Lehre statt Studium, Eigenverantwortung statt Kontrolle: Was die AXA-Studie 2026 für Ihre Führungsagenda bedeutet

Die neue KMU-Arbeitsmarktstudie von AXA Schweiz zeigt: 86 Prozent der Betriebe glauben trotz Kostendruck und Fachkräftemangel an ihre Zukunft. Für Ihre Führungsagenda ergeben sich daraus drei konkrete Handlungsfelder rund um Rekrutierung, psychische Gesundheit und den Einsatz von KI.

Der Befund in Kürze

Für die KMU-Arbeitsmarktstudie 2026 befragte das Forschungsinstitut Sotomo im Auftrag von AXA Schweiz zwischen dem 11. und 18. März 336 Betriebe aus der Deutsch- und Westschweiz. Wie SRF berichtet, sind 86 Prozent der Unternehmen zuversichtlich, dass ihr Betrieb auch in zehn Jahren noch besteht. Gleichzeitig beurteilen 43 Prozent die wirtschaftliche Lage in ihrer Branche als unsicher. Grösster Belastungsfaktor sind laut Organisator mit 65 Prozent die steigenden Kosten, deutlich vor Konkurrenzdruck und sinkender Kundenloyalität.

Der Arbeitskräftemangel bleibt für 41 Prozent der Betriebe eine der grössten Herausforderungen. In der Produktion sind die Rekrutierungsprobleme seit 2022 von 45 auf 65 Prozent gestiegen.

Rekrutierung: Die Lehre gewinnt, der Titel verliert

Die Studie zeigt eine klare Verschiebung in der Ausbildungspräferenz. 63 Prozent der KMU würden Schulabgängerinnen und Schulabgängern heute eher eine Berufslehre empfehlen als ein Studium. Im produzierenden Gewerbe sind es 70 Prozent. Ein Drittel der Betriebe plant, in den nächsten fünf Jahren weniger Akademikerinnen und Akademiker einzustellen, nur 15 Prozent wollen mehr.

Für zwei Drittel der Unternehmen ist ein Hochschulabschluss keine wichtige Voraussetzung mehr für eine Führungsposition. In der Produktion sagen das sogar 79 Prozent. Das deckt sich mit dem Befund aus dem KLC-Beitrag zum Zürcher ICT-Lehrabschluss: Praktische Berufserfahrung gewinnt gegenüber akademischen Titeln an Gewicht, auch auf der Führungsebene. Für Ihre Anforderungsprofile heisst das: Prüfen Sie, ob ein Studienabschluss in Stellenausschreibungen für Führungsrollen wirklich Pflicht sein muss.

Psychische Gesundheit wird zur Chefsache

Fehlzeiten werden für KMU spürbar teurer. 42 Prozent der Betriebe berichten von steigenden Kosten durch Personalausfälle in den letzten fünf Jahren. Bei grösseren KMU sind es 62 Prozent. Mehr als ein Drittel der Unternehmen ist mittelmässig oder stark von psychisch bedingten Ausfällen betroffen, ein Anstieg von zehn Prozentpunkten seit 2023.

Bemerkenswert ist der Zusammenhang mit dem Führungsstil. Betriebe mit einer Kultur der Eigenverantwortung melden solche Ausfälle deutlich seltener, 27 Prozent gegenüber 43 Prozent bei Unternehmen ohne dieses Leitprinzip. Der KLC-Beitrag zum Burnout-Risiko in der Chefetage beschreibt dieselbe Dynamik von der anderen Seite: Wer als Führungsperson nicht vorlebt, was Eigenverantwortung bedeutet, überträgt den Druck auf das ganze Team. Zwei Drittel der KMU sehen mentale Gesundheit zwar als Führungsaufgabe, ein Viertel ergreift aber noch keine konkreten Massnahmen dagegen.

KI ist angekommen, aber sie ersetzt niemanden

Künstliche Intelligenz ist für Schweizer KMU kein Zukunftsthema mehr. 74 Prozent der Betriebe nutzen oder erproben KI bewusst, am häufigsten für Übersetzungen, Korrespondenz und Werbetexte. Am stärksten gewachsen sind anspruchsvollere Anwendungen wie Prozessoptimierung und Datenanalyse. Nur 12 Prozent der KI-nutzenden Betriebe rechnen damit, dadurch Personal abzubauen. Für die grosse Mehrheit bleibt KI ein Effizienzwerkzeug, keine Kraft, die Geschäftsmodelle grundlegend umkrempelt.

Was das für Ihre Führungsagenda bedeutet

Drei Handlungsfelder lassen sich aus der Studie direkt ableiten. Erstens: Überprüfen Sie Ihre Anforderungsprofile für Führungspositionen, ein Hochschulabschluss ist für die meisten Schweizer KMU längst keine Voraussetzung mehr. Zweitens: Machen Sie psychische Gesundheit zur strukturellen Führungsaufgabe, nicht zum Einzelfall-Thema, eine Kultur der Eigenverantwortung wirkt nachweislich präventiv. Drittens: Setzen Sie KI dort ein, wo sie heute schon nützt, bei Prozessen und Daten, statt auf die grosse Disruption zu warten. Der Austausch mit anderen Führungspersonen im KLC-Netzwerk hilft dabei, diese Anpassungen nicht im Alleingang vorzunehmen.

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