Mehrwertsteuer auf dem Weg zu 10 Prozent: Was KMU-Führung jetzt vorbereiten muss

Die Mehrwertsteuer galt lange als stabile Grösse. Das ändert sich. Seit Anfang 2024 liegt der Normalsatz bei 8,1 Prozent, erhöht zugunsten der AHV. Nun liegen gleich mehrere neue Zuschläge auf dem Tisch. Einzeln wirken sie verkraftbar, in der Summe verschieben sie die Marke spürbar nach oben.

Vier Vorlagen, ein Trend

Wie die SWISS RETAIL FEDERATION diesen Monat darlegte, stehen vier Erhöhungen zur Debatte. Für die 13. AHV-Rente sind 0,5 bis 0,9 Prozentpunkte vorgesehen. Für die Armee kommen 0,8 Prozentpunkte hinzu, für die Invalidenversicherung weitere 0,4. Dazu soll ein befristetes Promille für den Bahninfrastrukturfonds verstetigt werden.

Die zeitliche Dynamik ist real. Der Schweizerische Arbeitgeberverband hält fest, dass die 13. AHV-Rente bereits ab Dezember 2026 ausbezahlt wird, während die Finanzierung noch offen ist. Die zuständige Nationalratskommission favorisiert eine befristete Erhöhung von 0,5 Prozent bis Ende 2033. Laut der Vernehmlassung des Bundesrats soll der Armee-Zuschlag ab 2028 für zehn Jahre gelten, mit einer Volksabstimmung im Sommer 2027.

Die doppelte Belastung

Für Unternehmen wirkt eine höhere Mehrwertsteuer auf zwei Ebenen. Erstens entstehen Umstellungs- und Administrationskosten: Preise, Kassensysteme, ERP-Prozesse und Kundenkommunikation müssen angepasst werden. Zweitens lässt sich der Aufschlag im scharfen Wettbewerb oft nicht voll weitergeben. Das schmälert Margen, Investitionskraft und Spielraum für Löhne.

«Die Mehrwertsteuer wird zunehmend zur politischen Standardlösung. Bezahlen müssen am Ende Konsumenten und Unternehmen», sagt Patrick Erny, Direktor der SWISS RETAIL FEDERATION.

Hebel 1: Systeme früh ertüchtigen

Der erste Hebel ist operativ. Klären Sie jetzt, wie schnell Ihre Kassen- und ERP-Systeme einen neuen Satz abbilden. Prüfen Sie, ob Preisauszeichnungen, Offerten und Rechnungsvorlagen zentral steuerbar sind. Branchenpartner wie der ICT-Verband SWICO und Anbieter wie zurichnetgroup helfen, Update-Pfade früh zu definieren, statt unter Zeitdruck zu reagieren.

Hebel 2: Preisstrategie statt Reflex

Der zweite Hebel ist strategisch. Eine Satzerhöhung ist kein Anlass, Preise mechanisch durchzureichen. Entscheiden Sie bewusst, wo Sie überwälzen, wo Sie absorbieren und wo Sie über Leistung statt Preis differenzieren. Schwellenpreise, Bundles und der wahrgenommene Servicewert verdienen dabei mehr Aufmerksamkeit als der reine Prozentwert.

Hebel 3: Verträge und Liquidität sichern

Der dritte Hebel betrifft die Planung. Mehrjährige Abos und Verträge, die über einen Stichtag laufen, brauchen saubere Mehrwertsteuer-Klauseln. Stimmen Sie Cashflow und Zahlungsläufe auf den möglichen Umstellungstermin ab. Ein Partner wie PostFinance kann den Zahlungsverkehr früh entsprechend ausrichten.

Die Führungssicht

Noch ist keine Vorlage entschieden. Doch die Richtung ist klar, und die Stichtage rücken näher. Der Schweizerische Arbeitgeberverband verweist auf eine Studie des Instituts für Wirtschaftspolitik der Universität Luzern: Ohne Gegenfinanzierung hinterlässt allein die 13. AHV-Rente bis 2055 eine Lücke von 62 Milliarden Franken. Wer das Thema heute auf die Geschäftsleitungs-Agenda nimmt, vermeidet hektische Last-Minute-Projekte. Im KLC-Format «Campus Impulse» lässt sich genau diese Vorbereitung im Austausch mit anderen Führungspersonen schärfen.

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