Ende 2026 startet die staatliche elektronische Identität in der Schweiz. Eine neue Studie der Hochschule Luzern zeigt: Rund 80 Prozent der KMU sind nicht vorbereitet. Wer als Führungsperson jetzt nicht handelt, riskiert ...
Am 1. Dezember 2026 startet die staatliche elektronische Identität, kurz E-ID. Sie ermöglicht es Ihnen und Ihren Kundinnen und Kunden, sich digital sicher und schnell auszuweisen. Die Botschaft an Schweizer KMU ist klar: Wer Verträge abschliesst, Dokumente austauscht oder regulierte Dienste anbietet, wird die E-ID früher oder später akzeptieren oder einsetzen müssen.
Wie weit die KMU dabei tatsächlich sind, hat eine kürzlich publizierte Studie der Hochschule Luzern untersucht. Das Ergebnis ist deutlich: Rund 93 Prozent der befragten Unternehmen kennen das Thema. Nur etwa ein Fünftel hat bereits konkrete Lösungen im Einsatz. Vier von fünf Schweizer KMU sind also formell informiert, in der Praxis aber nicht bereit.
Die Studienautoren ordnen die Lücke nüchtern ein. «Digitale Identitäten scheitern selten an der Idee, sondern an Schnittstellen, Rollenlogiken und am Betrieb», hält die Hochschule Luzern in ihrer Mitteilung fest. Anders gesagt: Das Gesetz ist nicht das Problem. Das Problem liegt in der eigenen IT, in unklaren Verantwortlichkeiten und im fehlenden internen Wissen.
Wie das Fachportal MoneyToday in einer aktuellen Auswertung schreibt, betrifft das Thema längst nicht mehr nur den Finanz- oder Gesundheitssektor. Wer Verträge digital signiert, Onboarding-Prozesse beschleunigt oder Mitarbeitende rechtssicher identifiziert, profitiert von einer integrierten E-ID. Wer warten will, riskiert genau jene operativen Reibungen, die KMU bereits heute Zeit und Geld kosten.
Quelle: HSLU-Studie «Digitale Identitäten und elektronische Nachweise in der Schweiz 2026».
Eine Zahl der Studie verdient besondere Aufmerksamkeit. Rund 86 Prozent der befragten KMU stufen KI-generierte Fake-Identitäten und Deepfakes als mindestens mittleres Risiko ein. Knapp die Hälfte spricht von einem hohen oder sehr hohen Risiko. Das ist keine Theorie, sondern Alltag: Stimmen-Klone, gefälschte Videocalls und manipulierte Ausweisbilder kommen heute aus dem freien Internet.
Wie die Plattform Bitcoin Switzerland News jüngst zusammenfasst, ist die E-ID in diesem Kontext mehr als ein Komfort-Tool. Sie ist eine staatlich geprüfte Vertrauensschicht zwischen Ihrem Unternehmen und der echten Person dahinter. Wer Identitätsprüfung weiterhin nur per PDF-Ausweisscan oder visuellem Abgleich betreibt, akzeptiert ein wachsendes Betrugsrisiko.
Die HSLU-Studie macht eine zweite, oft übersehene Beobachtung. Die meisten gescheiterten Projekte rund um digitale Identitäten kippen an der Schnittstelle zwischen IT, Recht und Geschäftsmodell. Wer nur die IT damit beauftragt, bekommt eine technische Lösung. Wer nur die Rechtsabteilung fragt, bekommt eine Compliance-Übung. Beide Wege erzeugen Kosten, ohne den Geschäftsnutzen zu heben.
Die zentrale Aufgabe der Geschäftsleitung ist deshalb nicht die Auswahl eines Anbieters, sondern eine klare Priorisierung. Welche zwei oder drei Prozesse profitieren am meisten von einer staatlich abgesicherten Identitätsprüfung? Onboarding neuer Mitarbeitender? Vertragsabschluss mit Endkundinnen? Zugriff auf sensible Daten? Diese Fragen gehören in die Geschäftsleitungssitzung, nicht in das nächste IT-Standup.
Was können Sie als Geschäftsleitung bis zum E-ID-Start im Dezember 2026 konkret tun? Drei Schritte sind aus der Studienlage und aus Praxisgesprächen ableitbar. Erstens: Lassen Sie eine kompakte Bestandsaufnahme erstellen. Welche Prozesse brauchen heute eine sichere Identifikation? Wo wird sie heute manuell oder via Scan gelöst?
Zweitens: Holen Sie eine externe Standortbestimmung ein. Hochschulen wie die Hochschule Luzern und Verbände wie SWICO liefern verlässliche Orientierung zu Standards, Schnittstellen und Anbietern. Im KMU Leaders Campus in Luzern und Zürich wird das Thema in einer der nächsten Ausgaben mit ausgewiesenen Praktikern aus der ICT-Branche aufgegriffen.
Drittens: Definieren Sie ein Pilotprojekt mit klarem Geschäftsnutzen. Beispiel: digitales Onboarding eines neuen Mitarbeitenden inklusive E-ID-Identifikation, Vertrag und Rollenfreigabe in einem einzigen Prozess. So lernt Ihr Team, welche organisatorischen Anpassungen nötig sind, bevor der breite Roll-out ansteht. Sie vermeiden den klassischen Fehler, eine Technologie einzukaufen, ohne die internen Prozesse vorbereitet zu haben.
Die E-ID kommt unabhängig davon, ob Ihr Unternehmen bereit ist. Die Frage ist nicht ob, sondern wie souverän Sie sie einsetzen. Wer wartet, bis es regulatorisch unumgänglich wird, zahlt zweifach: für eine teure Schnellintegration und für verlorene Effizienzgewinne in Vertrieb, HR und Compliance. Wer die nächsten 90 Tage nutzt, verwandelt eine Pflicht in einen Vertrauens- und Geschwindigkeitsvorteil.
Quellen
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