Das KOF-Konjunkturbarometer kratzt im Mai an der 100er-Marke, ohne sie zu nehmen. Gleichzeitig planen 46 Prozent der Schweizer Finanzchefs, mittelfristig Lohnkosten durch KI zu senken. Zwei Signale, eine Konsequenz für KMU-Führungspersonen.
Nur 15,3 Prozent der zwischen 2021 und 2025 gegründeten Schweizer Start-ups werden von Frauen geführt. Gleichzeitig trauen sich deutlich weniger Frauen als Männer den Schritt in die Selbständigkeit zu. Für KMU-Führungspersonen ist das keine Gleichstellungsfussnote, sondern eine Frage der eigenen Talentpipeline.
Der Anteil frauengeführter Gründungen steigt. Wie das KMU-Portal des Bundes in seinem aktuellen Monatsthema festhält, kletterte er von 10,8 Prozent in den Jahren 2016 bis 2020 auf 15,3 Prozent in den Jahren 2021 bis 2025. Der Fortschritt ist real, die Untervertretung bleibt deutlich.
Die Gründungen verteilen sich ungleich über die Branchen. Den höchsten Frauenanteil verzeichnet der E-Commerce mit 28 Prozent, gefolgt vom Gesundheitsbereich mit 19 Prozent.
Zahlen im Überblick
15,3% Anteil frauengeführter Start-up-Gründungen 2021 bis 2025 (2016 bis 2020: 10,8%)
CHF 290 Mio. Kapital für von Frauen (mit)gegründete Firmen 2024, aber nur 9,3% des Gesamtvolumens
34,7% vs. 54,0% Frauen gegenüber Männern, die sich eine Unternehmensgründung zutrauen
Quelle: KMU-Portal des Bundes, Monatsthema (06.05.2026)
Der Kapitalzugang bleibt der grösste Hebel. Auch hier gibt es Bewegung: Von Frauen gegründete oder mitgegründete Firmen sammelten 2024 in der Schweiz rekordhohe CHF 290 Millionen ein, ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gemessen am gesamten eingesammelten Kapital sind das aber nur 9,3 Prozent.
Das KMU-Portal des Bundes verweist auf eine Studie der HES-SO, die fünf typische Verzerrungen im Umgang mit Gründerinnen beschreibt. Eine betrifft die Risikowahrnehmung: Wer ein Projekt vorsichtig präsentiert, wirkt rasch weniger ambitioniert. Eine belastbare, gut dokumentierte Darstellung der Zahlen wirkt dem entgegen.
Hinzu kommt das Zutrauen. Nur 34,7 Prozent der Frauen halten sich für ausreichend qualifiziert, ein Unternehmen zu gründen, gegenüber 54,0 Prozent der Männer. Diese Lücke entscheidet oft, bevor ein Businessplan geschrieben ist.
Auf der Führungsebene ist die Ambition vorhanden. Eine aktuelle Studie der Fachhochschule HSO, über die Moneycab berichtet, befragte über 120 Frauen. Die Mehrheit sieht sich klar als Teil der nächsten Führungsgeneration.
Bemerkenswert ist, wie gezielt sie investieren. Sie setzen auf Zukunftskompetenzen wie Künstliche Intelligenz und Executive Leadership. Mehr als 90 Prozent halten gezielte Weiterbildung für die Voraussetzung, um beruflich voranzukommen.
Der Engpass ist selten der Wille, sondern die Rahmenbedingung. Mutterschaft gilt vielen weiterhin als Karrierehürde, und die Schweiz wird als zu wenig familienfreundlich wahrgenommen.
Erstens den Kapitalentscheid bewusster treffen. Wer finanziert oder über Beteiligungen mitentscheidet, sollte die eigenen Verzerrungen kennen. Partner wie PostFinance machen Diversität in der Finanzierung zunehmend zum Thema, doch die Bewertung beginnt im eigenen Kopf.
Zweitens Entwicklung ermöglichen. Mentoring und Peer-Learning stärken das Selbstvertrauen in fortgeschrittenen Phasen. Genau dafür sind Formate wie die KLC-Praxistage und die Campus Impulse gedacht, ergänzt durch Hochschulpartner wie die HWZ und die HSLU sowie das Netzwerk von Swiss Leaders.
Drittens die Rahmenbedingungen anpassen. Zeitliche Flexibilität und eine ehrliche Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind keine Sozialleistung, sondern Voraussetzung, um Talente zu halten.
Der Gender Gap kostet KMU konkret: Ideen, die nicht zur Gründung werden, und Führungstalente, die abwandern. Wer die Bedingungen aktiv gestaltet, erschliesst eine Reserve, die bereits ausgebildet und motiviert ist. Das ist Chefsache, nicht Beiwerk.
Weiterführend im KLC-Kosmos > Praxistage und Campus Impulse: Leadership-Entwicklung und Peer-Learning für Führungspersonen. > Partner-Netzwerk: PostFinance für Finanzierungsfragen, Swiss Leaders, HWZ und HSLU für Weiterbildung und Forschung. > Community Layer: Mentoring und Austausch zwischen den Events.
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