Vom KI-Pilot zur Wertschöpfung: Warum Skalierung jetzt zur Führungsaufgabe wird

Schweizer KMU haben KI eingeführt. Jetzt steht der nächste Schritt an: aus einzelnen Pilotversuchen echten Nutzen herausholen. Wer den Sprung zur Skalierung verschläft, verliert in den nächsten Monaten den Anschluss.

In Schweizer KMU laufen erste KI-Anwendungen im Alltag. Chatbots beantworten Anfragen, Texthilfen entlasten das Marketing, Auswertungen beschleunigen die Kalkulation. Doch nur wenige Unternehmen schaffen den Sprung von einzelnen Werkzeugen zum durchgängigen Produktivitätshebel. Eine aktuelle Analyse der Fachpublikation Netzwoche hält fest: Der entscheidende Schritt sei heute nicht die Einführung, sondern die Skalierung.

Der Befund: viel Pilot, wenig Substanz

Auf einem AI-Flagship-Event in Zürich lancierten Digitalswitzerland und die Beratungsfirma Implement Consulting Group ein neues KI-Handbuch. Es richtet sich gezielt an Führungskräfte, mit Fokus auf KMU. Wie Inside IT berichtet, ist die Adoptionslücke gross. Nur rund 8 Prozent der kleinen Schweizer Firmen setzen KI produktiv ein, bei grossen Firmen ist es mehr als ein Drittel. Diese Lücke ist weniger eine Technologie- als eine Führungsfrage.

Auch die öffentliche Hand zieht nach. Wie Netzwoche berichtet, sucht der Bund Daten- und KI-Services im Umfang von 57 Millionen Franken und lädt KMU explizit zur Bewerbung ein, einzeln, im Konsortium oder als Subunternehmer. Parallel positioniert sich das Schweizer Startup Swissbrain mit einer All-in-one-Lösung speziell für KMU. Der Markt fängt an, die Lücke aktiv zu adressieren.

Drei Hebel, die Führung jetzt ziehen muss

Erstens: Anwendungsfälle priorisieren. Wer alles gleichzeitig versucht, gewinnt nichts. Die Frage lautet: Wo entsteht messbarer Nutzen, in welcher Höhe, bis wann? Drei klar abgegrenzte Anwendungsfälle reichen für die nächsten 90 Tage.

Zweitens: Daten und Prozesse in Ordnung bringen. KI lebt von strukturierten Daten und sauberen Abläufen. Die Netzwoche hält fest, dass Unternehmen ohne Datengrundlage beim Skalieren regelmässig scheitern. Investitionen in Datenqualität sind keine IT-Aufgabe, sondern Chefsache.

Drittens: Kompetenz im Team aufbauen. Laut Digitalswitzerland verfügen 72 Prozent der KMU nicht über ausreichende KI-Kompetenz. Ohne Weiterbildung bleiben selbst die besten Tools ungenutzt. Hochschulpartner und Branchenverbände bieten dafür praxisnahe Formate an.

Was Sie diese Woche tun können

Setzen Sie sich mit Ihrer Geschäftsleitung zusammen und bestimmen Sie drei konkrete Anwendungsfälle, die in den nächsten 90 Tagen produktiv gehen sollen. Klären Sie, wer aus dem Führungsteam die Gesamtverantwortung für KI trägt. Es muss keine eigene Stelle sein, aber eine eindeutige Verantwortlichkeit. Prüfen Sie, ob Ihr Datenhaushalt für die geplanten Anwendungsfälle ausreicht. Und planen Sie ein Weiterbildungsbudget ein. Ohne kompetente Anwender bleibt jede KI-Strategie auf dem Papier.

Was KLC dazu beiträgt

Im KMU Leaders Campus ist KI keine reine Tool-Frage, sondern ein Führungsthema. Im Austausch mit der HSLU fliesst wissenschaftlich fundierte Praxis ein, mit SWICO die Branchenperspektive aus der ICT, mit zurichnetgroup die Sicht eines Schweizer Tech-Mittelständlers, mit PostFinance die finanzielle Planungsperspektive. Die Campus Impulse am Abend bleiben bewusst niederschwellig. Peer-Austausch zur eigenen Pilot-Skalierung passiert dort schneller als in formellen Settings. Wer den Übergang zur durchgängigen Wertschöpfung ernst nimmt, sucht nicht nur Tools, sondern auch Mitspieler.

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