Zwei Signale aus Mai 2026: Konjunktur dümpelt, CFOs ziehen den KI-Lohnhebel

Das KOF-Konjunkturbarometer kratzt im Mai an der 100er-Marke, ohne sie zu nehmen. Gleichzeitig planen 46 Prozent der Schweizer Finanzchefs, mittelfristig Lohnkosten durch KI zu senken. Zwei Signale, eine Konsequenz für KMU-Führungspersonen.

Schweizer KMU setzen 2026 auf künstliche Intelligenz wie nie zuvor. Doch zwei von drei Pilotprojekten erreichen den Regelbetrieb nie. Der Engpass liegt nicht in der Technologie, sondern in der Führung.

Vom Experiment zur Ernüchterung

87 Prozent der Schweizer Führungskräfte experimentieren mit KI oder bauen entsprechende Kompetenzen auf. Das zeigt das aktuelle NZZ-KMU-Barometer, für das die Fachhochschule Kalaidos 495 Führungskräfte befragte. KI gehört für fast jede zweite Führungsperson zu den drei wichtigsten Themen der nächsten drei Jahre.

Die Euphorie trifft auf eine harte Realität. Laut dem GenAI Impact Report von Adesso werden rund zwei Drittel der KI-Projekte nach der Pilotphase wieder abgebrochen. Nur gut die Hälfte der Firmen misst dank KI ein Umsatzwachstum von mindestens fünf Prozent. Knapp ein Fünftel investiert, ohne einen messbaren Mehrwert zu erkennen.

Der Engpass heisst Führung, nicht Technik

Die Zahlen widerlegen einen verbreiteten Irrtum. KI scheitert selten am Modell, fast immer an der Organisation. Wo die Geschäftsleitung das Thema treibt, setzen laut Adesso 55 Prozent der Firmen KI in den Kernprozessen ein. Fehlt eine KI-Strategie der Führung, bleibt KI bei 71 Prozent dieser Unternehmen Nebensache.

Eine BCG-Umfrage bestätigt den Befund: Immer mehr CEOs übernehmen die KI-Führung selbst, statt sie an die IT zu delegieren. Auch eine UBS-Studie kommt zum Schluss, dass KI in Schweizer Firmen zwar angekommen ist, vielerorts aber Stückwerk bleibt.

Wer aus dem Bauch entscheidet, skaliert nicht

Ein zweiter blinder Fleck ist die Datenreife. Nur 27 Prozent der im NZZ-KMU-Barometer befragten Unternehmen nutzen Daten systematisch für strategische Entscheidungen. Die Mehrheit verlässt sich auf Erfahrung und Intuition.

Das hat Folgen. Ebenfalls nur 27 Prozent trauen sich zu, ihr Geschäftsmodell innerhalb von sechs Monaten substanziell umzubauen. Wer ohne saubere Datenbasis automatisiert, vervielfacht Fehler, statt sie zu beheben.

KI in Schweizer KMU 2026, die Zahlen
87 % der Führungskräfte experimentieren mit KI oder bauen Kompetenzen auf.
2 von 3 KI-Projekten werden nach der Pilotphase wieder abgebrochen.
27 % nutzen Daten systematisch für strategische Entscheidungen.
60 % setzen bereits teilautomatisierte KI-Agenten ein.

Agentic AI verschärft die Kontrollfrage

Die nächste Welle steht bereits an. Sogenannte KI-Agenten planen Aufgaben, bereiten Entscheide vor und steuern Abläufe weitgehend selbstständig. Laut Adesso setzen bereits 60 Prozent der Unternehmen solche teilautomatisierten Agenten ein.

Mit der Autonomie steigt das Risiko, wie die Netzwoche in einer aktuellen Kolumne festhält. Ein Agent mit Zugriff auf ERP- oder CRM-Systeme kann viel bewegen, im Guten wie im Schlechten. Genau hier wird Führung konkret: Sie muss festlegen, wo ein Agent eigenständig handeln darf und wo ein Mensch zwingend freigeben muss.

Drei Entscheidungen für die Geschäftsleitung

Erstens, Use Cases mit messbaren Zielen. Ein Pilot ohne klare Kennzahl und ohne Verantwortliche im Geschäft, nicht nur in der IT, scheitert vorhersehbar.

Zweitens, Leitplanken statt Verbote. Klare System- und Datengrenzen, ein Mensch als letzte Instanz bei kritischen Entscheiden und eine lückenlose Protokollierung machen autonome KI sicher steuerbar.

Drittens, Transparenz gegenüber der Kundschaft. Sieben von zehn Personen wollen laut Adesso vor einer Interaktion wissen, ob eine KI im Spiel ist. Wer das ignoriert, riskiert Vertrauen.

Was das für KMU-Führungskräfte heisst

KI ist 2026 kein IT-Projekt mehr, sondern Chefsache. Der Unterschied zwischen erfolgreichen und abgebrochenen Projekten liegt in Strategie, Governance und Datenkompetenz, nicht im Werkzeug. Wer diese drei Hebel bewusst führt, holt aus jedem Franken KI-Budget mehr heraus als die Konkurrenz.

Beim KMU Leaders Campus weiterdenken Wie KI von der Spielerei zum Wertbeitrag wird, ist genau die Art von Führungsfrage, die an den Seminartagen und den Campus-Impulse-Abenden des KMU Leaders Campus diskutiert wird. Mit Partnern wie der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) und dem ICT-Verband SWICO bringen Praxis und Forschung jene Tiefe ein, die solche Entscheide brauchen.

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