Skills statt Diplome: Was sich für KMU-Führung jetzt ändert

Eine neue Analyse der Adecco-Gruppe Schweiz und des Stellenmarkt-Monitors der UZH zeigt: überfachliche Fähigkeiten dominieren den Schweizer Stellenmarkt. Selbstmanagement, Teamarbeit und Lernbereitschaft werden in 63 Prozent aller Schweizer Stelleninserate verlangt – mehr als je zuvor.

Der harte Befund: 63 Prozent statt 60

Der Anteil überfachlicher Fähigkeiten in Schweizer Stelleninseraten ist seit 2022 von rund 60 auf über 63 Prozent gestiegen. Das zeigt eine Auswertung von über einer Million Inseraten aus den Jahren 2015 bis 2026. Die Verlagerung geht zulasten formaler Bildungsanforderungen. Wie das Fachportal personal-schweiz.ch zusammenfasst, gehören Selbstmanagement, proaktives Handeln und selbstständiges Arbeiten zu den meistgefragten Kompetenzen.

Strukturwandel, nicht KI-Hype

Wer das auf KI schiebt, übersieht den Punkt. Die Forschenden des Stellenmarkt-Monitors halten fest, dass der Anstieg nicht primär durch KI getrieben ist. Er hängt mit veränderten Organisationsformen und komplexeren Arbeitsprozessen zusammen. Flachere Hierarchien, hybride Teams und schnelle Reorganisationen verlangen nach Mitarbeitenden, die sich selbst steuern. Diplome bleiben wichtig, reichen aber nicht mehr als Selektionskriterium.

Was das für KMU-Chefs bedeutet

Drei Hebel zählen jetzt. Erstens die Rekrutierung: Inserate, Interviews und Auswahlverfahren müssen überfachliche Fähigkeiten messbar prüfen, nicht nur abhaken. Zweitens die Beförderung: Wer überfachlich stark ist, muss erkennbar Karriere machen, sonst wandert das Talent ab. Drittens die Weiterbildung: Lernbereitschaft und Kollaborationsfähigkeit lassen sich schulen, wenn die Investition als Führungsthema gilt, nicht als HR-Bonusleistung.

Kontextzahl: gedämpfte Stimmung

Die Studie kommt in einem schwierigen Umfeld. Das KOF Konjunkturbarometer der ETH Zürich stieg im April leicht auf 97.9 Punkte, bleibt aber unter dem langfristigen Mittelwert. Die Schweizer Wirtschaft wächst 2026 verhalten. Für KMU bedeutet das: Mehr Ertrag aus bestehenden Teams, nicht mehr Wachstum durch Neueinstellungen. Wer überfachliche Stärken systematisch entwickelt, gewinnt genau hier.

Konkrete Schritte für die nächsten 90 Tage

  • Stelleninserate prüfen: Anteil fachlicher und überfachlicher Anforderungen ausweisen, zu starre Diplom-Filter lockern.
  • Skill-Audit im Team: Selbstmanagement- und Kollaborations-Lücken erheben, mindestens eine Person pro Funktion bewerten.
  • Lernbudget verankern: zwei bis drei Tage pro Person und Jahr für überfachliche Weiterbildung als Pflicht, nicht als Bonus.
  • Führungskräfte einbinden: Skills-Aufbau als Linienverantwortung definieren, nicht als HR-Sonderprojekt delegieren.

Anschluss im KLC-Netzwerk

Genau hier setzt der Skills-Diskurs am KMU Leaders Campus an. Die Seminartage und Campus Impulse bringen KMU-Führungspersonen mit Praktikern und Hochschulen zusammen. Wer den nächsten Schritt sucht, findet im Netzwerk Sparringspartner, die denselben Wandel erleben.

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