Boomer-Welle trifft KMU: Nachfolge wird zur strategischen Pflicht

Über 90 000 Schweizer KMU stehen in den kommenden fünf Jahren vor einer Nachfolgeregelung. Diese Woche eröffnete im Volkshaus Zürich erstmals das Schweizer M&A-Nachfolge-Forum, und die frische OBT-KMU-Studie 2026 ...

Die Lage hat eine Adresse

Am 7. Mai versammelten sich Käuferinnen, Verkäufer, Investoren, Beraterinnen und Politik im Volkshaus Zürich zur Premiere des Schweizer M&A-Nachfolge-Forums. Wie der Organisator in seinem Nachbericht festhält, war die Veranstaltung als zentraler Treffpunkt für Unternehmensnachfolge in der Schweiz aufgesetzt und im ersten Anlauf gut besetzt. Hinter der Bühne stehen der Schweizerische Dachverband für Unternehmensnachfolge CHDU und die Plattform DUB. Der Auftakt zeigt zwei Botschaften: Das Thema hat erstmals eine eigene nationale Bühne. Und der Druck ist hoch genug, um sie zu füllen.

99.7 Prozent der Wirtschaft im Übergang

Die strukturelle Lage hat die KMU-Forschung diese Woche erneut quantifiziert. Wie Moneycab berichtet, liegt die elfte Auflage der Schweizer KMU-Studie von OBT und der Universität St.Gallen seit Anfang Mai vor. Sie wertet die aktuellsten Zahlen des Bundesamts für Statistik aus dem Jahr 2023 aus. Drei Befunde sind für Sie als Führungsperson zentral: 99.7 Prozent aller marktwirtschaftlichen Unternehmen in der Schweiz sind KMU. 561 952 Mikrobetriebe mit weniger als zehn Mitarbeitenden bilden das Fundament. Der Dienstleistungssektor stellt 77.4 Prozent aller KMU.

Die Universität St.Gallen selbst formuliert die strategische Konsequenz der Studie deutlich: Genau die kleinste Schicht ist Rückgrat des Standorts und gleichzeitig sein grösster Risikofaktor. Fragmentierung macht resilient, aber sie macht auch verletzlich, sobald viele dieser kleinen Einheiten zur gleichen Zeit den Inhaber wechseln müssen.

Wo der Engpass entsteht

42 Prozent der Schweizer Unternehmerinnen und Unternehmer bezeichnen die Suche nach einer geeigneten Nachfolgeperson als grösste Hürde. Ein Nachfolgeprozess dauert in der Regel rund fünf Jahre. Wer 2026 noch keinen Plan hat, plant faktisch für 2031. Bei einer Inhaberin Jahrgang 1962 läuft das Fenster bereits.

Für die Schweizer Volkswirtschaft sind die Grössenordnungen erheblich. Wie die Pressemitteilung der OBT in den Finanznachrichten festhält, sieht der CHDU für die kommenden fünf Jahre rund 100 000 Schweizer KMU mit konkretem Handlungsbedarf. Das ist jedes fünfte bis sechste Unternehmen.

Drei Wege, eine Pflicht

Die Praxis kennt drei Hauptformen der Übergabe. Die familieninterne Lösung (Family Buy-Out) macht in den aktuellen Erhebungen rund 41 Prozent aus. Der externe Verkauf an Investoren oder strategische Käufer (Management Buy-In) erreicht 40 Prozent. Die interne Übergabe an die bestehende Geschäftsleitung (Management Buy-Out) liegt bei 19 Prozent. Die Verschiebung zu Co-Leitungs-Modellen ist ein neuer Trend: Die nachfolgende Generation will öfter zu zweit oder zu dritt führen, statt das klassische Patron-Modell zu kopieren.

Welcher Weg passt, hängt von drei Variablen ab: Familienkonstellation, Reife des Managements, und Marktwert des Unternehmens. Alle drei verlangen eine ehrliche Standortbestimmung, die Sie nicht an Ihren Treuhänder delegieren sollten.

Fünf Punkte, die Sie diese Woche angehen können

Erstens: Klarheit über das eigene Zeitfenster. Tragen Sie das Datum, an dem Sie das Unternehmen verlassen wollen, in Ihren Kalender ein. Rückwärts gerechnet brauchen Sie fünf Jahre Vorlauf.

Zweitens: Ehrliche Bewertung. Eine indikative Unternehmensbewertung kostet wenig und schafft die Faktenbasis. Erwartungen und Marktwert klaffen oft weit auseinander.

Drittens: Governance vor Personen. Klären Sie Eigentümerstruktur, Statuten und Aktionärbindungsverträge, bevor Sie Nachfolgekandidaten ansprechen.

Viertens: Talente sichten. Eine starke zweite Reihe ist die wertvollste Vorbereitung auf jeden der drei Wege, auch wenn Sie extern verkaufen.

Fünftens: Den Dialog öffnen. Kommunikation mit Familie, Geschäftsleitung und Schlüsselpartnern ist der Faktor, an dem die meisten Übergaben scheitern. Nicht am Preis.

Was das für KLC-Teilnehmende heisst

Der KMU Leaders Campus adressiert genau diese Schicht zwischen operativem Tagesgeschäft und Eigentümerverantwortung. An den Standorten Zürich, Bern, Luzern und im Arc jurassien stehen Hochschul- und Wirtschaftspartner bereit. Dazu gehören die HWZ, die HSLU, Swiss Leaders und PostFinance. Sie spiegeln Fragen zu Bewertung, Finanzierung, Führungswechsel und Übergabe-Kultur fundiert. Wer in den nächsten Monaten an einem Campus-Tag teilnimmt, kann das Thema Nachfolge bewusst auf die Agenda heben. Die Premiere des Forums in Zürich liefert den Anlass. Die OBT-Studie liefert die Zahlen. Die Entscheidung trifft jede Inhaberin und jeder Inhaber selbst, und zwar besser jetzt als 2028.

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Stand: 09.05.2026 · KLC-Redaktion

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