Worum es kommende Woche geht
Für Wirtschaftsminister Guy Parmelin naht der Moment der Wahrheit. Wie das Finanzportal
cash berichtet, trifft er in Washington den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer, um eine Anschlusslösung für die Schweizer Exportwirtschaft zu sichern.
Der Grund für die Eile ist ein Datum. Die gesetzliche Grundlage für die aktuellen US-Tarife läuft am 23. Juli aus. Die im Herbst notfallmässig vereinbarte Obergrenze von 15 Prozent darf dabei nicht fallen, sonst droht die Rückkehr zu deutlich höheren Sätzen.
Was nach hoher Politik klingt, landet direkt in Ihrer Kalkulation. Jeder Punkt mehr oder weniger Zoll verschiebt Margen, Preise und Investitionsentscheide. Genau deshalb gehört das Thema auf den Tisch der Geschäftsleitung, nicht nur in die Buchhaltung.
Die neue Drohung: 12,5 Prozent wegen Zwangsarbeit
Mitten in die Verhandlungen platzte Anfang Juni eine neue Forderung. Wie
20 Minuten berichtet, schlug die US-Regierung Zusatzzölle von 12,5 Prozent auf Schweizer Waren vor und begründet dies mit mangelndem Kampf gegen Zwangsarbeit.
Die Massnahme würde 54 Volkswirtschaften treffen, die Schweiz inklusive. Für die EU und Grossbritannien wäre ein tieferer Zusatzzoll von 10 Prozent vorgesehen. Halbleiter, Kaffee, Rindfleisch und Früchte wären ausgenommen.
Das Staatssekretariat für Wirtschaft hält die Vorwürfe für haltlos. Die Schweiz verbiete Zwangsarbeit verfassungs-, zivil- und strafrechtlich und nehme international eine Vorreiterrolle ein. Definitiv sind die Zölle nicht: Bis Anfang Juli läuft eine Konsultation, danach folgen öffentliche Anhörungen.
Warum das KMU-Führung betrifft, nicht nur Konzerne
Der Reflex vieler Inhaberinnen und Inhaber lautet: Das betrifft die Grossen. Diese Annahme trügt. Pharmariesen können Produktion verlagern und Investitionen ankündigen, kleinere Zulieferer und Nischenhersteller können das oft nicht.
Wer ein einzigartiges Produkt herstellt, kann Zölle eher an US-Kunden weitergeben. Wer in einem Wettbewerbsumfeld liefert, in dem Käufer vergleichbare Ware anderswo finden, verliert schnell Aufträge. Maschinenbauer und die Uhrenindustrie haben diese Erfahrung bereits gemacht.
Die eigentliche Belastung ist nicht der Zollsatz allein, sondern die Planungsunsicherheit. Solange unklar ist, ob 15, 12,5 oder mehr Prozent gelten, lassen sich Preise, Offerten und Investitionen kaum sauber rechnen. Diese Unsicherheit zu führen ist die eigentliche Aufgabe.
Was Sie jetzt tun können, unabhängig vom Ausgang
Gute Führung wartet nicht auf das Verhandlungsergebnis, sondern bereitet mehrere Ausgänge vor. Fünf Schritte lassen sich diese Woche anstossen, ganz ohne Kenntnis des definitiven Zollsatzes.
Erstens: Rechnen Sie drei Szenarien durch. Eine stabile Obergrenze von 15 Prozent, eine Verschärfung durch den Zwangsarbeit-Zoll, eine Entspannung im Verhandlungsweg. Hinterlegen Sie jedes mit Wirkung auf Marge und Liquidität.
Zweitens: Sichern Sie Ihre Währungsrisiken. Ein grosser Teil des Schmerzes entsteht im Dollarkurs, nicht nur im Zoll. Sprechen Sie mit Ihrer Bank über Absicherung für die nächsten sechs bis zwölf Monate.
Drittens: Prüfen Sie Ihre Abhängigkeit vom US-Markt. Welcher Umsatzanteil hängt daran, welche Produkte sind am stärksten exponiert, welche Märkte könnten kompensieren. Diversifikation beginnt mit einer ehrlichen Bestandesaufnahme.
Viertens: Reden Sie mit Ihren Kunden, bevor der Zoll es für Sie tut. Wer früh über mögliche Preisanpassungen, Bundling oder gemeinsame Lösungen spricht, schützt die Beziehung. Schweizer Qualität und Kundenloyalität sind reale Aktiva.
Fünftens: Verankern Sie das Thema im Führungsrhythmus. Ein kurzer Zoll-Check in jeder GL-Sitzung schlägt hektische Einzelaktionen, sobald eine Entscheidung aus Washington fällt.
Führung heisst Ruhe bewahren, nicht abwarten
Bemerkenswert ist die Tonlage an der Spitze. Am
Swiss Economic Forum sagte Parmelin, man müsse Ruhe bewahren und die Verhandlungen fortführen. Auf die Frage nach einem Abschlussdatum antwortete er nüchtern: Es sei alles ungewiss.
Diese Haltung ist auch für KMU ein Modell. Ruhe bewahren heisst nicht abwarten, sondern handlungsfähig bleiben, ohne in Aktionismus zu verfallen. Wer seine Zahlen kennt und seine Szenarien vorbereitet hat, entscheidet souverän, sobald Klarheit eintritt.
Genau hier setzt der KMU Leaders Campus an. Wie strategisches Risiko zur Chefsache wird, vertiefen wir im Beitrag
Risiko ist Chefsache. Wie Sie Ihr Unternehmen in einem unsicheren Zinsumfeld finanziell steuern, lesen Sie in
Finanzführung im Nullzins-Umfeld. Den Austausch dazu mit anderen Führungskräften finden Sie an unseren Seminartagen.
Die Zölle aus Washington können Sie nicht steuern. Wie vorbereitet Ihr Unternehmen in die nächste Entscheidung geht, schon.