Die Lehre wird zur Chefsache: Wie KMU ihren Nachwuchs sichern

Der Lehrstellenmarkt ist stabil, das Interesse der Jugendlichen hoch. Trotzdem finden viele Betriebe zu wenige passende Bewerber. Wer den Fachkräftemangel bekämpfen will, macht die Berufslehre zur strategischen Führungsaufgabe.

Ein stabiler Markt, aber ein härterer Wettbewerb

Die Ausgangslage ist besser als ihr Ruf. Die Berufslehre bleibt der mit Abstand beliebteste Bildungsweg nach der obligatorischen Schule. 63 Prozent der rund 98’000 Jugendlichen vor der Ausbildungswahl ziehen eine berufliche Grundbildung in Betracht, wie das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation im Nahtstellenbarometer 2026 festhält.

Auch das Angebot ist solide. Schweizer Unternehmen bieten dieses Jahr rund 74’000 Lehrstellen an, im Frühling waren bereits 68 Prozent davon vergeben. Drei Viertel der Betriebe bilden gleich viele Lernende aus wie im Vorjahr, bestätigt der Schweizerische Arbeitgeberverband.

Der Engpass liegt also nicht beim Interesse, sondern beim Zusammenspiel. Viele Betriebe finden schlicht zu wenige geeignete Bewerber. Der Wettbewerb um die richtigen jungen Menschen wird härter, während der Markt insgesamt stabil bleibt.

Was die Zahlen für Ihre Personalplanung bedeuten

Der Fachkräftemangel bleibt die zentrale Sorge im Mittelstand. 41 Prozent der KMU nennen ihn als eine ihrer grössten Herausforderungen, wie SRF mit Blick auf die neue KMU-Arbeitsmarktstudie von Axa und Sotomo berichtet. Im produzierenden Gewerbe stieg der Anteil der Betriebe mit Rekrutierungsproblemen seit 2022 von 45 auf 65 Prozent.

Gleichzeitig verschiebt sich die Bewertung der Bildungswege. 63 Prozent der befragten Unternehmen würden Schulabgängern heute eher zu einer Lehre raten als zu einem Studium. Ein Drittel rechnet in den kommenden fünf Jahren mit weniger Bedarf an Hochschulabsolventen, nur 15 Prozent mit mehr.

Für Ihre Planung heisst das zweierlei. Der eigene Lehrbetrieb wird zum wichtigsten Kanal für qualifizierten Nachwuchs. Und die Entscheidung fällt früh, oft schon beim Schnuppern.

Nicht Fachwissen zählt, sondern Haltung

Bemerkenswert ist, worauf Lehrbetriebe bei Lernenden achten. Nicht fertige Berufskompetenzen stehen im Vordergrund, sondern Motivation, Lernwille und Sozialkompetenz. Das zeigt das Nahtstellenbarometer deutlich.

Konkret nennen die Betriebe Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit und die Fähigkeit, Feedback anzunehmen. Wer diese Haltung mitbringt, ist gefragt, auch ohne perfektes Schulzeugnis. Für Sie als Betrieb bedeutet das: Ihr Auswahlprozess sollte Persönlichkeit sichtbar machen, nicht nur Noten filtern.

Ein Angebot verschafft zusätzlichen Vorsprung. 27 Prozent der künftigen Lernenden wollen parallel die Berufsmaturität absolvieren, doch nur gut die Hälfte der Lehrbetriebe ermöglicht das. Wer diese Perspektive bietet, gewinnt die ambitionierten Kandidaten.

Die Aufwertung der Berufsbildung als Rückenwind

Der Bund verstärkt den Trend politisch. Ab dem 1. Oktober 2026 treten die Massnahmen zur Stärkung der höheren Berufsbildung in Kraft, das hat der Bundesrat Ende Juni beschlossen. Absolventen dürfen künftig die Titelzusätze «Professional Bachelor» und «Professional Master» führen.

Das ist mehr als Kosmetik. Die Reform positioniert die höhere Berufsbildung klarer neben dem Hochschulweg und macht sie im Ausland lesbar. Der Bundesrat nennt ausdrücklich die Fachkräftesicherung für kleine und mittlere Unternehmen als Ziel.

Wer heute ausbildet, verkauft jungen Talenten also nicht mehr nur eine Lehre. Er verkauft eine durchlässige Laufbahn bis zum eidgenössischen Diplom mit international verständlichem Titel.

Was Sie als Führungsperson jetzt tun sollten

Erstens, behandeln Sie die Lehrlingssuche wie eine Kundenakquise. Motivierte Jugendliche finden Sie nicht per Inserat allein, sondern über Schnupperangebote, Schulkontakte und einen sichtbaren Auftritt.

Zweitens, öffnen Sie den Weg nach oben. Bieten Sie Berufsmaturität und Weiterbildung aktiv an und zeigen Sie die Laufbahn bis zum Professional Bachelor auf.

Drittens, machen Sie die Ausbildung zur Chefsache statt zur Nebenaufgabe. Der Nachwuchs von heute ist Ihre Fach- und Führungskraft in fünf Jahren. Genau diese Verbindung von operativer Führung und langfristiger Talentstrategie steht im Zentrum der Seminartage des KMU Leaders Campus.

Nutzen Sie den Austausch mit anderen Führungspersonen, um Ihre Nachwuchsstrategie zu schärfen. Im Community Layer zwischen den Events teilen KMU-Verantwortliche, was in der Praxis funktioniert. Der nächste Seminartag bietet den Rahmen, diese Fragen strukturiert anzugehen.

Drei Zahlen zum Merken: 63 Prozent der Jugendlichen wollen in die Lehre, 74’000 Lehrstellen stehen offen, davon 68 Prozent bereits vergeben. Das Interesse ist da. Entscheidend ist, ob Ihr Betrieb die passenden Talente für sich gewinnt.

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