Die neuen Halbjahreszahlen des Bundesamts für Cybersicherheit zeigen ein klares Bild. Angriffe auf Schweizer Unternehmen werden gezielter, schneller und automatisierter. Wer als KMU-Führung jetzt nicht auf Governance, ...
Im zweiten Halbjahr 2025 wurden in der Schweiz 57 Ransomware-Vorfälle ans Bundesamt für Cybersicherheit gemeldet. Wie die Fachpublikation Computerworld mit Blick auf den aktuellen Halbjahresbericht festhält, dominierte dabei die Gruppierung Akira mit 26 dokumentierten Angriffen auf Schweizer Unternehmen. Eine ihrer wichtigsten Eintrittstüren: nicht gepatchte SonicWall-Geräte mit einer Schwachstelle, die bereits 2024 öffentlich bekannt war. Parallel registrierte der Bund 73 Fälle von Business-E-Mail-Compromise, ein einzelner führte zu CHF 1,5 Millionen Schaden.
Die Angriffe werden individueller und nutzen lokale Aufhänger. Wie die Fachpublikation Inside IT mit Verweis auf den aktuellen Lagebericht zeigt, kombinieren Täter Voice-Phishing und Real-Time-Phishing-Kampagnen mit gefälschten Werbeanzeigen in Suchmaschinen. Sie imitieren bekannte Schweizer Treueprogramme, um Vertrauen vorzutäuschen. Neu sind sogenannte SMS-Blaster im Einsatz, die in einem Umkreis von rund einem Kilometer Mobilfunkantennen simulieren und so die Filter der Schweizer Netzbetreiber umgehen. Das Bild ist klar: weniger Masse, mehr Treffsicherheit.
Die grösste Verschiebung kommt aber durch generative KI. Wie die Fachpublikation Netzwoche dokumentiert, kartiert ein modernes KI-System in Stunden eine ganze Angriffsfläche, priorisiert Schwachstellen und bereitet Exploits vor, ohne menschliches Zutun. Ein KI-Modell von Anthropic identifizierte Anfang April 2026 autonom Tausende kritischer Schwachstellen, darunter eine, die 27 Jahre lang unentdeckt im Betriebssystem OpenBSD bestand. Bemerkenswert: Das Modell wurde nicht für Cybersicherheit trainiert, die Fähigkeit ist Nebenprodukt verbesserter Reasoning-Kompetenz.
In einer Branchenbefragung von Computerworld bringt es Ernesto Hartmann von InfoGuard auf den Punkt: «KI-gestützte Angriffe eskalieren rasant, selbst geringe Skills reichen heute für grossen Schaden.» Für KMU bedeutet das: Angreifer brauchen weniger Können, Verteidiger jedoch mehr Tempo, Kontext und Konsequenz.
Viele KMU haben technische Basisschutz-Tools im Einsatz und glauben sich abgesichert. Das ist trügerisch, weil Werkzeuge ohne Prozesse und ohne klare Verantwortung wenig nützen. Im Erpressungsfall fehlt es meist nicht an Software, sondern an einem geübten Notfallplan, an einer ausgesperrten Backup-Kopie und an klaren Eskalationswegen. Wie das KMU-Portal des Bundes mit Verweis auf das Bundesamt für Cybersicherheit aktuell zusammenfasst, nehmen Business-E-Mail-Compromise-Angriffe deutlich zu, weil sie genau diese organisatorische Lücke ausnutzen.
Das KMU-Portal des Bundes empfiehlt drei zentrale Massnahmen, die ohne grosse Investition wirken. Erstens: Multi-Faktor-Authentifizierung für alle Konten, ohne Ausnahme. Zweitens: konsequente Updates mit klarem Patch-Fenster, gerade für Fernzugriffe, VPN-Appliances und Firewall-Geräte. Drittens: regelmässige Schulung der Mitarbeitenden, weil Social Engineering der häufigste Erfolgsweg bleibt. Ergänzend gilt: ein dokumentiertes Sicherheitskonzept und ein einmal pro Jahr geprobter Notfallplan, auch im Kleinstbetrieb. Die nationale Sensibilisierungskampagne «SUPER, oder?», wie Computerworld berichtet, läuft bis Mitte Mai und liefert dafür kostenlose Materialien.
Holen Sie sich von Ihrer IT eine aktuelle Liste aller exponierten Geräte (Firewalls, VPN-Gateways, Mailserver) und ihres Patch-Stands, mit Datum. Klären Sie, wer im Ernstfall die ersten 60 Minuten führt und über welchen Kanal kommuniziert wird, denn Mails und Telefonsysteme können selbst kompromittiert sein. Üben Sie das Szenario «Backup eingespielt, Mailserver offline» einmal trocken durch, bevor Sie es real erleben müssen. Und stellen Sie Ihrem Verwaltungsrat drei Fragen, die Netzwoche empfiehlt: Wo sind unsere grössten Angriffsflächen heute? Wie lange dauert es, einen laufenden Angriff zu erkennen? Wer trägt die Verantwortung auf Führungsebene?
Die Bedrohung wächst, doch das Fundament für Cyberresilienz ist günstig und bekannt: Disziplin bei Patches, MFA überall, ein geübter Notfallplan und eine Geschäftsleitung, die die richtige Frage stellt. Wer als Führungsperson nicht beantworten kann, wie lange ein Angriff in der eigenen Firma unerkannt bliebe, hat das Risiko bereits delegiert. Der nächste BACS-Halbjahresbericht kommt im Herbst. Die nächsten Wochen entscheiden, ob er die eigene Firma erwähnt.
Quellen
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