Der neue «KMU ZH Monitor» zeigt eine erneut eingetrübte Stimmung bei den Zürcher KMU. Wo jahrelang das fehlende Personal die grösste Sorge war, drückt heute die schwache Nachfrage. Für Führungskräfte heisst das, ihre Aufmerksamkeit neu zu verteilen.
Die Stimmung trübt sich weiter ein
Die sechste Ausgabe der jährlichen Studie stammt von der ZHAW und entsteht im Auftrag der Zürcher Kantonalbank. An der Befragung zwischen März und April 2026 nahmen 1’287 Betriebe teil, so viele wie noch nie.
Aktuell beurteilen 60 Prozent ihre Lage als positiv, vor einem Jahr waren es 64 Prozent. Auch der Ausblick fällt gedämpfter aus. Nur noch 64 Prozent erwarten eine positive Geschäftsentwicklung, nach 70 Prozent im Vorjahr.
Deutlicher wird der Trend bei den Umsätzen. 2022 rechneten netto 41 Prozent mit steigenden Umsätzen, heute sind es 12 Prozent. Bei den Margen halten sich positive und negative Erwartungen erstmals die Waage.
Der Engpass hat die Seite gewechselt
Die wichtigste Botschaft für die Führung steckt in der Rangliste der Herausforderungen. Das Dauerthema Personalgewinnung ist auf Platz vier zurückgefallen. Zwischen 2023 und 2026 sank der Anteil der KMU, die darin eine grosse Herausforderung sehen, von 63 auf 42 Prozent.
An seine Stelle rückt die Nachfrage. Seit 2023 hat sich der Anteil der Betriebe mit ungenügender Marktnachfrage verdoppelt. Rund ein Drittel kämpft heute mit schwacher Nachfrage. Eng damit verbunden klettert die Kundenakquise auf Platz drei, knapp die Hälfte der KMU nennt sie als Herausforderung.
An der Spitze stehen Vorschriften und Regulierungen, gefolgt von Digitalisierung und KI. Wie das Finanzportal cash berichtet, spüren die Banken die Zurückhaltung vor allem bei den Investitionsentscheiden ihrer Kundinnen und Kunden.
Ein Kanton, zwei Geschwindigkeiten
Der Durchschnitt verdeckt grosse Unterschiede. Im Bau und in der Architektur bewerten 70 Prozent ihre Lage als gut, in der Industrie nur 30 Prozent. Der Handel liegt mit 47 Prozent dazwischen, die Dienstleistungen schneiden mit 52 bis 57 Prozent solide ab.
Die Gründe sind branchenspezifisch. Den starken Franken spürt vor allem die Industrie, die ihn überdurchschnittlich oft als Belastung nennt. Im Handel drückt der Wettbewerbsdruck. Im Bau bleibt die Personalsuche das beherrschende Thema, dort nennen 67,5 Prozent sie als Herausforderung.
Für Führungskräfte folgt daraus eine einfache Regel: Steuern Sie nach dem Signal Ihrer Branche, nicht nach dem Kantonsdurchschnitt.
Was die Führung jetzt verschieben sollte
Wenn der Engpass von der Personalsuche zur Nachfrage wandert, muss auch die Führungsenergie wandern. Drei Hebel sind konkret.
Erstens die Nachfrage aktiv bearbeiten. Kundenakquise, Vertrieb und Preissetzung gehören jetzt auf die Agenda der Geschäftsleitung, nicht nur ins Marketing.
Zweitens die Marge verteidigen. Wenn das Wachstum fehlt, entscheidet die Qualität der Aufträge. Sortiment, Konditionen und Kostenstruktur verdienen einen kritischen Blick.
Drittens Investitionen bewusst steuern. Zurückhaltung ist verständlich, doch wer Digitalisierung und KI vertagt, riskiert den Anschluss. Die Studie nennt beide Themen unverändert als zweitgrösste Herausforderung.
Einordnung für die Praxis
Genau hier setzt der KMU Leaders Campus an. An den Zürcher Seminartagen tauschen Führungspersonen Erfahrungen zu Wachstum, Finanzierung und Organisation aus. Der neue Monitor liefert dafür die Faktenbasis.
Er zeigt, dass die Zürcher KMU nicht in eine Krise rutschen, sondern in eine Phase, in der Führung wieder den Unterschied macht. Wer die Aufmerksamkeit rechtzeitig verschiebt, verschafft sich einen Vorsprung.