Firewall, Versicherung, Selbsttest: Was Schweizer KMU jetzt für ihre Cybersicherheit tun können

Schweizer KMU ohne eigene IT-Sicherheitsabteilung erhalten innert weniger Wochen drei neue, sofort nutzbare Antworten auf die wachsende Cyberbedrohung.

Die Bedrohungslage bleibt real, die Antworten werden konkreter

Cyberangriffe auf Schweizer Unternehmen nehmen weiter zu, KMU eingeschlossen. Bislang blieb vielen Betrieben ohne eigenes IT-Team nur die Wahl zwischen teuren externen Dienstleistern oder gar keinem strukturierten Schutz. Das ändert sich gerade.

Innerhalb weniger Wochen sind drei konkrete Angebote und Instrumente entstanden, die genau auf diese Lücke zielen: ein Hardware-Produkt, ein Versicherungsbundle und ein staatliches Prüfinstrument. Alle drei sind für Betriebe gedacht, die keine eigenen Sicherheitsspezialisten beschäftigen.

Firewall ab Werk: Was das ETH-Spin-off MB Cyber Security anbietet

Das Zuger Start-up MB Cyber Security, ein Spin-off der ETH Zürich, hat ein Plug-and-Play-Gerät lanciert, das KMU ohne eigenes IT-Personal vor Phishing, Malware und Botnet-Traffic schützen soll. CEO Marino Müller hat die Marktlücke während seines Cybersicherheitsstudiums erkannt: Herkömmliche Internet-Router bieten oft zu wenig Schutz, professionelle Firewalls für Grossunternehmen sind für kleinere Betriebe personell und finanziell kaum stemmbar.

Erste zahlende Kundinnen und Kunden kommen laut SwissCybersecurity.net aus Anwaltskanzleien, Treuhandbüros, Arztpraxen und Vermögensverwaltungen. Das Zielgebiet ist vorerst die Schweiz, eine Ausweitung auf den gesamten DACH-Raum ist geplant.

Für Sie als Führungsperson eines Betriebs ohne IT-Abteilung heisst das: Eine Basisschutzlösung lässt sich heute installieren, ohne dass Sie zuerst eine IT-Stelle schaffen oder einen teuren Beratungsauftrag vergeben müssen.

Versicherung und Technik im Bundle: Sunrises «KMU Ready Insurance»

Sunrise Business hat sein Angebot für kleinere Unternehmen ausgebaut. Das neue Paket «KMU Ready Insurance» kombiniert Internet- und Cybersecurity-Dienste mit einer Rechtsschutz- und einer Cyberversicherung, angeboten zusammen mit Axa und deren Tochter Axa-Arag.

Wie SwissCybersecurity.net berichtet, deckt die Cyberversicherung unter anderem eine rund um die Uhr erreichbare Fachhotline, die Beseitigung von Schadsoftware sowie die Wiederherstellung von Daten und Systemen ab. Die Rechtsschutzkomponente greift bei Persönlichkeitsrechtsverletzungen im Internet, Identitätsmissbrauch oder Streitigkeiten rund um Domainnamen.

Das Angebot gibt es in drei Varianten, von reiner Rechtsschutzversicherung mit Internet und Cybersecurity für 64.85 Franken pro Monat bis zur Kombination aus Rechtsschutz- und Cyberversicherung für 99.75 Franken in den ersten 24 Monaten. Zielgruppe sind Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitenden und höchstens 5 Millionen Franken Jahresumsatz, also der klassische KLC-Mittelstand.

Der Bund als Massstab: Was das BACS-Pilotprojekt im Aargau zeigt

Parallel dazu hat das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) ein digitales Selbstbewertungs-Tool namens Cyberresilienz-Assessment (CyRA) entwickelt und im Frühjahr 2026 im Kanton Aargau getestet. Am Pilotprojekt beteiligten sich 14 Gemeinden und 11 weitere Organisationen aus Dienstleistung, Industrie, IT, Stromversorgung und Baugewerbe.

Laut SwissCybersecurity.net zeigt die Auswertung ein konsistentes Bild: Grundlegende Schutzmassnahmen wie Datensicherung und Zugriffskontrollen sind bei vielen Organisationen vorhanden. Die eigentlichen Schwachstellen liegen woanders, nämlich bei der strukturierten Erfassung von IT- und OT-Abhängigkeiten, bei der Notfall- und Wiederherstellungsplanung sowie beim Management von Abhängigkeiten gegenüber externen IT-Dienstleistern.

Das ist die wichtigste Erkenntnis für Ihren eigenen Betrieb: Wer glaubt, mit Virenschutz und Backup bereits ausreichend geschützt zu sein, unterschätzt oft die eigene Abhängigkeit von externen Zulieferern und den Ernstfall nach einem Angriff.

Was das für Ihre nächsten drei Monate bedeutet

Die drei Entwicklungen ergeben zusammen eine sinnvolle Reihenfolge statt einer Einkaufsliste. Beginnen Sie mit einer ehrlichen Standortbestimmung, bevor Sie in neue Technik investieren. Das CyRA-Instrument des BACS eignet sich dafür auch ausserhalb des Aargauer Pilotprojekts als Orientierung, sobald es breiter verfügbar ist.

Prüfen Sie danach gezielt, ob eine Basisschutzlösung wie jene von MB Cyber Security die grösste Lücke schliesst, oder ob ein Bundle wie «KMU Ready Insurance» sinnvoller ist, weil es Technik mit finanzieller Absicherung im Ernstfall verbindet. Klären Sie in jedem Fall vorher vertraglich, wofür Ihre externen IT-Dienstleister haften und wofür nicht, denn genau diese Abhängigkeit war im BACS-Pilotprojekt die grösste Schwachstelle.

Wie Sie Ihre digitalen Prioritäten insgesamt setzen, haben wir kürzlich im Beitrag zum Swico-ICT-Index eingeordnet. Und warum gerade kleinere Betriebe bei der Digitalisierung oft den Anschluss verlieren, zeigt unser Artikel zur KI-Kluft zwischen KMU und Grossunternehmen. Cybersicherheit ist damit kein Sonderthema, sondern Teil derselben Digitalisierungs-Agenda, die auf jeder KLC-Traktandenliste steht.

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