12,5 Prozent Zoll aus den USA: Warum Exportmärkte jetzt zur Chefsache werden

Seit dem 24. Juli belegen die USA Schweizer Industrieprodukte mit einem Zoll von 12,5 Prozent, 2,5 Punkte mehr als die EU. Für exportierende KMU ist das nicht nur ein Kostenthema, sondern eine strategische Frage. Wer die Abhängigkeit von einzelnen Märkten jetzt reduziert, entscheidet im zweiten Halbjahr souveräner.

Was sich am 24. Juli geändert hat

Die US-Zollpolitik hat eine neue Stufe erreicht. Ende Februar 2026 erklärte das oberste US-Gericht die auf Notrecht gestützten Zölle für unrechtmässig. Danach galt für 150 Tage ein pauschaler Zusatzzoll von zehn Prozent. Diese Frist lief am 24. Juli ab.

Wie die Wirtschaftsredaktion von SRF erläutert, wich die US-Regierung danach auf eine neue Rechtsgrundlage aus. Sie stützt sich nun auf die sogenannte «Section 301», ein Mittel gegen angeblich unfaire Handelspraktiken. Auf dieser Basis gelten für Schweizer Industrieprodukte neu 12,5 Prozent Zoll.

Der Branchenverband Swissmem rechnet vor, was das bedeutet: Der Satz liegt 2,5 Prozentpunkte über jenem für die EU. Für Schweizer Firmen entsteht damit ein direkter Wettbewerbsnachteil gegenüber ihren europäischen Hauptkonkurrenten auf dem US-Markt. Zusätzlich läuft eine Untersuchung zu industriellen Überkapazitäten, aus der ein noch höherer Satz folgen könnte.

Der Franken bleibt die grössere Dauerbelastung

Bei aller Aufmerksamkeit für die Zölle lohnt der Blick auf die Gesamtlage. Die Exportförderungs-Organisation Switzerland Global Enterprise befragt halbjährlich über 200 exportierende KMU. Ihre Exportstimmung stieg zuletzt leicht auf 64,4 Punkte und liegt damit klar über der Wachstumsschwelle von 50.

Doch die eigentliche Sorge liegt woanders. Wie die Wirtschaftsplattform Moneycab berichtet, nannten 61 Prozent der befragten Unternehmen den starken Franken als grösste Belastung für die kommenden Monate. Der Zollstreit war in der Wahrnehmung sogar in den Hintergrund gerückt.

Für Ihre Planung heisst das: Zoll und Wechselkurs wirken zusammen. Ein höherer Zollsatz verteuert das US-Geschäft, ein starker Franken schmälert die Erlöse zusätzlich. Beide Effekte treffen dieselbe Marge. Wer nur auf die Zoll-Schlagzeile schaut, unterschätzt die zweite Hälfte der Rechnung.

Warum Marktabhängigkeit zur Führungsfrage wird

Die USA bleiben für viele Schweizer Betriebe der wichtigste Absatzmarkt ausserhalb Europas. Genau das macht die aktuelle Lage heikel. Eine hohe Abhängigkeit von einem einzelnen Markt verwandelt jede politische Kapriole in ein Klumpenrisiko für das eigene Unternehmen.

Die Antwort darauf ist selten operativ, sondern strategisch. Swissmem fordert bessere Standortbedingungen und verweist auf neue Freihandelsabkommen als Hebel, etwa mit den Mercosur-Staaten, mit Malaysia und über die Weiterentwicklung des Abkommens mit China. Solche Abkommen öffnen Alternativen zum US-Geschäft.

Für die einzelne Geschäftsleitung stellt sich die Frage konkreter: Wie stark hängt unser Umsatz an einem Markt, und was wäre der Plan B? Diese Diskussion gehört nicht in die Exportabteilung allein, sondern an den Tisch der Führung. Sie berührt Preismodell, Zielmärkte, Lieferkette und Investitionen zugleich.

Was Sie jetzt konkret prüfen sollten

Der erste Schritt ist Transparenz. Klären Sie, welcher Anteil Ihres Umsatzes direkt oder indirekt am US-Markt hängt und wie empfindlich Ihre Marge auf Zoll und Wechselkurs reagiert. Erst diese Zahl macht die Debatte entscheidungsreif.

Zweitens lohnt der Blick auf die Preisgestaltung. Prüfen Sie, ob und wie sich der Zoll teilen oder weitergeben lässt, ohne den Markt zu verlieren, und wie Sie Währungsrisiken absichern. Drittens rückt die Diversifizierung in den Fokus: alternative Märkte, neue Abkommen, breitere Kundenbasis.

Ein rechtsverbindliches Abkommen mit den USA ist zwar in Verhandlung, seit November 2025 besteht eine Absichtserklärung für eine Obergrenze von 15 Prozent. Doch Planungssicherheit entsteht daraus noch nicht. Bis dahin bleibt die Marktdiversifizierung der verlässlichste Schutz, den ein Unternehmen selbst in der Hand hat.

Solche Weichenstellungen trifft man besser nicht allein. Der Austausch mit anderen Führungspersonen, die vor derselben Frage stehen, schärft die eigene Entscheidung. Genau dafür ist der Erfahrungsaustausch im KMU Leaders Campus gedacht, etwa am Seminartag zu Unternehmensführung und Governance Ende August. Themen wie Exportstrategie, Resilienz und Risikosteuerung lassen sich dort mit Peers und Fachleuten durchdenken, bevor sie im eigenen Betrieb zur Belastung werden.

Die Zölle sind ein äusserer Schock, den niemand allein abstellt. Die Reaktion darauf aber ist eine Führungsentscheidung. Und die trifft man am besten früh, informiert und im Austausch.

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