Zollstreit ohne Durchbruch: Was KMU-Führung vor dem 24. Juli entscheiden muss

Bundespräsident Guy Parmelin ist ohne Durchbruch aus Washington zurückgekehrt. Der Bundesrat erneuert lediglich eine einseitige Absichtserklärung, ein verbindliches Abkommen bleibt aus. Für exportorientierte KMU zählt ab jetzt nicht der Verhandlungsprozess, sondern die verbleibenden Tage bis zum 24. Juli.

Kein Deal, nur eine Erklärung

Am Montagabend traf Bundespräsident Guy Parmelin in Washington auf US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer. Wie Moneycab berichtet, konnte er dabei keinen Durchbruch verkünden. Der Bundesrat legte stattdessen eine einseitige Absichtserklärung vor. Sie bekräftigt das Joint Statement vom 14. November 2025 und verlangt von den USA dieselbe Verlässlichkeit. Ein rechtlich bindendes Abkommen ist damit weiterhin nicht in Sicht.

Im Gespräch mit SRF bringt Parmelin die Lage auf den Punkt: Die einzige Sicherheit sei, dass es keine Sicherheiten mehr gebe. Neue Gerichtsentscheide zwingen die US-Regierung, andere rechtliche Grundlagen für ihre Zölle zu suchen. Bis dahin gilt die Zusage aus dem letzten Jahr informell weiter. Für Schweizer Unternehmen bedeutet das: Der Rahmen hält, solange beide Seiten ihn respektieren, ohne Garantie.

Was sich ändert, und was nicht

Nichts ändert sich an der Obergrenze von 15 Prozent, auf die sich Schweiz und USA im Herbst 2025 verständigt hatten. Etwas ändert sich am Ton: Washington signalisiert laut Parmelin, vorerst keine zusätzlichen Zölle zu erheben. Weiterhin offen bleiben die Section-301-Untersuchungen zu angeblichen Überkapazitäten und Zwangsarbeit. Sie drohen mit Zusatzzöllen von bis zu 12,5 Prozent und laufen unabhängig vom Treffen weiter.

Rahul Sahgal, Chef der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, ordnet das Ergebnis gegenüber Moneycab pragmatisch ein: Die Schweiz habe das Maximum herausgeholt. Entscheidend sei nicht, ob ein Vertrag unterschrieben werde, sondern welcher Zollsatz ab dem 24. Juli tatsächlich gelte. Ein verbindliches Abkommen erwartet er dieses Jahr nicht mehr, frühestens im Herbst. Für die Führungsetage heisst das: «Deal oder kein Deal» ist die falsche Frage.

Die Uhr tickt bis zum 24. Juli

Die geltende Übergangsregelung mit zehn Prozent Zusatzzoll läuft am 24. Juli aus. Was danach gilt, entscheidet sich in den nächsten Wochen zwischen Bern und Washington, nicht mehr in einer einzigen Verhandlungsrunde. Schon vor der Reise hatte die Schweiz signalisiert, US-Normen für Medizinprodukte und Personenwagen vereinfacht anzuerkennen, um Gegenleistungen zu zeigen, wie Moneycab vor dem Treffen einordnete. Für KMU zählt jetzt jeder Tag Vorlaufzeit, den sie für die eigene Planung nutzen.

Vier Entscheidungen für die nächsten zwei Wochen

Erstens: Rechnen Sie mit der Obergrenze, nicht mit dem Idealfall. Planen Sie Ihre Kalkulation für die kommenden Monate mit maximal 15 Prozent Zusatzzoll. Alles darunter ist ein positiver Nebeneffekt, keine Grundannahme.

Zweitens: Prüfen Sie Lieferverträge auf Zoll-Klauseln. Wer bis zum 24. Juli offene Offerten oder Rahmenverträge mit US-Kunden hat, sollte Preisanpassungsklauseln jetzt nachverhandeln. Nach dem Stichtag verschiebt sich die Verhandlungsmacht spürbar.

Drittens: Sichern Sie Ihre Liquidität für das dritte Quartal. Auch ohne Zollschock bindet die Unsicherheit Kapital in Lagerbeständen und Vorfinanzierung. Wie Sie Ihre Finanzführung in einem angespannten Umfeld robust halten, vertiefen wir im Beitrag SNB-Finanzstabilitätsbericht: Was er für Ihre Kreditvergabe bedeutet.

Viertens: Bauen Sie einen Section-301-Tracker ein. Die Untersuchungen zu Zwangsarbeit und Überkapazitäten laufen unabhängig vom Joint Statement weiter und können neue Zölle auslösen. Ein kurzer Zoll-Check gehört ab sofort in jede GL-Sitzung, wie wir bereits im Beitrag US-Zölle: Was KMU-Führung wissen muss empfohlen haben.

Ruhe bewahren heisst nicht abwarten

Parmelin nutzte die Reise auch für Firmenbesuche in Salt Lake City, San Francisco und Houston. Dort unterstrich er laut SRF, dass viele Schweizer KMU technologisch «on top» seien, etwa in der Raumfahrt. Diese Sichtbarkeit ersetzt keine Rechtssicherheit, stärkt aber die Verhandlungsposition der Schweiz langfristig. Für Ihre eigene Führungsarbeit gilt derselbe Grundsatz: Vorbereitung wiegt mehr als Abwarten.

Der Zollentscheid aus Washington liegt nicht in Ihrer Hand. Wie vorbereitet Ihr Unternehmen die kommenden Tage übersteht, schon. Den Austausch mit anderen Führungskräften zu Risiko- und Finanzführung bieten unsere Seminartage am KMU Leaders Campus.

Informiert bleiben

Sie wollen Neuigkeiten aus dem KMU Leaders Campus direkt erhalten? Tragen Sie sich ein, und wir halten Sie über kommende Events und Updates auf dem Laufenden.