Der Swissmechanic-Geschäftsklimaindex verharrt zum zwölften Quartal in Folge im negativen Bereich. Wer als Industrie-KMU jetzt noch auf eine zyklische Erholung wartet, verkennt den Befund. Was sich ze...
Wie Moneycab berichtet, beurteilen drei von vier Betrieben der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie ihre aktuelle Lage als ungønstig. Der Wirtschaftsbarometer von Swissmechanic steht bei minus 30 Punkten, unverändert gegenüber dem Januar. Damit weist der Index das zwölfte Quartal in Folge ein negatives Vorzeichen aus.
Die Branchen-Pressemitteilung auf presseportal.ch ordnet die Lage zutreffend ein: «Resilienz statt Erholung». Swissmechanic-Direktor Erich Sannemann formuliert es so: Stabilisierung auf tiefem Niveau dørfe nicht mit Erholung verwechselt werden. Die Auftragslage bleibt für 60 Prozent der Befragten die grösste Sorge. Vier von zehn Unternehmen verzeichneten im ersten Quartal rückläufige EBIT-Margen.
Auch die Handelszeitung greift die Befunde auf. Schwache Nachfrage, starker Franken, höhere Energiepreise und globale Unsicherheit drücken gleichzeitig.
Wer drei Jahre lang nicht erholt, leidet nicht an Wetter, sondern an Klima. Der KOF-Konjunkturbarometer legte im April leicht auf 97.9 Punkte zu, bleibt aber unter dem mittelfristigen Schnitt. Selbst das gesamte Schweizer Konjunkturbild liefert also kein Rückenwind-Signal, das die Industrie aus dem Minus heben wørde.
Gleichzeitig zeigt der Swico-ICT-Index für das zweite Quartal mit 106.2 Punkten, dass andere Branchen im Wachstum sind, wenn auch mit nachlassendem Schwung. Die Schere zwischen wachsender Dienstleistungs- und Technologie-Wirtschaft und einer Industrie unter Dauerdruck wird grösser. Das ist kein Zufall, sondern strukturelle Realität. Margen wandern dorthin, wo Skalierung und Pricing-Power liegen.
Erstens: Geschäftsmodell statt Produktportfolio prüfen. Wer nur Stückzahlen zählt, übersieht den Wandel. Servicegeschäft, Wartungsverträge, datenbasierte Abrechnung und Modernisierungs-Programme erlauben planbaren Umsatz auch bei volatiler Bestelllage. Die zentrale Frage lautet nicht: Was bauen wir? Sondern: Wo entsteht der wiederkehrende Cashflow?
Zweitens: Nischen-Tiefe vor Volumen-Breite. Schweizer Industrie-KMU gewinnen selten über Preis. Sie gewinnen über Spezialisierung. Wer in der Bewertung der eigenen Marktposition nicht klar benennen kann, welche zwei bis drei Anwendungsfelder wirklich eine Champion-Position bieten, hat strategisch zu wenig fokussiert. Eine kompakte Strategie-Klausur mit der Geschäftsleitung schafft in zwei Tagen mehr Klarheit als zwölf Monate Quartalsmeetings.
Drittens: Investieren trotz Kapitalknappheit. Laut Swissmechanic geben 24 Prozent der Betriebe an, mangels eigener Mittel nicht investieren zu können. Das ist nachvollziehbar und gleichzeitig gefährlich. Wer in der Strukturkrise nicht investiert, verliert seine Position für die Erholungsphase. Förderprogramme von Innosuisse, Beteiligungskapital aus dem regionalen Bankennetz und Kooperationen mit Hochschulen wie HSLU oder HWZ sind unterausgenützt. Ein Gespräch mit der Innovationsförderung kostet zwei Stunden, kann aber sechsstellig hebeln.
Was Sie diese Woche tun können
Setzen Sie einen Termin mit Ihrer Geschäftsleitung an, der nur eine Frage beantwortet: Wo sind wir in fønf Jahren strukturell positioniert, wenn die MEM-Industrie 2030 noch immer im aktuellen Niveau liegt? Wer auf diese Frage keine klare Antwort hat, hat seinen wichtigsten Job vor sich. Wer eine Antwort hat, sollte sie diesen Sommer mit der Geschäftsleitung schärfen.
Im KMU Leaders Campus werden genau diese Fragen am Standort Luzern (HSLU-Partnerschaft) und Zürich (HWZ-Partnerschaft) regelmässig in vertraulichen Peer-Gesprächen behandelt. Wer den Austausch sucht: Der nächste Campus Impuls greift die Strukturwandel-Frage in der Industrie direkt auf.
Quellen
Weiterführende Beiträge
Wir verwenden Cookies, um kmu-leaders.ch sicher zu betreiben, die Nutzung anonym auszuwerten (Google Analytics 4) und unsere Kommunikation zu verbessern. Du kannst selbst wählen, welche Cookies erlaubt sind.