Zwei Signale aus Mai 2026: Konjunktur dümpelt, CFOs ziehen den KI-Lohnhebel

Das KOF-Konjunkturbarometer kratzt im Mai an der 100er-Marke, ohne sie zu nehmen. Gleichzeitig planen 46 Prozent der Schweizer Finanzchefs, mittelfristig Lohnkosten durch KI zu senken. Zwei Signale, eine Konsequenz für KMU-Führungspersonen.

Schweizer KMU beherrschen das Krisenhandwerk im Alltag. Doch nur eine Minderheit traut sich zu, das eigene Geschäftsmodell rasch umzubauen. Das neuste NZZ-KMU-Barometer macht die strategische Anpassungsfähigkeit zur Führungsfrage.

Die Stimmung in den Schweizer KMU ist so trüb wie noch nie. Der Gesamtindex des NZZ-KMU-Barometers fällt auf minus 7,3 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit Erhebungsbeginn 2021. Hinter der Zahl steckt eine Befragung von 495 Führungskräften, die das Stimmungsbild der Studie diesen Frühling lieferten. Das Ergebnis ist trotzdem kein Grund zur Panik, sondern eine Einladung, genauer hinzusehen.

Die Stimmung ist tief, die Gründe sind bekannt

Belastend wirken vor allem Faktoren ausserhalb der eigenen Reichweite. Geopolitische Spannungen, die US-Handelspolitik, die Währungssituation und unzuverlässige Lieferketten drücken auf die Erwartungen. Dazu kommt die wachsende Regulierungsdichte, die viele Betriebe als zusätzliche Bürokratielast empfinden.

Besonders kritisch beurteilen die Befragten das Wirtschaften mit dem Ausland. Exportorientierte Firmen sehen sich in einem anspruchsvollen Umfeld. Ein Lichtblick bleibt die Technologie: Bei der Einbindung moderner Werkzeuge meldet die grosse Mehrheit Fortschritte.

Ein geteiltes Bild bei der Resilienz

Beim Thema Krisenfestigkeit zeigt die Studie zwei Gesichter. Mehr als die Hälfte der Unternehmen, nämlich 55 Prozent, hält sich für eher oder sehr resilient. Im operativen Alltag stimmt das auch: Die Firmen bleiben handlungsfähig, treffen pragmatische Entscheide und suchen bereichsübergreifend nach Lösungen.

Auf der strategischen Ebene kippt das Bild. Ein unerwarteter Umsatzrückgang wäre für knapp ein Fünftel der Betriebe kaum zu bewältigen oder gar existenzbedrohend. Und weniger als ein Drittel traut sich zu, das eigene Geschäftsmodell innerhalb von sechs Monaten grundlegend anzupassen. Klumpenrisiken bei einzelnen Kunden oder Lieferanten bleiben vielerorts ungelöst.

NZZ-Chefökonom Peter A. Fischer bringt es auf den Punkt: «Zwar beherrschen die Firmen das operative Krisenhandwerk perfekt. Viele sehen derzeit jedoch begrenzte Möglichkeiten, ihre Geschäftsmodelle schnell und umfassend an das volatile Umfeld anzupassen.»

Technologie ja, Strategie noch nicht

Bei der künstlichen Intelligenz sind die KMU erstaunlich offensiv. Fast jede zweite Führungskraft nennt KI als eines der wichtigsten Themen der kommenden drei Jahre, und 87 Prozent experimentieren bereits damit oder bauen Kompetenzen auf. Die Technologie ist im Alltag angekommen.

Doch wie die IT-Fachpublikation Netzwoche berichtet, hinkt die Datenreife hinterher. Nur 27 Prozent der Befragten nutzen Daten systematisch für strategische Entscheidungen. Die Mehrheit greift punktuell auf Analysen zurück oder verlässt sich auf Erfahrung und Intuition. Die Werkzeuge sind da, die datengetriebene Entscheidungskultur fehlt noch.

Anpassungsfähigkeit ist eine Führungsaufgabe

Operative Robustheit und strategische Wendigkeit sind nicht dasselbe. Wer Krisen im Tagesgeschäft meistert, hat sein Geschäftsmodell noch lange nicht zukunftssicher gemacht. Genau diese Lücke ist Chefsache, denn sie entscheidet sich an der Führungsspitze, nicht in der Linie.

Drei Hebel helfen weiter. Erstens: Szenarien durchspielen, statt auf die eine Prognose zu setzen. Zweitens: Klumpenrisiken bei Kunden und Lieferanten aktiv reduzieren. Drittens: Entscheide auf Daten stützen, nicht nur auf das Bauchgefühl. Keiner dieser Hebel braucht ein Grossbudget, alle brauchen Führungsdisziplin.

Das passende Leitthema liefert das diesjährige Swiss Economic Forum mit der Frage «Unbreakable?». Die ehrliche Antwort lautet: Nichts ist unzerbrechlich. Entscheidend ist, wie schnell ein Unternehmen lernt und sich neu ausrichtet.

Das Barometer in Zahlen
-7,3 Indexpunkte: tiefster Stand des Gesamtindexes seit Erhebungsbeginn 2021
55 % der KMU stufen sich als eher bis sehr resilient ein
< ein Drittel traut sich zu, das Geschäftsmodell binnen sechs Monaten grundlegend umzubauen
27 % nutzen Daten systematisch für strategische Entscheidungen
87 % experimentieren mit künstlicher Intelligenz oder bauen Kompetenzen auf

Was Sie jetzt auf die Traktandenliste setzen sollten

Nehmen Sie die nächste Geschäftsleitungssitzung zum Anlass für drei Fragen. Wie lange überleben wir einen Umsatzeinbruch von zwanzig Prozent? Welcher einzelne Kunde oder Lieferant würde uns am meisten wehtun, wenn er wegfällt? Und auf welche drei Kennzahlen stützen wir unsere wichtigsten Entscheide wirklich?

Wer diese Fragen beantworten kann, ist nicht unzerbrechlich, aber deutlich anpassungsfähiger als der Durchschnitt. Und genau das ist im aktuellen Umfeld der entscheidende Vorsprung.

Im KMU Leaders Campus weiterdenken Strategische Anpassungsfähigkeit lässt sich trainieren. Genau hier setzen die Seminartage und die Community of Practice des KMU Leaders Campus an: Führungspersonen arbeiten an Szenarien, Geschäftsmodell-Varianten und datenbasierten Entscheidungswegen, gemeinsam mit Partnern wie PostFinance, Swiss Leaders und der HWZ. Der nächste Campus Impuls bietet den kompakten Einstieg ins Thema.

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