Cybersicherheit: Warum sinkende Angriffszahlen für KMU keine Entwarnung sind

Die Cyberangriffe auf die Schweiz sind im März um 21 Prozent zurückgegangen. Für KMU-Führungspersonen wäre es dennoch riskant, die Wachsamkeit zurückzufahren. Drei Entwicklungen zeigen, warum die sinkende Kurve trügt.

Weniger Angriffe, immer noch historisch hoch

Wie die IT-Fachpublikation Netzwoche kürzlich berichtete, verzeichnete Check Point Research im März rund 21 Prozent weniger Angriffe in der Schweiz als im Vorjahr. Im europäischen Vergleich fällt der Rückgang stärker aus. Was beruhigend klingt, relativiert sich beim Blick auf das Volumen. Jede Organisation wurde im Schnitt 1118 Mal pro Woche attackiert. Das bleibt auf historischem Spitzenniveau.

Zweiter Haken: die Ransomware-Welle. Gegenüber Februar stiegen die Ransomware-Angriffe in der Schweiz wieder an. In Europa kletterte der Anteil an den weltweiten Attacken von 17 auf 24 Prozent. Die Bedrohungslage entspannt sich also nicht. Sie verschiebt sich.

Zahlen im Fokus –21 % Cyberangriffe auf die Schweiz im März 2026 gegenüber Vorjahr (Check Point). 1118 Attacken pro Organisation und Woche. 17 → 24 % Europa-Anteil an globalen Ransomware-Angriffen. 57 gemeldete Ransomware-Fälle im BACS-Halbjahresbericht 2025/2.

Der BACS-Halbjahresbericht: gezielter und komplexer

Das Bundesamt für Cybersicherheit BACS hat seinen Halbjahresbericht zum zweiten Halbjahr 2025 in einer aktuellen Publikation veröffentlicht. Die Kernaussage ist unmissverständlich: Die Bedrohungslage bleibt hoch, und die Angriffe werden gezielter. In sechs Monaten meldete das Amt 57 Ransomware-Vorfälle. Die Gruppe Akira sticht mit systematischer Ausnutzung von Schwachstellen in Firewalls des Herstellers SonicWall heraus. Wie das BACS in seinem Lagebericht beschreibt, personalisieren global agierende Täter ihre Phishing- und Betrugsversuche zunehmend mit generativer KI.

Neu sind dabei zwei Muster. Erstens: sogenannte SMS-Blaster, welche Mobilfunkantennen simulieren und die Filter der Telekomanbieter umgehen. Zweitens: geklonte Stimmen, die am Telefon Vorgesetzte oder Kunden imitieren. Für KMU mit schlanken Entscheidungswegen sind gerade diese Social-Engineering-Angriffe heikel.

Die strukturelle Lücke bei Mittelständlern

Hier verschärft sich die Lage. Die Netzwoche beschreibt in einer aktuellen Analyse, wie der wachsende Mangel an Chief Information Security Officers den Mittelstand zu neuen Modellen zwingt. Interne Security-Stellen sind teuer und rar. Gleichzeitig greift die Meldepflicht des Bundes für Cybervorfälle nur für Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden oder entsprechendem Umsatz. Kleine Firmen fallen durch das Raster. Das erzeugt trügerische Entlastung bei denen, die eigentlich besonders exponiert sind.

Auch die Fachplattform Inside IT hat kürzlich dokumentiert, wie digitalswitzerland mit einem neuen KMU-Handbuch versucht, diese Orientierungslücke zu schliessen. Das zeigt: Es fehlt weniger an Bewusstsein als an greifbaren Umsetzungspfaden.

Drei Hebel für die Geschäftsleitung

Wer in einem KMU von 20 bis 200 Mitarbeitenden führt, braucht keine Enterprise-Lösung. Drei Hebel bringen sofort Wirkung. Erstens: Cybersecurity zur Chefsache machen, nicht zur IT-Nebensache. Ein quartalsweises Risk-Update auf Stufe Geschäftsleitung reicht, um Prioritäten und Budget zu schärfen. Zweitens: externe Expertise prüfen. Eine weitere Analyse der Netzwoche zeigt, wie Managed-Detection-Response-Ansätze kleinen Firmen Zugriff auf Security-Operations-Teams geben, die sie intern nicht stemmen könnten. Drittens: Mitarbeitende gegen die neuen Muster trainieren. Generische Phishing-Mails hat Ihr Team im Griff. Voice-Phishing, KI-gefälschte CEO-Aufträge und SMS-Blaster dagegen nicht.

Cross-Link: Austausch im KMU Leaders Campus Die Frage, wie ein Mittelständler pragmatisch auf diese veränderte Lage reagiert, prägt auch die kommenden Campus Impulse in Zürich und Luzern. Unser Partner SWICO bringt über sein Fachgremium Information Security Best Practices und Referenten ein. Der Standortpartner HSLU in Luzern verweist auf sein CAS-Programm in Cybersecurity als Einstieg für Fach- und Führungspersonen. Wer die Verantwortung für digitale Sicherheit nicht komplett abgeben möchte, findet über diese Formate den Einstieg in ein Netzwerk, in dem genau diese Fragen unter Kollegen verhandelt werden.

Die gute Nachricht zum Schluss: Der BACS attestiert der Schweizer Wirtschaft eine robuste Cyberresilienz. Die schlechte: Resilienz hält nur so lange, wie die Abwehr mit der Qualität der Angriffe Schritt hält. Die aktuelle Kurve gibt dafür keinen Anlass zur Entspannung.

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