Zwei Signale aus Mai 2026: Konjunktur dümpelt, CFOs ziehen den KI-Lohnhebel

Das KOF-Konjunkturbarometer kratzt im Mai an der 100er-Marke, ohne sie zu nehmen. Gleichzeitig planen 46 Prozent der Schweizer Finanzchefs, mittelfristig Lohnkosten durch KI zu senken. Zwei Signale, eine Konsequenz für KMU-Führungspersonen.

Nur noch 9 Prozent der Führungskräfte gehen Risiken proaktiv an, ein Jahr zuvor war es mehr als doppelt so viel. Gleichzeitig sagt mehr als die Hälfte, das Tagesgeschäft verdränge die vorausschauende Planung. Für KMU-Verantwortliche ist das ein Weckruf.

Krise als Normalzustand

Die globale Risikolandschaft verschärft sich, und die Führungsetagen spüren es deutlich. Wie das Wirtschaftsportal Moneycab berichtet, halten 80 Prozent der Führungskräfte die heutige Lage für so krisengeprägt wie nie zuvor. Die Zahlen stammen aus der Studie «Global Risk Landscape 2026» der Beratungsgesellschaft BDO. 68 Prozent beobachten zudem, dass Krisen schneller auf ihr Unternehmen durchschlagen als noch vor einem Jahr. Am wenigsten vorbereitet fühlen sich die Befragten auf Cyberangriffe, Künstliche Intelligenz und geopolitische Spannungen.

Das Tagesgeschäft frisst die Strategie

Der wunde Punkt liegt nicht im Erkennen, sondern im Handeln. Nur 9 Prozent stufen ihren Umgang mit Risiken als sehr proaktiv ein. Vor einem Jahr waren es mit 19 Prozent mehr als doppelt so viele. Der Grund ist banal und gefährlich zugleich: 55 Prozent sagen, das Tagesgeschäft bremse die langfristige Planung aus. Wer ständig Brände löscht, plant nicht voraus. Genau diese Lücke wird im volatilen Umfeld zum Wettbewerbsnachteil.

Cybersicherheit gehört auf den Tisch der Geschäftsleitung

Besonders deutlich zeigt sich der Nachholbedarf bei der IT-Sicherheit. 40 Prozent der Führungskräfte halten ihr Unternehmen bei Cyberrisiken für am schlechtesten gewappnet, fast doppelt so viele wie im Vorjahr mit 23 Prozent. Die Ausgaben steigen, doch die Angriffe werden schneller. Dass Cybersicherheit Chefsache ist, unterstreicht ein weiterer Beitrag von Moneycab: Die wichtigsten Sicherheitsentscheide gehören auf die Geschäftsleitungsebene, nicht in die Technikabteilung. Für KMU heisst das, Verantwortung zu übernehmen statt zu delegieren.

Was Schweizer KMU daraus lernen

Die BDO-Studie befragte grosse, international tätige Unternehmen. Die Mechanik gilt für KMU jedoch genauso, oft sogar verschärft. Denn kleine Teams haben weniger Puffer, wenn mehrere Risiken gleichzeitig zuschlagen. Das passende Bild dazu liefert das NZZ-KMU-Barometer 2026: Schweizer KMU sind operativ stark, doch weniger als ein Drittel traut sich zu, das Geschäftsmodell innert sechs Monaten grundlegend anzupassen. Operative Stärke ersetzt keine strategische Beweglichkeit. Wer Risiken früh in strategische Entscheide einbezieht, verschafft sich einen Vorsprung.

Risikomanagement ist damit weniger eine Frage von Werkzeugen als von Führungshaltung. Es verlangt, regelmässig Zeit für das Unwahrscheinliche zu reservieren, Szenarien im Führungsteam durchzuspielen und Verantwortlichkeiten klar zu benennen. Hier setzt der Austausch unter Führungspersonen an: Wer von den Erfahrungen anderer KMU lernt, erkennt blinde Flecken früher.

Die Studie in Zahlen

9 % der Führungskräfte gehen Risiken «sehr proaktiv» an (Vorjahr: 19 %)
80 % halten die Risikolage für so krisengeprägt wie nie zuvor
55 % sagen, das Tagesgeschäft bremst die Risikoplanung aus
40 % fühlen sich bei Cyberrisiken am schlechtesten vorbereitet (Vorjahr: 23 %)
weniger als ein Drittel der Schweizer KMU kann das Geschäftsmodell in sechs Monaten anpassen

Weiterdenken im KMU Leaders Campus

Im KMU Leaders Campus vertiefen Führungspersonen genau diese Themen. In den ganztägigen Seminartagen und den abendlichen Campus Impulse geht es um Strategie, Resilienz und Führung unter Unsicherheit. Partner wie PostFinance, SWICO und zurichnetgroup bringen Praxiswissen zu Finanzierung und Cybersicherheit ein, Hochschulpartner wie die HWZ und die HSLU steuern aktuelle Forschung bei.

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