Bürokratieabbau für KMU: Warum die neue Regulierungsbremse jetzt Chefsache ist

In der Sommersession 2026 hat das Parlament eine KMU-Regulierungskostenbremse beschlossen. Der Bundesrat hat zusätzlich 60 Entlastungsmassnahmen aufgegleist. Doch ob KMU wirklich entlastet werden, hängt auch davon ab, wie ihre Führung das Thema jetzt anpackt.

Das Parlament macht Druck

Der Kampf gegen die Bürokratie hat 2026 an Fahrt gewonnen. In der Sommersession nahm das Parlament mehrere Vorstösse zur Entlastung von KMU an. Darunter eine Motion zur Einführung einer KMU-Regulierungskostenbremse, wie das Wirtschaftsportal Moneycab berichtet.

Die Idee dahinter ist einfach. Neue Regeln sollen die Wirtschaft nicht stärker belasten, ohne dass an anderer Stelle entlastet wird. Der Auftrag geht nun an den Bundesrat, der eine Vorlage ausarbeiten muss.

Der Gewerbeverband erhöht den Druck. Direktor Urs Furrer erwartet vom Bundesrat, «dass er jetzt den Auftrag des Parlaments zur Vorlage einer KMU-Regulierungsbremse erfüllt und auf unnötige neue Gesetze verzichtet». So hält es der Schweizerische Gewerbeverband in einer Mitteilung fest.

Warum die Belastung stetig wächst

Der Handlungsdruck kommt nicht von ungefähr. Umfang und Dynamik der Bundesregulierung haben über Jahrzehnte zugenommen. Erlasse sind umfangreicher und werden häufiger revidiert als früher, wie die Fachzeitschrift Die Volkswirtschaft darlegt.

Auch die Zahl der Pflichten für Unternehmen wächst laufend. Besonders stark betroffen sind KMU, weil ihnen für administrative Aufgaben die Ressourcen grosser Konzerne fehlen.

Ein neues Monitoring des Bundes bestätigt den Trend. Die gesetzlichen Pflichten für Schweizer Unternehmen haben zwischen 2005 und 2025 in fast allen Rechtsbereichen zugenommen. Im internationalen Vergleich steht die Schweiz dennoch gut da: Beim Sub-Indikator für regulatorische Rahmenbedingungen liegt sie auf Platz 4 von 69 Ländern.

Das Entlastungspaket des Bundesrats

Der Bundesrat hat den Handlungsbedarf erkannt. Im November 2025 beschloss er ein Paket von 60 Massnahmen aus verschiedenen Regulierungsbereichen. Dazu gehören Entlastungen bei der Mehrwertsteuer, der Verrechnungs- und der Stempelsteuer sowie bei Arbeitszeitbewilligungen und der Anmeldung von Kurzarbeit.

Die Grundlage bildet das Unternehmensentlastungsgesetz, das seit Oktober 2024 in Kraft ist. Es verpflichtet die Verwaltung, die Kosten neuer Regeln zu schätzen und Vereinfachungen zu prüfen. Zusätzlich bestimmt der Bundesrat jährlich drei bis fünf Bereiche, die gezielt auf Vereinfachungen untersucht werden.

Erste Ergebnisse dieser Bereichsstudien sollen bis Ende 2026 vorliegen. Geprüft werden unter anderem das öffentliche Beschaffungswesen, die Pharmaregulierung und Einsprachen bei Bauprojekten.

Was KMU heute schon nutzen können

Nicht jede Entlastung müssen KMU abwarten. Einige Erleichterungen sind bereits verfügbar. Über den Onlineschalter Easygov lassen sich viele Behördengänge digital erledigen, was administrative Zeit spart.

Auch bei der Mehrwertsteuer gibt es Spielraum. Kleinere Betriebe können neu jährlich statt vierteljährlich abrechnen. Das reduziert den wiederkehrenden Aufwand spürbar.

Ebenso lohnt es sich, die eigene Regulierungslast zu kennen. Wer weiss, welche Pflichten das eigene Geschäft besonders belasten, kann gezielt priorisieren und über die Verbände Einfluss nehmen.

Bürokratie ist eine Führungsfrage

Bürokratieabbau ist damit nicht nur ein politisches Projekt. Er ist auch eine Führungsaufgabe. Denn wie ein Betrieb mit administrativen Pflichten umgeht, entscheidet über Zeit, Kosten und Fokus der Belegschaft.

Führungspersonen sollten regulatorische Themen aktiv steuern, statt sie nur zu verwalten. Dazu gehört, Prozesse zu digitalisieren, Zuständigkeiten zu klären und die politische Debatte zu verfolgen.

Genau solche Führungsfragen stehen im Zentrum der Seminartage des KMU Leaders Campus. Im Austausch der Campus-Community sehen Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger, wie andere Betriebe mit ähnlichen Herausforderungen umgehen.

Klar ist: Die Entlastung kommt nicht über Nacht. Doch KMU, die das Thema aktiv angehen, verschaffen sich einen Vorsprung.

Informiert bleiben

Sie wollen Neuigkeiten aus dem KMU Leaders Campus direkt erhalten? Tragen Sie sich ein, und wir halten Sie über kommende Events und Updates auf dem Laufenden.