Am 1. Dezember 2026 startet die staatliche E-ID. Eine Studie der Hochschule Luzern zeigt: Vier von fünf Schweizer KMU sind nicht vorbereitet. Wer jetzt nicht entscheidet, zahlt später drauf.
Die Schweiz erhält Ende Jahr eine staatliche elektronische Identität. Bestellt und genutzt wird sie über die swiyu-Wallet auf dem Smartphone. Damit lassen sich künftig Bankkonten eröffnen, amtliche Auszüge beziehen oder das Alter nachweisen. Für KMU ist das mehr als eine Behördenneuheit. Es entsteht eine Infrastruktur, an die sich Kundenprozesse anschliessen lassen.
Das Bewusstsein ist da, die Umsetzung fehlt. Rund 94 Prozent der befragten KMU kennen die E-ID. Doch erst 20,5 Prozent haben eine Lösung implementiert, weitere 21,8 Prozent sind in Planung oder Umsetzung. Rund ein Drittel hat keinerlei Umsetzungspläne. Das IT-Magazin Netzwoche fasst es zugespitzt zusammen: Vier von fünf KMU sind nicht vorbereitet.
Vor der Abstimmung dominierten Datenschutzsorgen die Debatte. In der Praxis liegen die Hürden anderswo. 47 Prozent der KMU nennen die Integration in bestehende Systeme als grösstes Hindernis. 44 Prozent fehlt das nötige Wissen, 40 Prozent sehen keinen konkreten Anwendungsfall. Regulatorische Bedenken nennen nur knapp 18 Prozent. Wie die Fachpublikation Inside IT berichtet, soll die Ausstellung der E-ID im Dezember starten.
«Digitale Identitäten scheitern selten an der Idee, sondern an Schnittstellen, Rollenlogiken und am Betrieb», sagt Tim Weingärtner, Mitautor der Studie an der Hochschule Luzern.
Die Versuchung ist gross, das Thema an die IT zu delegieren. Das greift zu kurz. Es geht um Kundenerlebnis, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit, also um strategische Fragen. 86 Prozent der befragten Unternehmen stufen KI-generierte Fake-Identitäten als Risiko ein. Verifizierte digitale Nachweise sind eine Antwort darauf.
«Für KMU ist das grösste Risiko nicht die Veränderung. Es ist, Kunden zu verlieren, weil man zu spät reagiert», formuliert Roman Zoun von Swisscom in der Studie.
Sie müssen nicht alles auf einmal lösen. Drei Schritte schaffen Klarheit, ohne das Budget zu sprengen. Erstens: Benennen Sie eine verantwortliche Person und prüfen Sie konkrete Anwendungsfälle wie Onboarding, Altersnachweis oder Vertragsabschluss. Zweitens: Klären Sie mit Ihrem IT-Partner, wie sich die Verifikation in bestehende Systeme einbinden lässt. Drittens: Starten Sie ein kleines Pilotprojekt, statt auf die perfekte Lösung zu warten.
Die Studie warnt vor einem Aufholstress. Wer zu lange wartet, baut interne Fähigkeiten später unter Zeitdruck und zu höheren Kosten auf.
Die E-ID zeigt, wie schnell eine regulatorische Neuerung zur Führungsfrage wird. Genau solche Themen vertieft der KMU Leaders Campus an seinen Seminartagen und Campus Impulsen, wo Führungspersonen Erfahrungen austauschen und Entscheidungen vorbereiten. Wie schon beim digitalen Risikomanagement gilt: Die Geschäftsleitung gibt die Richtung vor, nicht die Technik.
QUELLEN
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