Der Euro hat im Frühjahr 2026 zeitweise die Marke von 90 Rappen geknackt. SNB-Präsident Martin Schlegel hat an der Generalversammlung der Nationalbank klargemacht: Geldpolitisch kommt keine Rettung. Was diese ...
Wer in der Schweiz exportiert, hat in den vergangenen Wochen viel Vertrautes verloren. Der Euro stand zeitweise unter 90 Rappen. Eine NZZ-Analyse spricht von einem altbekannten Dilemma der Schweizerischen Nationalbank: Eine weitere Zinssenkung führte zurück in die Negativzinsen, Devisenkäufe provozieren US-Vorwürfe der Währungsmanipulation. Die Botschaft an die Geschäftsleitung ist hart. Der starke Franken ist kein temporärer Ausschlag, sondern die neue Ausgangslage.
An der Generalversammlung vom 24. April hat SNB-Präsident Martin Schlegel den Kurs der nächsten Monate skizziert. Laut Swissinfo sieht die Notenbank die Unsicherheit für die Schweizer Wirtschaft deutlich erhöht. Schlegel betont, die Geldpolitik wirke aktuell expansiv und der Leitzins bleibe bei null Prozent. Die Bereitschaft zu Devisenmarktinterventionen sei wegen geopolitischer Spannungen erhöht. Negativzinsen seien laut Handelszeitung zwar möglich, die Hürde dafür bleibe hoch. Klar ist damit: Was lange als geldpolitisches Sicherheitsnetz galt, taugt 2026 nicht mehr als Plan A.
Die economiesuisse hat zwischen dem 7. und dem 28. Mai 502 Organisationen befragt. 60 Prozent der mehrheitlich im Export tätigen Unternehmen melden Probleme beim Absatz im Ausland. 55 Prozent nennen Regulierung und Bürokratie als zusätzlichen Bremsklotz. Viele Betriebe halten Beschaffung, Investitionen und Neueinstellungen zurück. Wer als KMU-Führung jetzt auf bessere Wechselkurs-Nachrichten wartet, verliert Wochen, die anders besser investiert sind.
Wer in Fremdwährungen fakturiert und nicht absichert, betreibt unfreiwilliges Devisengeschäft. Drei Schritte sind Standard. Erstens Klarheit über das offene Volumen pro Währung und Fälligkeit. Zweitens konsequentes Natural Hedging, also Einkauf und Verkauf in derselben Währung gegeneinander stellen. Drittens Termingeschäfte oder Optionen für den verbleibenden Saldo. Wichtig: Hedging ist eine operative Disziplin, nicht eine jährliche Pflichtübung. Wer das Programm nicht mindestens quartalsweise mit dem Auftragsbestand abgleicht, hedged in die Vergangenheit hinein.
Die zweite Antwort ist strategisch und braucht Zeit. Wer in Franken produziert und in Euro verkauft, verliert bei jeder Aufwertung Marge. Drei Optionen sind realistisch. Erstens Einkauf in Fremdwährung systematisch ausbauen. Zweitens Vorprodukte und Services in den Absatzmärkten dazukaufen. Drittens einzelne Wertschöpfungsschritte in den Euro-Raum verlagern. Eine Analyse der Fachplattform investrends.ch zeigt: Die geldpolitische Gabelung zwischen EZB (Zinserhöhung in Aussicht) und SNB (Frankenabwehr) wird strukturell. Wer Beschaffung oder Produktion in den Euro-Raum verschiebt, profitiert doppelt: tieferer Kostensockel und natürliche Absicherung.
Wer keinen Spielraum für Preiserhöhungen hat, ist austauschbar. Pricing-Power ist die Belohnung für Differenzierung. Zwei Fragen führen weiter. Was kann unser Kunde bei uns kaufen, das er anderswo nicht findet? Und: Wie hoch sind seine Wechselkosten zu einem Konkurrenten, wenn man Schulung, Integration, Garantie und Service ehrlich beziffert? Wer hier präzise antwortet, sieht, ob die Preisuntergrenze ein Marketing-Problem oder ein Wertversprechen-Problem ist.
Drei Fragen gehören auf die Traktandenliste. Erstens: Wie hoch ist unser offenes Fremdwährungs-Exposure, und wie ist es abgesichert? Zweitens: Welche Wertschöpfungsschritte können in den nächsten zwölf Monaten in den Euro-Raum verschoben werden, ohne den Marken-Kern zu schwächen? Drittens: Welche zwei Produktlinien rechtfertigen eine Premium-Strategie, welche sind Commodity? Wer diese Fragen sauber beantwortet, hat den Franken-Schock vom Kostenproblem zum Strategie-Treiber gemacht.
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