Die Frühjahrsdaten zur Schweizer Wirtschaft zeichnen ein zwiespältiges Bild. Drei aktuelle Indikatoren signalisieren leichte Aufhellung, gleichzeitig warnen alle drei Quellen vor wachsenden Risiken. Was das für die ...
Die Schweizer Wirtschaft startet 2026 ohne Rezession, aber auch ohne Schwung. Wie die Bundesbehörde SECO in ihrer aktuellen Konjunkturprognose festhält, dürfte das reale Bruttoinlandprodukt 2026 um nur 1,0 Prozent zunehmen. Das liegt deutlich unter dem langjährigen Schnitt von 1,8 Prozent. Für 2027 erwartet die Expertengruppe eine Beschleunigung auf 1,7 Prozent.
Die KOF-Konsensumfrage unter sechzehn führenden Schweizer Forschungsinstituten bestätigt das Bild. Wie die Wirtschaftspublikation Finanz und Wirtschaft berichtet, rechnen die befragten Ökonomen ebenfalls mit 1,0 Prozent Wachstum. Die durchschnittliche Inflation soll bei nur 0,4 Prozent liegen, die Arbeitslosenquote bei 3,1 Prozent. Tiefe Inflation und stabile Beschäftigung sind gute Nachrichten. Die schwache Investitionstätigkeit der Firmen bleibt aber der grösste Hemmschuh.
Aus Sicht der KMU besonders aufschlussreich: Der von Raiffeisen erhobene KMU-Einkaufsmanager-Index legte im März auf 55,0 Punkte zu. Das ist der höchste Wert seit fast vier Jahren. Werte über 50 signalisieren Wachstum. Die Komponenten Auftragsbestand und Produktion zogen deutlich an.
So weit die guten Nachrichten. Bemerkenswert ist, dass die Raiffeisen-Ökonomen ihren positiven KMU-PMI-Bericht mit dem Titel «Weltpolitik durchkreuzt Hoffnungen» überschrieben haben. Knapp vierzig Prozent der befragten Firmen rechnen wegen der angespannten geopolitischen Lage bereits jetzt mit negativen Auswirkungen auf ihre Investitionspläne. Der Kriegsausbruch im Nahen Osten und die unberechenbare US-Zollpolitik dämpfen die Hoffnung auf eine echte Trendwende.
Die zweite Belastung ist hausgemacht und konstant. Wie die Neue Zürcher Zeitung in einem aktuellen Meinungsbeitrag analysiert, ist der Schweizer Franken so stark wie nie zuvor gegenüber dem Euro. Für exportorientierte KMU heisst das: Margen schrumpfen, jede Kalkulation muss aggressiver werden. Anders als grosse Konzerne können sich kleine Firmen oft nicht über natürliches Hedging absichern, weil sie weder im Euroraum produzieren noch in Euro einkaufen.
Drittens bremst die Investitionsschwäche selbst. Die SECO nennt sie ausdrücklich als Hauptrisiko für die Prognose. Wenn Firmen weiter abwarten, fehlen den Zulieferern die Aufträge, fehlt den Banken das Kreditgeschäft, fehlt der gesamten Volkswirtschaft die Dynamik. Die Aufhellung bei den Stimmungsindikatoren ist daher wertvoll, aber sie steht auf wackligem Boden.
Was heisst das konkret für die Schweizer KMU-Führungsperson zwischen April und Juni? Drei Hebel sind im aktuellen Umfeld besonders lohnend.
Erstens: Liquiditätsplanung schärfen. Wer Investitionen verschoben hat, hat Reserven aufgebaut. Diese Reserven sind in einer Phase niedriger Inflation und geringer Zinserträge ein passives Polster, kein aktiver Vorteil. Eine rollierende Dreizehn-Wochen-Cashflow-Planung in der Geschäftsleitung schafft die Übersicht, um gezielt zu investieren oder bewusst abzuwarten. Etablierte KMU-Bankpartner wie PostFinance unterstützen entsprechende Planungswerkzeuge.
Zweitens: Investitionen priorisieren statt blockieren. Wer alles auf Eis legt, verliert in zwölf Monaten Marktanteile an Wettbewerber, die selektiv investiert haben. Die Empfehlung ist konkret: eine Liste der drei wichtigsten Investitionsprojekte erstellen, jedes mit Amortisationsdauer und Risikoprofil bewerten, dann die zwei mit der besten Risiko-Rendite-Kombination starten. Lieber zwei kleine, kontrollierte Schritte als ein grosser Wurf in unsicheren Zeiten.
Drittens: Absatzmärkte aktiv diversifizieren. Wer heute über siebzig Prozent seines Umsatzes in einem einzigen Land oder mit zwei, drei Schlüsselkunden macht, trägt das volle Konzentrationsrisiko der aktuellen Geopolitik. Eine bewusste Diversifikationsstrategie über zwölf bis vierundzwanzig Monate, etwa über Branchenverbände wie SWICO oder regionale Plattformen wie die Zürcher Handelskammer, reduziert die Abhängigkeit ohne Hektik.
Die Aufhellung im März ist real, aber sie ist kein Freibrief. Wer als KMU-Geschäftsleitung jetzt die drei Hebel zieht, geht selbstbewusst in das zweite Quartal, ohne die Risiken zu ignorieren.
Quellen
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