Im ersten Quartal 2026 haben in der Schweiz über 3000 Firmen Insolvenz angemeldet, mehr als doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Der Sprung erklärt sich nicht primär aus der Konjunktur, sondern aus einer Reform des ...
Wie Moneycab in seiner aktuellen Quartalsauswertung berichtet, meldeten zwischen Januar und März 3074 Schweizer Unternehmen Insolvenz an. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht das einer Verdoppelung. Besonders ausgeprägt sind die Zuwächse in den Kantonen Thurgau und Basel-Landschaft mit über 200 Prozent, gefolgt vom Kanton Bern. Branchenseitig stehen das Baugewerbe, die Gastronomie und der Detailhandel im Zentrum, ergänzt um die Ausbildungsdienste.
Die Wirtschaftspublikation Organisator ergänzt das Bild um eine Jahresprojektion. Sie zitiert eine Auswertung der Kreditversicherung Allianz Trade, wonach für 2026 mit rund 14’000 Insolvenzen zu rechnen ist. Damit wäre es der sechste Anstieg in Folge und doppelt so viele Fälle wie im Jahr 2022.
Wer die Zahlen mit der Wachstumsprognose vergleicht, merkt schnell: Konjunkturell allein lässt sich der Sprung nicht erklären. SRF hat den eigentlichen Treiber benannt: das revidierte Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. Seit dem 1. Januar 2025 ist das Bundesgesetz zur Bekämpfung des missbräuchlichen Konkurses in Kraft. Seit Anfang Mai 2025 wird es flächendeckend angewendet.
Konkret heisst das: Forderungen der öffentlichen Hand wie offene Mehrwertsteuer, AHV-Beiträge oder Steuerausstände werden für Firmen im Handelsregister nicht mehr auf Pfändung, sondern direkt auf Konkurs betrieben. Der bisherige Spielraum für individuelle Stundungen, Pfändungslösungen und stille Sanierungen ist damit weitgehend versperrt. Was lange als Reservepuffer gegen Liquiditätsengpässe galt, ist jetzt eine direkte Schwelle zur Geschäftsaufgabe.
Die Praxis zeigt: Die meisten betroffenen Firmen scheitern nicht an der Auftragslage, sondern an unsauberer Liquiditätssteuerung. Fünf Punkte gehören jetzt auf Ihre Agenda.
Erstens, eine rollierende 13-Wochen-Liquiditätsplanung. Wer nur jährlich budgetiert, sieht die Welle zu spät. Gefragt ist ein Update im Wochen-, mindestens im Monatstakt, mit klarer Verantwortung in Ihrer Geschäftsleitung.
Zweitens, ein Frühwarnsystem mit drei Kennzahlen: durchschnittliche Forderungslaufzeit (DSO), Kreditoren-Aging und Auslastung der Bankenlinien. Eine sich verschlechternde Kennzahl ist immer ein Frühindikator, lange bevor der Briefkasten gefährlich wird.
Drittens, der proaktive Kontakt mit Steueramt, AHV-Ausgleichskasse und Mehrwertsteuerverwaltung. Die Behörden haben heute weniger Spielraum als früher. Sie nutzen aber konsequent jenen Spielraum, den Firmen erhalten, die sich rechtzeitig melden. Wer wartet, bis die Betreibung im Briefkasten liegt, verliert Optionen.
Viertens, eine breitere Liquiditätsbasis. Kontokorrentlinie, Factoring, Forderungsabtretung, Lieferantenkredit oder die Beteiligung von Anteilseignern: Alle Instrumente sollen geprüft sein, bevor die Spitze des Bedarfs eintritt.
Fünftens, eine klar geregelte Kommunikation im Führungsteam. Liquiditätsthemen gehören in jede Geschäftsleitungssitzung, nicht nur in den Quartalsabschluss. Das schützt vor verzögerter Reaktion und vor Alleingängen Ihrer Finanzfunktion.
Quellen
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