Zwei Signale aus Mai 2026: Konjunktur dümpelt, CFOs ziehen den KI-Lohnhebel

Das KOF-Konjunkturbarometer kratzt im Mai an der 100er-Marke, ohne sie zu nehmen. Gleichzeitig planen 46 Prozent der Schweizer Finanzchefs, mittelfristig Lohnkosten durch KI zu senken. Zwei Signale, eine Konsequenz für KMU-Führungspersonen.

Der Countdown läuft

Die Schweiz erhält ihre staatliche elektronische Identität. Der Bund baut dafür die offene Vertrauensinfrastruktur swiyu auf, die Ausstellung der E-ID soll Ende 2026 starten. Wie die IT-Fachpublikation Inside IT berichtet, ist der Weg nach einem Bundesgerichtsentscheid nun frei. Für KMU rückt damit eine konkrete Frist näher. Eine aktuelle Studie der Hochschule Luzern zeigt jedoch eine deutliche Lücke zwischen Wissen und Handeln. Zwar haben fast 94 Prozent der befragten Unternehmen von der E-ID gehört. Erst 20,5 Prozent haben aber eine Lösung umgesetzt, weitere 21,8 Prozent sind in Planung. Vier von fünf KMU stehen damit noch am Anfang.

Nicht das Recht ist die Hürde, sondern der Betrieb

Die grössten Hindernisse liegen anders, als es die politische Debatte vermuten liess. Wie das Fachmagazin Netzwoche festhält, nennen 47,4 Prozent der KMU die Integration in bestehende Systeme als grösste Hürde. Dahinter folgen mangelndes Wissen mit 43,6 Prozent und fehlende Anwendungsfälle mit 39,7 Prozent. Regulatorische Bedenken nennen dagegen nur knapp 18 Prozent. Tim Weingärtner, Informatik-Professor an der Hochschule Luzern und Mitautor der Studie, bringt es auf den Punkt: Digitale Identitäten scheiterten selten an der Idee, sondern an Schnittstellen, Rollenlogiken und am Betrieb.

E-ID-Readiness der Schweizer KMU (HSLU-Studie 2026)
93,6 % kennen die E-ID und die Vertrauensinfrastruktur
20,5 % haben bereits eine Lösung implementiert
21,8 % sind in Planung oder Umsetzung
47,4 % nennen die Systemintegration als grösste Hürde
86 % sehen in KI-Fake-Identitäten ein Risiko fürs Unternehmen

Der Preis des Abwartens

Abwarten wirkt bequem, ist aber teuer. Die Studienautoren warnen vor einem Aufholstress. Wer zu lange zuwartet, spart kurzfristig Aufwand und zahlt mittelfristig höhere Integrationskosten. Denn interne Fähigkeiten und Anschlüsse ans Ökosystem müssen dann unter Zeitdruck entstehen. Roman Zoun von Swisscom formuliert in der Studie das eigentliche Risiko deutlich. Für KMU sei die grösste Gefahr nicht die Veränderung, sondern der Verlust von Kunden, weil man zu spät reagiere. Digitale Identitäten entfalten ihren Wert als Infrastruktur mit Netzwerkeffekten. Je früher ein Betrieb verifiziert und integriert, desto schneller entstehen Routine und Partnerfähigkeit.

Warum das auf den Führungstisch gehört

Die Treiber für die E-ID sind klassische Führungsthemen. 84 Prozent der KMU erwarten Effizienzgewinne, 72 Prozent eine bessere Sicherheit. Hinzu kommt ein wachsendes Risiko durch Fälschungen. Rund 86 Prozent der Befragten stufen KI-generierte Fake-Identitäten wie Deepfakes als mindestens mittleres Risiko ein. Fast zwei Drittel erwarten, dass geprüfte digitale Identitäten dagegen helfen. Wer entscheidet, wem das Unternehmen digital vertraut, trifft eine strategische Wahl. Diese Verantwortung gehört in die Geschäftsleitung, nicht allein in die IT-Abteilung.

Was KMU jetzt konkret tun

Der Weg beginnt mit drei überschaubaren Schritten. Erstens lohnt es sich, sinnvolle Anwendungsfälle im eigenen Umfeld zu prüfen, etwa beim Onboarding von Kunden oder bei Verträgen. Zweitens schafft ein kleines Pilotprojekt erste Routine ohne grosses Risiko. Drittens braucht es eine klare Verantwortung auf Führungsebene mit Zeitfenster und Budget. So wird aus einer abstrakten Frist eine planbare Aufgabe. Die E-ID ist damit ein Test für die strategische Beweglichkeit, die Schweizer KMU gerade dringend brauchen.

Im KMU Leaders Campus weiterdenken
Digitale Identität ist eine Führungsfrage, kein IT-Projekt. Genau solche Weichenstellungen vertiefen die Seminartage und Campus-Impulse des KMU Leaders Campus im direkten Austausch unter Führungspersonen. Am Standort Luzern bringt zudem die Hochschule Luzern als Campus-Partnerin das nötige Fachwissen zu digitalen Vertrauensinfrastrukturen ein.

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