Das KOF-Konjunkturbarometer kratzt im Mai an der 100er-Marke, ohne sie zu nehmen. Gleichzeitig planen 46 Prozent der Schweizer Finanzchefs, mittelfristig Lohnkosten durch KI zu senken. Zwei Signale, eine Konsequenz für KMU-Führungspersonen.
Mitte Juni gibt die Nationalbank ihre nächste geldpolitische Lagebeurteilung bekannt. Die Konjunktur bleibt verhalten, der Franken stark, die Teuerung tief. Für Sie als Führungsperson ist das keine Frage für Ökonomen, sondern eine Frage Ihrer eigenen Liquidität.
Die Stimmung in der Schweizer Wirtschaft hat sich zuletzt kaum bewegt. Das KOF-Konjunkturbarometer der ETH Zürich stieg im Mai nur leicht auf 98,0 Punkte. Damit liegt der Frühindikator weiter unter dem langjährigen Durchschnitt von 100.
Das Bild bleibt gemischt. Finanz- und Versicherungsdienstleister stützen, doch die Indikatoren des verarbeitenden Gewerbes stehen unter Druck. Besonders die Exportwirtschaft verliert an Schwung. Wer im Aussenhandel tätig ist, spürt diesen Gegenwind direkt.
Das erste Quartal fällt zwiespältig aus. Wie Moneycab unter Berufung auf das Staatssekretariat für Wirtschaft berichtet, wuchs das Bruttoinlandprodukt von Januar bis März um 0,4 Prozent. Getragen hat das Wachstum die Industrie, deren Wertschöpfung um 1,3 Prozent zulegte.
Der private Konsum dagegen stagnierte. Die chemisch-pharmazeutische Branche verlor 3,4 Prozent, und die Warenexporte gaben insgesamt nach. Auch die Tech-Industrie meldete für das Quartal wieder steigende Umsätze, doch die Erholung steht auf schmalem Fundament.
Mittelfristig bleibt das Tempo gedämpft. Der Dachverband economiesuisse rechnet für 2026 mit einem Wachstum von 1,0 Prozent. Auch die OECD erwartet eine spürbare Beschleunigung erst ab 2027.
DIE LAGE IN ZAHLEN
KOF-Konjunkturbarometer Mai: 98,0 Punkte (Durchschnitt = 100)
BIP 1. Quartal 2026: +0,4% (Industrie +1,3%, Konsum stagnierend)
Wachstumsprognose 2026 (economiesuisse): +1,0%
Nächster SNB-Zinsentscheid: 18. Juni 2026
Vor diesem Hintergrund entscheidet die Schweizerische Nationalbank an ihrer Lagebeurteilung vom 18. Juni über den Leitzins. Tiefe Teuerung und ein starker Franken erhöhen den Druck, die Geldpolitik locker zu halten.
Für exportorientierte Betriebe ist der Wechselkurs oft das grössere Thema als der Zinssatz selbst. Ein starker Franken verteuert Schweizer Produkte im Ausland und drückt auf die Margen. Der Entscheid wirkt deshalb auf zwei Ebenen zugleich: auf Ihre Finanzierungskosten und auf Ihre Wettbewerbsfähigkeit.
Erstens die variabel verzinsten Kredite. Wer Betriebsmittel oder Investitionen auf SARON-Basis finanziert, profitiert direkt von einer Zinssenkung. Prüfen Sie, welcher Anteil Ihrer Schulden variabel verzinst ist und wie sensibel Ihr Ergebnis darauf reagiert.
Zweitens die Refinanzierung. Bei Festhypotheken und langfristigen Krediten zählt das Timing. Klären Sie früh, welche Tranchen in den nächsten Monaten auslaufen, und sprechen Sie mit Ihrer Bank über Anschlusslösungen, bevor der Druck steigt.
Drittens Liquidität und Währung. Exportbetriebe sollten ihr Wechselkursrisiko bewusst steuern, statt es dem Zufall zu überlassen. Eine saubere Liquiditätsplanung über zwölf Monate zeigt Ihnen, wie viel Spielraum Sie tatsächlich haben.
Der Zinsentscheid trifft jedes KMU anders. Entscheidend ist nicht die Prognose, sondern Ihre Vorbereitung. Wer seine Finanzierungsstruktur kennt, kann auf jeden Ausgang reagieren, statt ihm ausgeliefert zu sein.
Nutzen Sie die Tage bis zum 18. Juni für einen nüchternen Kassensturz. Eine Stunde mit Ihrer Buchhaltung und Ihrer Bank ist gut investiert. Geldpolitik ist Chefsache, weil sie Ihre Zahlen verändert, bevor sie in den Schlagzeilen ankommt.
IM KMU LEADERS CAMPUS Finanzierung und Liquidität sind wiederkehrende Themen der Campus-Impulse-Abende. Gemeinsam mit Partnern wie PostFinance und Swiss Leaders ordnet der KMU Leaders Campus geldpolitische Entwicklungen für die Führungspraxis ein. Der nächste Impuls bietet Raum, Ihre Finanzierungsstrategie mit anderen Führungspersonen zu spiegeln.
QUELLEN
WEITERFÜHRENDE BEITRÄGE
Zum nächsten Seminartag anmeldenWir verwenden Cookies, um kmu-leaders.ch sicher zu betreiben, die Nutzung anonym auszuwerten (Google Analytics 4) und unsere Kommunikation zu verbessern. Du kannst selbst wählen, welche Cookies erlaubt sind.