Eine UBS-Umfrage bei rund 2500 Schweizer Firmen und eine Adecco-Auswertung von einer Million Stelleninseraten kommen zur gleichen Frage. Welche Mannschaft brauchen KMU in den nächsten fünf Jahren. Die Antwort ist nicht die, die viele erwarten.
Die zweite Mai-Studie der UBS zur Schweizer Wirtschaft zeigt: KI ist breit angekommen, aber selten verankert. In sechs von zehn Schweizer Unternehmen kommt sie zum Einsatz. Nur die wenigsten Firmen setzen sie systematisch in allen Geschäftsprozessen ein. Mehr als die Hälfte der befragten Firmen plant in den nächsten fünf Jahren den Ausbau, ein knappes Drittel verzichtet weiterhin auf KI.
Die Befragten erwarten keinen Kahlschlag im Personalbestand. Rund 30 Prozent der KI-nutzenden Firmen rechnen mit Beschäftigungsrückgang, nur zehn Prozent mit Zuwachs, die Mehrheit mit unveränderter Beschäftigung. Zwei Drittel der Unternehmen sagen, KI entlaste die Mitarbeitenden. Die Botschaft an die Chefetage: Die Welle kommt nicht über den Stellenplan, sondern über das Anforderungsprofil jeder einzelnen Rolle.
Eine Analyse der Adecco Group bestätigt diesen Befund aus einer anderen Richtung. Sie wertete für ihren Job Index zum ersten Quartal mehr als eine Million Schweizer Stelleninserate aus. Das Ergebnis: Überfachliche Fähigkeiten wie Selbstmanagement, Teamarbeit und Lernbereitschaft machen inzwischen mehr als 63 Prozent der in Inseraten genannten Anforderungen aus. Tendenz steigend, und zwar unabhängig davon, ob der Beruf KI-exponiert ist oder nicht.
Bemerkenswert ist die zweite Erkenntnis. Der Skill-Wandel geht nicht primär auf KI zurück. Auch in stark KI-exponierten Berufen ist der Anteil überfachlicher Anforderungen nicht höher als in anderen. Die Ursache liegt woanders: in flacheren Hierarchien, selbstorganisierten Teams und der Beschleunigung von Veränderungszyklen.
Erstens: Schreiben Sie Stellenprofile neu. Wer die in der UBS-Studie genannten Erwartungen ernst nimmt, muss Inserate auf IT-Kompetenz, Kreativität, analytische und soziale Fähigkeiten ausrichten statt auf Diplome und Berufsjahre.
Zweitens: Investieren Sie in Weiterbildung, bevor der Druck steigt. Die Anforderungen wachsen innerhalb bestehender Rollen. Mitarbeitende, die heute stark sind, brauchen morgen andere Skills. Wer das jetzt nicht budgetiert, kauft die Weiterbildung teurer und später ein.
Drittens: Justieren Sie das Führungsmodell. Wo Teams stärker eigenverantwortlich arbeiten und Tools mehr Autonomie ermöglichen, brauchen Führungskräfte weniger Kontroll- und mehr Coaching-Kompetenz. Das ist eine Aufgabe für die Geschäftsleitung, nicht für HR allein.
Damit niemand das Bild verklärt: Die Schweizer Wirtschaft wächst 2026 verhalten. Das KOF-Konjunkturbarometer bewegte sich Ende Mai bei 98 Punkten, knapp unter der Wachstumsschwelle von 100. Für KMU bedeutet das: Mehr Ertrag aus bestehenden Teams, bevor neue Stellen entstehen. Skills-Investitionen sind in diesem Umfeld keine Zusatzleistung, sondern Hebel für Effizienz und Bindung.
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