Das KOF-Konjunkturbarometer kratzt im Mai an der 100er-Marke, ohne sie zu nehmen. Gleichzeitig planen 46 Prozent der Schweizer Finanzchefs, mittelfristig Lohnkosten durch KI zu senken. Zwei Signale, eine Konsequenz für KMU-Führungspersonen.
Die Schweizer Wirtschaft ist im ersten Quartal 2026 um 0,4 Prozent gewachsen. Getragen hat das Plus fast allein die Exportindustrie, während Detailhandel, Gastgewerbe und Konsum stagnierten. Für die grosse Mehrheit der KMU beschreibt die gute Schlagzeile nicht den eigenen Markt.
Das Staatssekretariat für Wirtschaft meldete Anfang Juni ein BIP-Plus von 0,4 Prozent fürs erste Quartal, sportevent-bereinigt. Wie das SECO festhält, stützte die Industrie dieses Wachstum fast im Alleingang. Ihre Wertschöpfung legte um 1,3 Prozent zu, das verarbeitende Gewerbe sogar um 1,5 Prozent. Der Dienstleistungssektor kam dagegen nur auf 0,2 Prozent. Eine einzige Quartalszahl beschreibt damit zwei sehr unterschiedliche Wirtschaften.
Die Schwäche liegt genau dort, wo die meisten KMU arbeiten. Der Handel schloss mit minus 0,8 Prozent, der Detailhandel mit minus 1,3 Prozent. Das Gastgewerbe gab um 0,6 Prozent nach, die privaten Konsumausgaben verharrten bei null. Wie die Mitteilung des SECO zeigt, wuchs die inländische Endnachfrage nur dank höherem Staatskonsum um 0,1 Prozent.
Auch der Start ins zweite Quartal blieb verhalten. Der Detailhandel legte im April laut Bundesamt für Statistik nur um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Getrieben wurde das Plus vor allem von teureren Tankstellenumsätzen, nicht von echter Mehrnachfrage.
Q1 2026 in Zahlen
BIP (sportevent-bereinigt): +0,4 % (Vorquartal +0,2 %)
Industrie: +1,3 %, verarbeitendes Gewerbe +1,5 %
Dienstleistungen: +0,2 %
Detailhandel: −1,3 %, Gastgewerbe −0,6 %
Private Konsumausgaben: ±0,0 %
Rund drei Viertel der Schweizer KMU sind Dienstleister, viele davon stark binnenorientiert. Für sie ist die nationale Wachstumszahl kein Spiegel des eigenen Geschäfts. Wer den Markt an der BIP-Schlagzeile misst, plant am eigenen Umfeld vorbei. Entscheidend ist nicht das Aggregat, sondern eine Frage: Hängt mein Umsatz an Export, an Investitionen oder am inländischen Konsum?
Erstens Preis vor Menge. Wenn die Nachfrage stagniert, entsteht Ertrag aus Marge und sauberer Preissetzung, nicht aus Volumen. Zweitens Kundenbindung. Bestehende Kundschaft zu halten ist im flauen Markt günstiger als neue zu gewinnen. Drittens Produktivität. Wer Prozesse strafft und Digitalisierung gezielt einsetzt, schützt die Marge auch ohne Rückenwind.
Auf der Finanzierungsseite lohnt der frühe Blick auf Liquidität und Working Capital. Genau diese Fragen adressiert mit PostFinance einer der nationalen Partner des KMU Leaders Campus regelmässig in seinen Inhalten für Unternehmen.
Die Industrie zeigt, dass Wettbewerbsfähigkeit und Exportstärke auch im schwierigen Umfeld tragen. Der Binnenmarkt zeigt, dass die Konsumzurückhaltung anhält. Beides gehört auf die Agenda der Geschäftsleitung, nüchtern und getrennt bewertet. Aus einer Quartalszahl wird so eine Entscheidungsgrundlage statt einer Stimmung.
Vertiefung im KMU Leaders Campus Zahlen lesen und in Führungsentscheide übersetzen steht im Zentrum der Campus Impulse und Seminartage. Im Austausch mit anderen Führungspersonen, etwa über Partner wie Swiss Leaders sowie die Hochschulen HWZ und HSLU, wird aus Konjunkturdaten konkrete Führungsarbeit.
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