Der neue NZZ-KMU-Barometer zeigt den tiefsten Stimmungswert seit Messbeginn 2021. Schweizer KMU meistern Krisen operativ souverän, tun sich aber schwer, ihr Geschäftsmodell rasch anzupassen.
Der Gesamtindex des NZZ-KMU-Barometers 2026 fällt auf −7,3 Punkte. Das ist der tiefste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2021. Für die Studie befragten die NZZ und die Kalaidos Fachhochschule im April 495 Führungspersonen aus Schweizer KMU. Am stärksten belastet sind das Geschäft mit dem Ausland, die Währungssituation und die Zuverlässigkeit der Lieferketten. Auch bei den gesetzlichen Regulierungen rechnen die Unternehmen eher mit mehr Aufwand als mit Entlastung.
55 Prozent der befragten Unternehmen schätzen sich als resilient ein, und im Alltag beweisen sie das auch. Die Mehrheit gilt operativ als handlungsfähig und krisenfest. Auf strategischer Ebene sieht das Bild anders aus: Für knapp ein Fünftel wäre ein unerwarteter Umsatzrückgang kaum zu bewältigen. Weniger als ein Drittel traut sich zu, das Geschäftsmodell innert sechs Monaten grundlegend anzupassen. NZZ-Chefökonom Peter A. Fischer bringt es auf den Punkt: Die Firmen beherrschten das operative Krisenhandwerk perfekt, viele sähen aber derzeit begrenzte Möglichkeiten, ihre Geschäftsmodelle schnell an das volatile Umfeld anzupassen.
Diese strategische Zurückhaltung hat einen politischen Unterton. Der Schweizerische Gewerbeverband warnt laut Moneycab vor einer neuen Regulierungswelle durch das geplante Bundesgesetz über die nachhaltige Unternehmensführung (NUFG) und fordert stattdessen eine Regulierungsbremse. Wer als KMU ohnehin mit US-Zöllen, Lieferkettenrisiken und Währungsschwankungen kämpft, hat wenig Kapazität für zusätzliche Berichtspflichten.
Wie stark sich Steuerfragen und neue Sorgfaltspflichten für die Führung überschneiden, zeigt der KLC-Beitrag zum Bürokratie-Doppelspiel für Schweizer KMU.
Szenarien durchspielen. Simulieren Sie regelmässig, wie ein Umsatzeinbruch von 20 bis 30 Prozent Ihr Unternehmen träfe, und legen Sie im Voraus fest, welche Kosten Sie zuerst anpassen würden. Das nimmt im Ernstfall Tempo aus der Entscheidung.
Lieferanten und Kunden diversifizieren. Wer heute von einem einzigen grossen Abnehmer oder Lieferanten abhängt, sollte innerhalb der nächsten zwölf Monate mindestens eine Alternative aufbauen, auch wenn das kurzfristig mehr kostet.
Digitalisierung als Hebel nutzen. Der Barometer nennt Technologie als einzigen Lichtblick im sonst düsteren Bild. Wie das konkret aussehen kann, zeigt der KLC-Beitrag zur wachsenden KI-Kluft zwischen KMU und Grossunternehmen. Schon kleine, gezielte KI-Anwendungen in Administration oder Kundenservice schaffen Freiraum für strategische Arbeit.
Strategiearbeit strukturieren. Reservieren Sie im Kalender fixe Zeit für strategische Fragen, losgelöst vom Tagesgeschäft, und holen Sie sich bewusst Aussensicht, etwa im Austausch mit anderen Führungspersonen. Auch der Netzwoche-Beitrag zur wachsenden Zugänglichkeit von KI-Lösungen für Schweizer KMU zeigt: Wer sich jetzt mit modularen, praxisnahen Tools auseinandersetzt, gewinnt Handlungsspielraum für grössere strategische Fragen.
Der NZZ-KMU-Barometer 2026 liefert keine guten Nachrichten, aber einen klaren Auftrag. Operative Stärke allein reicht nicht mehr, wenn sich das Umfeld schneller verändert als das Geschäftsmodell. Wer jetzt gezielt an der strategischen Anpassungsfähigkeit arbeitet, übersteht die nächste Krise nicht nur, sondern nutzt sie. Am nächsten Seminartag des KMU Leaders Campus tauschen Sie sich mit anderen Führungspersonen genau darüber aus, wie sich Resilienz im Alltag aufbauen lässt.
QUELLEN
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