lohnkostenpotenzial der KI quantifizieren: Wiederkehrende, regelbasierte Aufgaben identifizieren und mit konkretem Automatisierungsaufwand gegenlegen.
  • IT-Investition als gekoppelten Beschluss führen: Neue Tools erfordern Weiterbildung – beides zusammen budgetieren.
  • Weiterbildungsbudget eröffnen, bevor Stellen abgebaut werden: Reskilling kostet weniger als Rekrutierung.

Was das für die Führungsagenda heisst

Die Kombination aus verhaltenem KOF-Barometer und entschlossener CFO-Haltung zeigt einen Bruch. Während die Konjunkturzahlen Geduld nahelegen, machen die Investitionspläne Tempo. Als KMU-Führungsperson sind Sie kein Konjunkturprognostiker. Sie sind Hebel-Verwalter. Die zwei wichtigsten Hebel der nächsten zwölf Monate liegen in der KI-Integration bestehender Prozesse und im Kompetenzaufbau des Teams. Wer im Sommer 2026 keine Antwort auf diese zwei Fragen hat, gerät im vierten Quartal unter Druck. Wer sie hat, kann die nächste Planungsrunde offensiv angehen.

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