Cybersicherheit ist Chefsache: Was die neuen Zahlen für Ihre KMU-Führung bedeuten

Die Zahlen des Bundes sind deutlich: Ransomware-Angriffe auf Schweizer Unternehmen stiegen 2025 um fast 60 Prozent. Wer Cybersicherheit weiterhin als reines IT-Thema delegiert, unterschätzt ein Geschäftsrisiko mit existenzieller Wucht. Die wirksamsten Gegenmassnahmen sind organisatorisch und gehören auf den Tisch der Geschäftsleitung.

Die Bedrohungslage in Zahlen

Im zweiten Halbjahr 2025 wurden in der Schweiz 29’006 Cybervorfälle freiwillig gemeldet, dazu kamen 145 meldepflichtige Angriffe. Das geht aus dem aktuellen Halbjahresbericht des Bundesamts für Cybersicherheit hervor, den das KMU-Portal des Bundes zusammenfasst. Ransomware ist dabei die häufigste Bedrohung für Unternehmen.

Die Wucht zeigt sich im Vergleich. Fast 80 Ransomware-Fälle registrierte der Bund im zweiten Halbjahr 2025, gegenüber 47 im gleichen Zeitraum 2024. Das entspricht einem Anstieg von 59 Prozent. Die meisten Fälle gehen auf die Gruppe Akira zurück, die Firmendaten verschlüsselt und dann Lösegeld fordert.

Auch der Angriff auf interne E-Mail-Systeme nimmt zu. Bei dieser Methode lesen Kriminelle den Zahlungsverkehr mit und leiten Rechnungen auf eigene Konten um. Ein einzelner gemeldeter Fall führte zu einem Schaden von CHF 1,5 Millionen. Phishing bleibt mit 6’299 Meldungen ebenfalls auf hohem Niveau.

Warum das eine Führungs- und keine IT-Frage ist

Ein erfolgreicher Angriff trifft nicht die IT-Abteilung, sondern das Geschäftsmodell. Produktionsausfall, abgeflossene Kundendaten und beschädigtes Vertrauen sind Folgen, die niemand delegieren kann. Genau deshalb wird Cybersicherheit zur Aufgabe der obersten Führung.

Der monatliche Bedrohungsradar der Fachplattform SwissCybersecurity.net bringt es auf den Punkt. Andreas Steinmann, Sicherheitschef beim Industrieunternehmen V-Zug, warnt vor allem vor dem zunehmenden Tempo der Angriffe. Künstliche Intelligenz beschleunigt das Auffinden von Schwachstellen und macht Phishing-Nachrichten überzeugender.

Das eigentliche Risiko ist nicht nur die Verschlüsselung der Daten. Viele Gruppen drohen zusätzlich mit der Veröffentlichung gestohlener Informationen. Selbst wer den Betrieb rasch wieder aufnimmt, trägt die Folgen des Datenabflusses für Reputation und rechtliche Pflichten.

Die Meldepflichten, die viele unterschätzen

Wer in der Schweiz Personendaten bearbeitet, steht in der Pflicht. Das revidierte Datenschutzgesetz verlangt, Verletzungen der Datensicherheit mit hohem Risiko so rasch als möglich dem Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten zu melden. Diese Pflicht gilt unabhängig von der Unternehmensgrösse.

Strenger ist die Lage für Betreiber kritischer Infrastrukturen. Seit dem 1. April 2025 müssen sie Cyberangriffe innert 24 Stunden dem Bundesamt für Cybersicherheit melden. Seit dem 1. Oktober 2025 drohen bei Verstössen Bussen von bis zu CHF 100’000. Für die Führung heisst das: Sie sollten wissen, welche Meldepflichten für Ihr Unternehmen gelten, bevor der Ernstfall eintritt.

Drei Prioritäten für die Geschäftsleitung

Die gute Nachricht: Die wirksamsten Schritte sind bekannt und finanzierbar. Sicherheitschef Steinmann nennt drei Prioritäten, die in jede Geschäftsleitungssitzung gehören.

Erstens eine phishing-resistente Anmeldung. Verfahren wie Passkeys oder FIDO2 entwerten gestohlene Passwörter und schwache Zwei-Faktor-Methoden. Zweitens eine kleinere Angriffsfläche durch rasches Einspielen von Updates und das Schliessen offener Fernzugänge. Drittens Resilienz: getestete Backups und Notfallpläne, die regelmässig geübt und nicht nur abgelegt werden.

Beim dritten Punkt unterstützt der Bund direkt. Wie die IT-Fachpublikation Inside IT berichtet, hat das Bundesamt für Cybersicherheit im Mai 2026 ein Notfallkonzept speziell für KMU veröffentlicht. Es umfasst eine Vorlage für die Krisenorganisation, Notfallblätter und eine Checkliste für die Kommunikation im Ernstfall. Der Fokus liegt bewusst auf der organisatorischen Vorbereitung, nicht auf technischer Detailtiefe.

Vom Risiko zur Führungskompetenz

Cybersicherheit ist kein einmaliges Projekt, sondern eine Führungshaltung. Sie verlangt klare Verantwortlichkeiten, geübte Abläufe und den Mut, das Thema nicht zu verdrängen. Wer hier vorangeht, schützt nicht nur Daten, sondern die Handlungsfähigkeit des ganzen Unternehmens.

Genau solche Führungsfragen stehen im Zentrum der Seminartage des KMU Leaders Campus. Im Austausch mit anderen Führungspersonen lässt sich ein abstraktes Risiko in konkrete Entscheide übersetzen. Auch der Campus-Partner SWICO als Branchenverband der ICT-Wirtschaft liefert wertvolle Orientierung. Cybersicherheit wird so vom technischen Nebenschauplatz zu dem, was sie ist: eine Kernaufgabe der Unternehmensführung.

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