New Work im KMU: Warum die neue Arbeitswelt auf den Tisch der Geschäftsleitung gehört

New Work klingt für viele KMU nach Buzzword, Kickertisch und Homeoffice-Reglement. Doch Fachkräftemangel und die rasche Verbreitung von KI verändern gerade, wie Arbeit organisiert wird. Wer als Führun...

Ein Baukasten aus Holzklötzen statt fertiger Rezepte

Wie sich der Wandel greifbar machen lässt, zeigt ein neues Werkzeug aus der Ostschweiz. Wie das Wirtschaftsportal LEADER berichtet, haben die REGIO Appenzell AR-St.Gallen-Bodensee und die OST Ostschweizer Fachhochschule kürzlich einen «New Work Baukasten» vorgestellt. Er besteht aus Holzklötzen mit Themenfeldern wie Arbeitskultur, Digitalisierung und Leadership sowie aus Reflexions- und Methodenkarten. Zwei Jahre lang erprobten zwölf Unternehmen und Gemeinden damit konkrete Ansätze für ihre Organisation. «Er ist kein fertiges Instrument, sondern bietet Orientierung und Reflexion», sagt Co-Projektleiterin Alexandra Cloots.

Genau hier liegt der Wert für kleinere Betriebe. Sie haben selten eine HR-Abteilung, die Trends sortiert und einordnet. Sie brauchen kein weiteres Konzept, sondern einen strukturierten Einstieg in die richtigen Fragen.

Warum der Druck gerade jetzt steigt

New Work ist für KMU keine Stilfrage mehr, sondern eine Reaktion auf zwei harte Entwicklungen. Der Fachkräftemangel zwingt auch kleine Betriebe, als Arbeitgeber sichtbar und attraktiv zu sein. Gleichzeitig verteilt die künstliche Intelligenz Aufgaben zwischen Mensch und Maschine neu. New Work meint dabei nicht Tischfussball und freie Früchte, sondern die Frage, wie Entscheidungen fallen und wie Verantwortung verteilt wird.

Das Fachportal BildungsSpiegel fasst einen aktuellen Trendreport der ManpowerGroup zusammen. Rund 61 Prozent der Unternehmen wollen ihre Automatisierungs-Investitionen erhöhen, und bereits 45 Prozent der Mitarbeitenden nutzen regelmässig KI-Werkzeuge. Für die Belegschaft verschiebt sich der Fokus damit auf Urteilskraft, komplexe Problemlösung und Zusammenarbeit.

Diese Verschiebung macht an der Schweizer Grenze nicht halt. Sie trifft das kleine Treuhandbüro ebenso wie den mittelständischen Industriebetrieb.

Die Arbeitswelt im Wandel: vier Kennzahlen

Drei Hebel für die Geschäftsleitung

Aus diesen Entwicklungen ergeben sich drei Aufgaben, die niemand delegieren kann.

Erstens gehört das Thema auf den Tisch der Führung. New Work scheitert, wenn die Geschäftsleitung es als reines HR-Projekt abschiebt und selbst beim alten Mindset bleibt. Wer Verantwortung verteilen will, muss Kontrolle abgeben. Das ist eine Führungsentscheidung, und die Geschäftsleitung gibt mit ihrem eigenen Verhalten den Takt vor.

Zweitens zählt der erste konkrete Schritt mehr als der grosse Plan. Der Baukasten-Ansatz zeigt es: Beginnen Sie mit einem einzigen Themenfeld, etwa der Feedback-Kultur, und testen Sie es in einem Team. So sammeln Sie Erfahrung, bevor Sie eine Änderung auf den ganzen Betrieb ausrollen.

Drittens müssen Sie den Kompetenzaufbau von Anfang an einplanen. Eine aktuelle Auswertung im Fachportal BildungsSpiegel zum Konzept «Future Skills für KMU» rückt die Kompetenzentwicklung ins Zentrum der neuen Arbeitswelt. Wer Aufgaben neu verteilt, ohne die Mitarbeitenden weiterzubilden, erzeugt Unsicherheit statt Produktivität.

Was KMU-Führung jetzt tun kann

Den Einstieg muss niemand allein finden. Genau solche Fragen behandeln die Seminartage und Campus Impulse des KMU Leaders Campus, an denen Führungspersonen ihre Erfahrungen austauschen. Auch Hochschulen liefern brauchbare Praxiswerkzeuge: So wie die OST den «New Work Baukasten» entwickelt hat, verbindet die HSLU als Standortpartner Forschung und KMU-Alltag.

Der Aufwand für den Start bleibt überschaubar. Reservieren Sie in der nächsten Sitzung der Geschäftsleitung 30 Minuten für eine einzige Frage: Wie wollen wir in drei Jahren zusammenarbeiten? Diese halbe Stunde ist der günstigste Schritt in Ihre Arbeitgeberattraktivität.

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