Die neue Schweizer KMU-Studie der Universität St.Gallen zeigt eines klar: Die wirtschaftliche Substanz entsteht nicht in der breiten Mitte, sondern an zwei deutlich getrennten Polen. Für Sie als Führungsperson ist das ...
99,7 Prozent aller Schweizer Unternehmen sind KMU. Das ist bekannt. Was die elfte Ausgabe der Schweizer KMU-Studie nun pointierter herausarbeitet, ist die Heterogenität dahinter. Die Universität St.Gallen schreibt nüchtern, die KMU-Welt sei kein homogener Sektor, sondern ein statistisches Dach über sehr unterschiedlichen Realitäten.
Die Verteilung in Vollzeitäquivalenten macht das messbar. Mikrounternehmen tragen 21,7 Prozent der Beschäftigung, Kleinunternehmen 21,2 Prozent, Mittelunternehmen ebenfalls 21,2 Prozent. Grossunternehmen kommen auf 36 Prozent. Drei von vier KMU operieren im Dienstleistungssektor. Ein grosser Teil der Substanz, etwa beim Export und der Produktivität, bleibt aber bei den Industrie-Mittelständlern. Moneycab hält fest, dass damit zwei Pole sichtbar werden: sehr viele sehr kleine Firmen, und eine vergleichsweise kleine Gruppe mit grosser Wirkung.
Was die Studie strategisch interessant macht, ist die zweite Botschaft. Fachkräftemangel, geopolitische Spannungen, zunehmende Regulierung und steigender Kostendruck reduzieren die Planbarkeit. Anpassungsfähigkeit wird zur Kernkompetenz, hält die Universität St.Gallen fest.
Der aktuelle Konjunkturkontext bestätigt das. Im April 2026 ist der Raiffeisen KMU-PMI von 55,0 auf 52,1 Punkte gefallen. Die Industrie-KMU melden eine nachlassende Wachstumsdynamik, während Einkaufspreise steigen. Raiffeisen hält fest, dass die meisten KMU diese Kosten nur sehr begrenzt über höhere Verkaufspreise weitergeben können. Bei den exportorientierten KMU sehen 30 Prozent gar keinen Spielraum für Preiserhöhungen. Das Bundes-KMU-Portal kmu.admin.ch warnt parallel: Die Eskalation im Nahen Osten könnte den Aufschwung bremsen. 40 Prozent der KMU rechnen bereits mit negativen Folgen für ihre Investitionspläne.
Wenn die Studie eines zeigt, dann dass es keinen Default für KMU gibt. Sie als Führungsperson entscheiden, wo Sie hingehören wollen. Drei Fragen helfen bei der Selbstverortung.
Erstens: Welcher Pol ist Ihr Ziel? Bewusst klein bleiben und Spezialist sein? Oder gezielt den Sprung in den Mittelpol planen, mit allen Konsequenzen für Strukturen, Governance und Kapitalbedarf? Beides ist legitim. Beides ist anstrengend, wenn man es nur halb tut.
Zweitens: Wo entsteht Ihre Substanz? Stehen Sie auf der Dienstleistungs-Seite mit Skalierungsoptionen und schlanker Kostenbasis? Oder gehören Sie zur Industrie-Substanz, die Export und Produktivität trägt, aber Maschinen, Kapital und Lieferketten braucht?
Drittens: Wie schnell kann Ihre Organisation reagieren? Anpassungsfähigkeit lässt sich nicht delegieren. Sie zeigt sich in der Entscheidungsgeschwindigkeit, im Spielraum der zweiten Führungsebene und in einer Liquidität, die mehr als zwei Wochen Puffer hat.
Diese drei Fragen lassen sich nicht im Tagesgeschäft beantworten. Sie brauchen Raum, Sparring und Distanz. Die neue KMU-Studie ist eine Einladung, sich nicht in der Mitte zu verstecken. Sie als Führungsperson tragen die Verantwortung für die strategische Position Ihres Unternehmens. Tun Sie es bewusst, sonst tun es Markt und Geopolitik für Sie.
Quellen
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