Der starke Franken bleibt für exportorientierte Schweizer KMU die grösste Belastung. Ein neuer Vorschlag will das ändern: eine Versicherung nach dem Vorbild der Exportrisikoversicherung SERV, die erst bei extremen Währungsschocks greift. Wir zeigen, wie der «Swiss Export Shield» funktionieren soll und wo Sie als Unternehmer heute schon ansetzen können.
Die Stimmung der Schweizer Exportwirtschaft hat sich zuletzt leicht aufgehellt. Die halbjährliche Umfrage der Exportförderungs-Organisation Switzerland Global Enterprise zeigt einen Anstieg der KMU-Exportstimmung auf 64,4 Punkte, wie Moneycab berichtet. Damit liegt das Barometer weiterhin über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Verschoben hat sich dagegen die Wahrnehmung der grössten Risiken. Vor einem halben Jahr stand noch der Zollstreit im Vordergrund, jetzt ist es der Nahost-Konflikt. Am stärksten bleibt aber ein altbekanntes Problem: 61 Prozent der befragten Unternehmen nennen den starken Franken als Hauptbelastung für die kommenden Monate.
Genau hier setzt ein Vorschlag an, den Nabil Francis, CEO des Westschweizer Industrieunternehmens Felco, in einem Gastbeitrag bei finews.ch lanciert. Sein «Swiss Export Shield» soll wie ein Airbag funktionieren. Normale Wechselkursschwankungen bleiben Sache der Unternehmen. Erst bei einer aussergewöhnlich starken Aufwertung über einen definierten Schwellenwert greift der Mechanismus. Industrieunternehmen mit substanzieller Wertschöpfung in der Schweiz könnten damit 50 bis 70 Prozent ihrer Exporterlöse in Euro oder Dollar für zwölf Monate absichern. Finanziert würde das Instrument über jährliche Prämien der teilnehmenden Firmen und einen Reservefonds, ergänzt durch eine begrenzte Bundesgarantie für ausserordentliche Krisen. Vorbild ist die SERV, die Schweizerische Exportrisikoversicherung, die seit Jahren gegen Zahlungsausfälle im Ausland absichert.
Ein zentraler Punkt des Vorschlags betrifft die Schweizerische Nationalbank. Der Swiss Export Shield müsste laut Francis so ausgestaltet sein, dass die Unabhängigkeit der SNB vollständig gewahrt bleibt. Sie würde das Instrument weder finanzieren noch verwalten, das übernähme eine unabhängige öffentliche Institution. Damit will der Vorschlag verhindern, dass Geldpolitik zu Industriepolitik wird, ein Einwand, der Absicherungsideen für Exporteure sonst häufig begleitet.
Termingeschäfte und Optionen zur Kursabsicherung bieten Banken bereits heute an. Für viele KMU sind diese Instrumente laut Francis jedoch zu komplex, zu teuer oder nicht auf die operative Realität kleinerer Betriebe zugeschnitten. Grosskonzerne verfügen über spezialisierte Finanzabteilungen und Produktionsstandorte in mehreren Währungsräumen. Industrie-KMU dagegen produzieren, zahlen Löhne und bilden Lernende in der Schweiz aus und tragen Wechselkursrisiken direkt und ungefiltert.
Der Swiss Export Shield ist heute erst eine Idee, kein Gesetz und keine verfügbare Police. Trotzdem lohnt sich für exportorientierte KMU eine Bestandsaufnahme. Wie stark würde eine weitere Aufwertung des Frankens Ihre Marge treffen, und welchen Anteil Ihrer Erlöse erzielen Sie in Euro oder Dollar? Sprechen Sie mit Ihrer Bank über bestehende Absicherungsinstrumente und deren tatsächliche Kosten für Ihren Betrieb. Die Moneycab-Auswertung der Halbjahresumfrage zeigt es deutlich: Die Frankenstärke bleibt die grösste strukturelle Sorge der Exportwirtschaft, unabhängig davon, ob der Swiss Export Shield je realisiert wird. Wie Sie das Nullzins-Umfeld der SNB für Ihre Finanzführung einordnen, vertiefen wir im Beitrag SNB hält den Leitzins bei null.
Auch die Exportstimmung selbst haben wir bereits eingeordnet, im Beitrag Der Franken bleibt, die Sorge wechselt. Der KMU Leaders Campus vertieft Fragen der Finanzführung und des Risikomanagements regelmässig an seinen Seminartagen.
QUELLEN
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