Heute startet die Woche der Berufsbildung 2026. Schweizer KMU bilden rund 70 Prozent aller Lernenden im dualen System aus, und der frische Bildungsbericht zeigt erste Warnsignale. Wer jetzt nicht handelt, riskiert eine ...
Bis Ende März 2026 wurden in der Schweiz rund 42’000 Lehrverträge abgeschlossen, etwas mehr als ein Jahr zuvor. Diese Zahl kommt aus dem Lehrstellenbarometer des SBFI und liest sich zunächst beruhigend. Wer jedoch hinter die Stabilität blickt, erkennt Verschiebungen, die vor allem KMU treffen. Der neue Bildungsbericht beschreibt rückläufige Abschlussquoten auf der Sekundarstufe II und eine sinkende Zahl an Ausbildungsbetrieben.
Wie der Schweizerische Arbeitgeberverband zum Bericht festhält, werden in den nächsten Jahren rund 16 Prozent mehr Lernende erwartet, vor allem in ICT, Gesundheit und Sozialberufen. Mehr Lernende heisst aber nicht automatisch mehr Lehrbetriebe. Das Gewerkschaftsorgan Syna weist auf die ungebrochenen Warnsignale hin: stagnierende Abschlussquoten, weniger Ausbildungsplätze, eingeschränkte Durchlässigkeit nach oben.
Die wichtigsten Zahlen für Geschäftsleitungen 70 % aller Lernenden werden in KMU ausgebildet. 42’000 Lehrverträge sind per Ende März 2026 unterzeichnet. Bis 2033 erwartet das BFS plus 16 % Lernende. Die Abschlussquote auf Sek II liegt bei 90,1 % und damit unter dem politischen Ziel von 95 %.
Jeder Lehrabbruch kostet eine KMU-Geschäftsleitung Zeit, Ausbildungsbudget und Glaubwürdigkeit gegenüber Berufsschule und Eltern. Der SBFI-Bildungsbericht zeigt, dass 94 Prozent der Lernenden das Qualifikationsverfahren im ersten Anlauf bestehen. Die offene Flanke sind die Vertragsauflösungen vor dem Verfahren. Die Massnahmen sind selten teuer, aber sie verlangen Führungsaufmerksamkeit. Strukturierter Berufsbildner-Dialog, klare Lernzielvereinbarungen und eine kurze Eskalationsroute zu Eltern und Schule wirken nachweislich.
Wer die Berufsbildner-Rolle als Karriereschritt definiert und nicht als Zusatzaufgabe, behält Lernende auch durch schwierige Phasen. Diese Logik gehört nicht in das HR-Handbuch, sondern auf die Geschäftsleitungs-Agenda.
Vom 4. bis 8. Mai 2026 läuft die nationale Woche der Berufsbildung, getragen von 23 Kantonen, rund 40 Regionalradios und der Initiative «Open Doors». Für KMU ist das die wirksamste Bühne des Jahres, um sich als Lehrbetrieb zu zeigen. Die Eintrittsschwelle ist tief: ein Posting mit einer Lernenden-Stimme, eine offene Stunde im Betrieb, eine kurze LinkedIn-Sequenz mit dem Berufsbildner.
Wichtiger als das einzelne Format ist das Signal an die Berufswahl-Jahrgänge und ihre Eltern: Bei uns kann man etwas lernen, das später trägt. Wer diese Woche sichtbar wird, profitiert auch in den Folgemonaten, weil Algorithmen und Schulnetzwerke kurzfristige Aktivität belohnen.
Die KMU-Lehre endet nicht mit dem EFZ. Wer Lernende halten will, muss ihnen einen Weg nach oben zeigen. Die HSLU und die HWZ sind für KLC-Standorte natürliche Brückenpartner zwischen EFZ, Berufsprüfung, höherer Fachschule und FH-Bachelor. Die KLC-Partnerschaften mit beiden Hochschulen erlauben Mitgliedern, Bildungspfade konkret zu planen, Mitarbeitende parallel zu ihrem Job zu entwickeln und so eine echte Talentpipeline aufzubauen.
Das ist auch die Position, die der Schweizerische Arbeitgeberverband prominent fährt: Eine starke höhere Berufsbildung ist die zentrale Antwort auf den absehbaren Fachkräfteengpass. Für den Mittelstand bedeutet das, in den nächsten zwölf Monaten verbindliche Weiterbildungs-Roadmaps für jeden Lernenden mit Potenzial einzuführen.
Erstens: Bestimmen Sie persönlich eine Person in der Geschäftsleitung als Sponsor:in der Berufsbildung. Zweitens: Aktivieren Sie diese Woche mindestens einen sichtbaren Touchpoint im Rahmen der Berufsbildungswoche, intern wie extern. Drittens: Setzen Sie für jede Lernende ein verbindliches Entwicklungsgespräch im Mai an, mit explizitem Pfad in die höhere Berufsbildung.
Schweizer KMU sind das Rückgrat des dualen Systems. Wenn Sie diese Woche bewusst gestalten, wird daraus ein Wettbewerbsvorteil, der bis 2030 trägt.
Quellen
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