Eine aktuelle Studie zeigt: Mehr als die Haelfte der Schweizer Beschaeftigten taeuscht Produktivitaet vor. Fuer KMU-Fuehrungspersonen ist das ein Warnsignal, kein Disziplinproblem. Drei Hebel, die jetzt wirken.
Die Schweizer Arbeitswelt hat ein neues Symptom: Mitarbeitende, die produktiv aussehen, ohne es zu sein. Eine aktuelle Erhebung der Fachzeitschrift Organisator belegt, dass 57.5 Prozent der Beschaeftigten in den letzten zwoelf Monaten gezielt Massnahmen ergriffen haben, um produktiver oder engagierter zu wirken, als sie tatsaechlich waren. Die Studie nennt das Phaenomen Praesentismus 2.0 oder Performance-Theater. Es ist nicht mehr der klassische Gang zur Arbeit trotz Krankheit, sondern die Inszenierung von Aktivitaet in einer Welt, in der Beobachtung und Messung dichter geworden sind.
Fuer KMU-Fuehrungspersonen ist das eine unbequeme Diagnose. Wer laenger online ist, schneller antwortet oder sichtbarer im Kalender erscheint, gilt nicht automatisch als produktiver. Im Gegenteil: Performance-Theater bindet genau die Energie, die echte Wertschoepfung benoetigt.
Der Druck im Schweizer Mittelstand steigt von zwei Seiten gleichzeitig. Die juengste Ausgabe des Raiffeisen KMU-PMI vom April zeigt, dass die Beschaeftigungskomponente unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gefallen ist und der Margendruck wieder zunimmt. Auch das KMU-Portal des Bundes warnt, dass der Konflikt im Nahen Osten den Aufschwung daempfen koennte. Schweizer KMU muessen mit weniger Personal mehr leisten.
Genau hier wird Performance-Theater zur strategischen Falle. Wenn Aktivitaet sichtbar belohnt wird, optimieren Mitarbeitende auf Sichtbarkeit, nicht auf Ergebnis. Eine Analyse der Fachpublikation Computerworld zur Resilienz Schweizer Unternehmen bringt es auf den Punkt: Widerstandsfaehigkeit entsteht ueber klare Kennzahlen, nicht ueber sichtbare Anwesenheit.
1. Outcomes statt Aktivitaet messen. Wer Stunden, Online-Status oder Mailfrequenz misst, erzieht zur Inszenierung. Definieren Sie pro Rolle zwei bis drei Outcomes, die wirklich zaehlen. Beispiele: erfolgreich abgeschlossene Kundenprojekte, gewonnene Offerten, vereinbarte Folgetermine. Alles andere ist Hintergrundrauschen.
2. Erwartungen explizit machen. Performance-Theater waechst, wo Klarheit fehlt. Halten Sie pro Mitarbeitenden auf einer Seite fest: Was zaehlt diesen Monat, was nicht, und woran wir das messen. Diese Mini-Charta ersetzt fuenf unspezifische Feedback-Gespraeche.
3. Psychologische Sicherheit aktiv fuehren. Mitarbeitende inszenieren, wenn sie befuerchten, dass Pausen, Lernzeiten oder gescheiterte Versuche bestraft werden. Sprechen Sie selbst ueber eigene unproduktive Tage, fragen Sie nach Hindernissen statt nach Status, und feiern Sie sichtbares Lernen. Vertrauen senkt die Theater-Quote schneller als jedes Tool.
Performance-Theater ist kein Mitarbeiter-Problem, es ist ein Fuehrungs-Befund. Wer in den naechsten zwoelf Monaten mit knapperen Ressourcen mehr liefern muss und gleichzeitig wertvolles Personal halten will, kann sich keine Energie leisten, die in Inszenierung verpufft. Die drei Hebel oben kosten kein Geld. Sie kosten Konsequenz.
Der Befund deckt sich mit dem, was wir in den KLC Campus Impulsen seit Monaten hoeren: Fuehrungspersonen wollen weg vom Controlling-Modus, hin zu Outcome-Klarheit. Dieser Beitrag liefert die Datenbasis, jetzt liegt die Umsetzung bei Ihnen.
Quellen
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