Tausende Schweizer KMU stehen in den nächsten Jahren vor der Übergabe. Wer die Nachfolge zu spät angeht, riskiert Wert, Arbeitsplätze und das eigene Lebenswerk. Für Führungspersonen wird die Nachfolgeplanung damit zur strategischen Chefaufgabe.
Der Transaktionsmarkt für Schweizer KMU hat deutlich angezogen. Wie die Bilanz berichtet, stieg die Zahl der Transaktionen bei Schweizer KMU im Jahr 2025 laut einer Deloitte-Aufstellung um 16 Prozent auf 208 Fälle. Diese Fälle sind Fusionen und Übernahmen. Sie schliessen Nachfolgen ein, bestehen aber nicht ausschliesslich daraus. Mit 104 Übernahmen durch ausländische Käufer wurde in dieser Kategorie der höchste Wert seit Beginn der Erhebung erreicht.
Getragen wurde der Anstieg laut Deloitte insbesondere durch ausländische Übernahmen. Gleichzeitig erhöht die demografische Entwicklung den Handlungsdruck bei der Unternehmensnachfolge: Eine ganze Generation von Inhaberinnen und Inhabern erreicht das Pensionsalter und sucht eine Lösung für den Betrieb. Die aktuelle KMU-Studie 2026, die Moneycab vorstellt, zeigt, wie vielfältig die Schweizer KMU-Landschaft ist. Vom Malerbetrieb bis zur Medizintechnik betrifft die Übergabefrage Unternehmen jeder Grösse und Branche.
Auffällig ist, wer die Betriebe übernimmt. Die Hälfte der Transaktionen entfiel 2025 auf Käuferinnen und Käufer aus dem Ausland, so die Bilanz. Laut Zürcher Handelskammer stammen davon über 80 Prozent aus Europa, allen voran aus Frankreich und Deutschland. Als Motive gelten die wirtschaftliche Stabilität der Schweiz und die Innovationskraft in Nischenmärkten.
Parallel etabliert sich ein neuer Käufertyp. Unter dem Stichwort Entrepreneurship Through Acquisition, kurz ETA, kaufen unternehmerische Einzelpersonen einen bestehenden Betrieb, statt selbst zu gründen. Wie Moneycab ausführt, entfallen dabei bestimmte Risiken der Gründungsphase, weil bereits ein Geschäftsmodell, ein Kundenstamm und betriebliche Strukturen bestehen. Auch eine Unternehmensübernahme kann jedoch erhebliche finanzielle und operative Risiken bergen. Für Verkäufer ohne familieninterne Lösung entsteht damit eine zusätzliche Option, die Kontinuität, Kultur und Arbeitsplätze erhält.
Die klassische Übergabe an die eigenen Kinder wird seltener. Vielen Betrieben steht schlicht keine familien- oder betriebsinterne Nachfolge zur Verfügung. ETA setzt genau hier an und richtet sich an Inhaber, die Wert auf Fortbestand statt auf reine Verkaufserlöse legen.
Der Ablauf ist nicht neu und lief früher unter dem Begriff Management-Buy-in. Der Unterschied: ETA-Käufer haben in der Regel keine bestehende Beziehung zum Zielunternehmen. Das erfordert auf beiden Seiten Bereitschaft zum schrittweisen Wissenstransfer und einen respektvollen Umgang mit gewachsenen Strukturen.
Eine Übergabe ist kein Immobilienverkauf. Sie ist deutlich komplexer, und Fehler kosten. Hans Jürg Domenig, Präsident des Schweizer Dachverbands für Unternehmensnachfolge, betont in der Bilanz, dass gerade bei grenzüberschreitenden Fällen die steuerlichen Abklärungen oft zu spät erfolgen. Wegzugssteuern im Ausland und Gestaltungsspielräume in der Schweiz müssen früh geklärt werden.
Auch die Finanzierung will sitzen. Die Raiffeisen rät zu einem substanziellen Eigenkapitalanteil, in der Regel rund einem Viertel des Kaufpreises, und zu einer realistischen Unternehmensbewertung als Ausgangsbasis. Welche Folgen ein Verkauf für einen Standort haben kann, illustriert ein Beispiel aus der Bilanz: Afag wurde 2023 vom US-Konzern Emerson übernommen. Im Jahr 2024 wurde der Abbau von 90 der 120 Stellen angekündigt. Am Standort Zell wurde die Fertigung eingestellt.
Die Lehre daraus ist klar: Nachfolge braucht Vorlauf, oft mehrere Jahre. Wer erst mit dem Rücktritt beginnt, verhandelt aus der Schwäche. Klären Sie früh, welche Option zu Ihrem Betrieb passt, familienintern, ein Verkauf an das Management oder ein ETA-Käufer von aussen.
Ebenso wichtig ist der ehrliche Blick auf die eigene Rolle. Eine strukturierte Übergangsphase, in der Sie Wissen und Beziehungen aktiv übertragen, entscheidet über den Erfolg. Der Verwaltungsrat sollte die Nachfolge dabei nicht als Randthema behandeln, sondern als strategische Aufgabe führen.
Am KMU Leaders Campus diskutieren Inhaberinnen und Führungskräfte solche Weichenstellungen im geschützten Peer-Rahmen. Der Austausch mit Unternehmerinnen und Unternehmern, die eine Übergabe bereits hinter sich haben, schärft den Blick für die eigenen blinden Flecken. Ergänzend liefern die Seminartage des Campus das Rüstzeug, um Finanzierung, Steuern und Führung einer Übergabe sauber aufzusetzen.
Die Übergabewelle kommt so oder so. Ob sie Ihr Unternehmen stärkt oder schwächt, entscheidet sich in der Vorbereitung.
QUELLEN
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