Zwei Signale aus Mai 2026: Konjunktur dümpelt, CFOs ziehen den KI-Lohnhebel

Das KOF-Konjunkturbarometer kratzt im Mai an der 100er-Marke, ohne sie zu nehmen. Gleichzeitig planen 46 Prozent der Schweizer Finanzchefs, mittelfristig Lohnkosten durch KI zu senken. Zwei Signale, eine Konsequenz für KMU-Führungspersonen.

Die Expertengruppe des Bundes erwartet für 2026 noch ein Wachstum von 0,9 Prozent. Im März lag die Prognose bei 1,0 Prozent. Auch 2027 wurde leicht zurückgenommen, von 1,7 auf 1,6 Prozent. Das meldete das Staatssekretariat für Wirtschaft, wie blue News berichtet. Treiber ist der Erdölpreis, der wegen des Iran-Kriegs zeitweise stark gestiegen ist. Die Prognose rechnet mit 93.50 US-Dollar pro Fass im laufenden Jahr.

Das KOF Institut der ETH Zürich geht noch einen Schritt weiter. Wie die Wirtschaftsplattform Moneycab berichtet, senkte das KOF seine Prognose auf 0,8 Prozent für 2026. Auch die Weltbank rechnet wegen des Konflikts mit dem schwächsten Weltwachstum seit der Pandemie. Beide Schweizer Institute zeigen in dieselbe Richtung: weniger Schwung, mehr Unsicherheit.

Die Lage in Zahlen
BIP-Wachstum 2026: 0,9 % (Bund) bzw. 0,8 % (KOF)
Inflation 2026: 0,6 % (hochrevidiert von 0,3 %)
SNB-Leitzins: 0 % (keine Zinsschritte erwartet)
Ölpreis-Annahme Bund: 93.50 US-Dollar pro Fass

Warum der private Konsum das eigentliche Sorgenkind ist

Für viele Binnen-KMU ist nicht das BIP entscheidend, sondern die Kauflaune ihrer Kunden. Genau hier liegt das Problem. Der private Konsum stagnierte laut KOF im ersten Quartal. Die Konsumentenstimmung fiel auf ein Niveau wie im Zollschock von 2025.

Höhere Preise, mehr Sparen und ein schwacher Arbeitsmarkt dämpfen die Nachfrage. Wer im Detailhandel, in der Gastronomie oder im lokalen Dienstleistungsgeschäft führt, spürt das zuerst. Die Exportlage bleibt zweigeteilt. Pharma und Chemie wachsen, Uhren und Maschinen leiden. Der starke Franken verteuert Schweizer Produkte zusätzlich.

Das Szenario, das Sie kennen müssen

Die Basisprognose unterstellt eine baldige Einigung im Iran-Krieg. Das KOF rechnet aber auch ein zweites Szenario durch. Bleibt der Ölpreis hoch und steigt bis Ende 2026 auf 180 US-Dollar, fällt das Wachstum auf 0,5 Prozent. Die Inflation läge dann bei 1,3 Prozent. Rund 19’000 Vollzeitstellen würden weniger geschaffen. Für die Planung heisst das: Eine Zahl reicht nicht, Sie brauchen eine Bandbreite.

Drei Führungsfragen für die nächsten Wochen

Erstens, wie energieabhängig ist Ihr Geschäft wirklich? Prüfen Sie Strom, Treibstoff und energieintensive Vorleistungen in Ihrer Kostenbasis. Wer Preisgleitklauseln in Verträgen hat, gewinnt Spielraum.

Zweitens, wie robust ist Ihre Liquidität bei schwächerer Nachfrage? Ein einfacher Liquiditätsplan über zwölf Monate zeigt Engpässe früh. Hier lohnt das Gespräch mit dem Finanzierungspartner, etwa mit PostFinance als KLC-Partner, bevor es eng wird.

Drittens, wo liegt Ihre Preissetzungsmacht? Bei stabiler Nachfrage lassen sich höhere Kosten teils weitergeben, bei austauschbaren Leistungen nicht. Diese Frage entscheidet über Ihre Marge im nächsten Jahr.

Was bleibt

Die Korrektur ist klein, das Signal ist es nicht. Geopolitik wirkt direkt auf Ihre Kostenbasis und auf die Kauflaune Ihrer Kunden. Die SNB hält den Leitzins bei null, ein Zinspolster gibt es also nicht. Führung heisst hier: Szenarien denken, Liquidität sichern, Preise bewusst setzen. Wer das jetzt strukturiert angeht, verschafft sich Ruhe für die Entscheidungen, die wirklich zählen.

Im KMU Leaders Campus: Szenarioplanung, Liquidität und Preissetzung sind wiederkehrende Themen an den Campus-Impulse-Abenden. Die Finanzierungsperspektive bringt unser Partner PostFinance ein, die Forschungssicht die Hochschule Luzern. Die Führungsperspektive vertieft Swiss Leaders im Austausch mit der KLC-Community.

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