Das KOF-Konjunkturbarometer kratzt im Mai an der 100er-Marke, ohne sie zu nehmen. Gleichzeitig planen 46 Prozent der Schweizer Finanzchefs, mittelfristig Lohnkosten durch KI zu senken. Zwei Signale, eine Konsequenz für KMU-Führungspersonen.
Das neue Bundesgesetz über die nachhaltige Unternehmensführung nimmt KMU ausdrücklich aus der Pflicht. Über Ihre grossen Kunden und deren Lieferketten landen die Anforderungen trotzdem bei Ihnen. Wer das früh erkennt, macht aus einer Bürokratiedebatte ein Verkaufsargument.
Anfang April hat der Bundesrat die Vernehmlassung zum neuen Gesetz eröffnet. Es ist der indirekte Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative und orientiert sich eng an den EU-Regeln. Wie die Hochschule Luzern in ihrem Financial-Management-Blog festhält, verschiebt sich der Fokus von Einzelpflichten hin zu einem Gesamtrahmen für nachhaltige Führung.
Der Anwendungsbereich schrumpft deutlich. Künftig sind nur noch rund 100 statt 200 Unternehmen berichtspflichtig, und die erweiterten Sorgfaltspflichten treffen lediglich rund 30 Grossunternehmen. KMU sind davon nicht direkt betroffen, betont der Bundesrat in seiner Mitteilung. Die Vernehmlassung läuft noch bis am 9. Juli 2026.
Nicht direkt betroffen heisst nicht unberührt. Grosse Kunden brauchen für ihre eigene Berichterstattung Daten von ihren Zulieferern, etwa zu Emissionen, Energie oder Arbeitsbedingungen. Diese Anforderungen wandern die Wertschöpfungskette hinunter, bis zum KMU.
Fachleute nennen das den Trickle-down-Effekt. Für viele Schweizer Betriebe wird ESG damit zur Verkaufsbedingung, lange bevor es zur Rechtspflicht würde. Die Frage ist also nicht, ob Sie liefern, sondern wie souverän.
Hier kommt eine zweite Entwicklung ins Spiel. Anfang Mai hat die EU-Kommission eine Konsultation zu vereinfachten Berichtsstandards und zu einem freiwilligen Standard für kleinere Unternehmen gestartet. Wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Kleeberg analysiert, sinkt die Zahl der verpflichtenden Datenpunkte um über 60 Prozent und die Berichtskosten um mehr als 30 Prozent.
Für KMU entscheidend ist die sogenannte Value Chain Cap. Sie begrenzt, was Grosskunden von Partnern mit bis zu 1000 Mitarbeitenden verlangen dürfen, nämlich nicht mehr, als der freiwillige Standard vorsieht. Dieser besteht aus zwei Modulen und gibt Ihnen erstmals eine klare Obergrenze in die Hand.
ZAHLEN, DIE ZÄHLEN
▪ Rund 100 statt bisher 200 Unternehmen werden künftig nachhaltigkeitsberichtspflichtig.
▪ Erweiterte Sorgfaltspflichten treffen lediglich rund 30 Schweizer Grossunternehmen.
▪ Über 60 Prozent weniger verpflichtende Datenpunkte sieht der überarbeitete EU-Standard vor.
▪ Die Value Chain Cap schützt Partner mit bis zu 1000 Mitarbeitenden vor überzogenen Datenforderungen.
▪ Die NUFG-Vernehmlassung läuft noch bis am 9. Juli 2026.
Drei Schritte lohnen sich jetzt. Erstens: Bauen Sie einen schlanken ESG-Datenraum auf, mit Energie, Emissionen und zentralen Personalkennzahlen. Zweitens: Nutzen Sie den freiwilligen Standard als Obergrenze und liefern Sie nicht mehr als verlangt. Drittens: Behandeln Sie diese Daten als Verkaufsargument, nicht als Last.
Genau hier setzt der KMU Leaders Campus an. In den Campus-Impulsen und Praxistagen vertiefen Sie solche Führungsfragen gemeinsam mit Partnern wie der Hochschule Luzern, dem ICT-Verband SWICO und PostFinance. Nachhaltigkeit wird so vom Reizwort zum Wettbewerbsvorteil.
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