Das KOF-Konjunkturbarometer kratzt im Mai an der 100er-Marke, ohne sie zu nehmen. Gleichzeitig planen 46 Prozent der Schweizer Finanzchefs, mittelfristig Lohnkosten durch KI zu senken. Zwei Signale, eine Konsequenz für KMU-Führungspersonen.
Anfang Juni hat Washington den Druck erhöht. Wie die Wirtschaftsplattform Moneycab berichtet, schlug die US-Regierung Zusatzzölle gegen rund 60 Handelspartner vor. Die Schweiz gehört zu 54 Volkswirtschaften, die mit 12,5 Prozent belastet werden sollen. Der Vorwurf lautet, die Schweiz gehe zu wenig gegen Importe aus Zwangsarbeit vor. Bern weist diese Vorwürfe entschieden zurück.
Bisher gilt für Schweizer Exporte ein Satz von 10 Prozent. Die neuen Abgaben sollen diesen ersetzen. Für die EU sind dagegen nur 10 Prozent vorgesehen. Damit droht der Schweiz im US-Geschäft ein Nachteil gegenüber europäischen Anbietern. Der Zeitpunkt ist heikel, denn Bern und Washington verhandeln über ein Abkommen.
Die Zahlen zur Zoll-Drohung
› 12,5 % angedrohter US-Zollsatz für Schweizer Importe
› 54 Volkswirtschaften vom geplanten Zusatzzoll betroffen
› 10 % vorgesehener Satz für die EU, ein Nachteil für die Schweiz
› Konsultation läuft bis 06.07.2026, danach öffentliche Anhörungen
› aktueller Zollsatz von 10 % gilt vorerst bis 24.07.2026
Nur ein kleiner Teil der KMU exportiert direkt in die USA. Doch viele liefern als Zulieferer an exportstarke Unternehmen. Sinkt deren Auftragslage, spüren das auch Betriebe ohne eigenen US-Kunden.
Dazu kommt die grössere Last: die Planungsunsicherheit. Niemand weiss heute, welcher Satz im Herbst gilt. Investitionen, Einkauf und Personalentscheide geraten so ins Stocken. Unsicherheit kostet, noch bevor ein einziger Zoll fällig wird.
Die Unsicherheit prägte auch die wichtigste Wirtschaftskonferenz des Landes. Das Swiss Economic Forum in Interlaken stand dieses Jahr unter dem Motto «Unbreakable?». Wie der Sender SRF berichtet, ist das Fragezeichen bewusst gewählt. Es lädt zur Reflexion in unsicheren Zeiten ein.
Die Organisatoren formulieren es klar. «Das Motto steht für unternehmerische Fähigkeiten, die jetzt zählen: Mut, Führung und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen», heisst es in der Mitteilung zum Forum. Resilienz wird damit zur Führungsaufgabe erklärt.
Bundespräsident Guy Parmelin äusserte sich am Forum zur Zoll-Drohung. Laut Moneycab zeigte er sich nicht überrascht und mahnte zur Ruhe. «Wir müssen Ruhe bewahren und die Verhandlungen weiterführen», sagte der Wirtschaftsminister. Für Führungskräfte ist diese Haltung mehr als Diplomatie. Sie ist eine Arbeitsanweisung.
Resilienz entsteht nicht im Krisenmoment. Sie wird vorher aufgebaut. Vier Hebel sind jetzt zentral.
Erstens, Szenarien statt Prognosen. Rechnen Sie Ihr Geschäft für 10, 12,5 und 25 Prozent Zoll durch. So kennen Sie Ihre Schmerzgrenze, bevor der Entscheid fällt.
Zweitens, Liquidität sichern. Volatile Märkte verlangen einen finanziellen Puffer. Ein nüchterner Blick auf Cashflow und Finanzierungslinien gehört jetzt auf jede Agenda der Geschäftsleitung.
Drittens, Abhängigkeiten reduzieren. Wer Absatzmärkte und Lieferanten streut, federt einzelne Schocks besser ab. Das gilt für Kunden in den USA ebenso wie für kritische Vorprodukte.
Viertens, klar kommunizieren. Unsicherheit verunsichert auch Teams. Wer Lage, Annahmen und nächste Schritte offen benennt, schafft Vertrauen und Handlungsfähigkeit.
Resilienz ist auch eine Frage des Netzwerks. Im Austausch mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern werden blinde Flecken sichtbar. Genau dafür ist der KMU Leaders Campus gebaut. In den Seminartagen und der Community of Practice teilen Führungspersonen, wie sie mit Zöllen, Nachfolge und Fachkräftemangel umgehen.
Die Zoll-Drohung ist real, aber nicht das Ende. Sie ist ein Test. Unbreakable wird ein Unternehmen nicht durch Glück, sondern durch Vorbereitung und Führung.
Weiterführend im KMU Leaders Campus: Resilienz im Austausch entwickeln – Seminartage und Community of Practice bringen Führungspersonen zu Zöllen, Nachfolge und Fachkräftemangel zusammen. Mit Partnern wie PostFinance und Swiss Leaders an der Seite.
QUELLEN
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