10-Millionen-Schweiz: Was die Abstimmung vom 14. Juni für Ihre Fachkräfte bedeutet

Am 14. Juni stimmt die Schweiz über die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» ab. Für KMU-Führungspersonen ist das keine abstrakte Verfassungsfrage, sondern eine Frage der Personalplanung. Wer die m...

Was am 14. Juni auf dem Stimmzettel steht

Die Volksinitiative der SVP verlangt einen neuen Verfassungsartikel zur Bevölkerungsentwicklung. Die ständige Wohnbevölkerung soll vor 2050 unter zehn Millionen Menschen bleiben. Wie SRF zusammenfasst, müssten Bundesrat und Parlament bereits bei 9,5 Millionen Personen Massnahmen ergreifen, vor allem im Asylbereich und beim Familiennachzug.

Reicht das nicht, folgt die eigentliche Notbremse. Die Schweiz müsste internationale Abkommen neu aushandeln und, bei Überschreiten der Grenze, nach zwei Jahren das Personenfreizügigkeitsabkommen mit der EU kündigen. Damit fielen auch die übrigen Verträge der Bilateralen I weg. Bundesrat und Parlament lehnen die Initiative ab, der Nationalrat mit 123 zu 67 Stimmen, der Ständerat mit 30 zu 9.

Warum das eine Personalfrage ist

Zuwanderung folgt dem Arbeitsmarkt. Läuft die Wirtschaft gut, finden Unternehmen nicht genügend Personal im Inland und rekrutieren fehlende Fachkräfte häufig im EU-Raum. So steht es in den Abstimmungserläuterungen des Bundesrates: Ende 2025 lebten rund 9,1 Millionen Menschen in der Schweiz, seit Einführung der Personenfreizügigkeit 2002 ein Plus von rund 1,7 Millionen, hauptsächlich durch Zuwanderung.

Für viele KMU ist die Personenfreizügigkeit der praktische Weg, offene Spezialistenstellen zu besetzen. An einer Podiumsdebatte der Zürcher Handelskammer Mitte Mai warnten Bundesrat Beat Jans und Kammerdirektor Raphaël Tschanz, ein starrer Bevölkerungsdeckel verschärfe den Fachkräftemangel und erschwere den Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften. Das Initiativkomitee hält dagegen, die Schweiz solle stärker auf das inländische Arbeitskräftepotenzial setzen. So oder so: Die Bedingungen für Ihre Rekrutierung könnten sich verschieben.

Die Argumente beider Lager

Die Befürworter sehen im Bevölkerungswachstum die Ursache für knappen Wohnraum, volle Züge, Stau und Druck auf die Infrastruktur. Sie verweisen zudem auf Sorgen bei Sicherheit und Sozialwerken.

Die Gegner warnen, die Kündigung der Personenfreizügigkeit setze das gesamte Paket der Bilateralen I aufs Spiel. Ein fixer Deckel treffe ausgerechnet Branchen mit bereits heute knappem Personal, etwa das Gesundheitswesen. Ein Bruch mit Europa bedeute zudem mehr Grenzkontrollen und zusätzliche Bürokratie für Grenzgängerinnen, Pendler und Transportunternehmen.

Drei Hebel, unabhängig vom Ausgang

Die erste SRG-Umfrage zeigt ein Patt: 47 Prozent dafür, 47 Prozent dagegen, sechs Prozent unentschlossen. Der Ausgang ist offen, und genau deshalb lohnt es sich, jetzt nicht abzuwarten.

Erstens, spielen Sie Ihre Rekrutierungs-Szenarien durch. Welche Stellen besetzen Sie heute über den EU-Raum? Was wäre Ihr Plan B bei längeren Verfahren oder neuen Kontingenten? Eine kurze Auslegeordnung schafft Klarheit, bevor der Druck da ist.

Zweitens, stärken Sie Bindung und interne Entwicklung. Wer Mitarbeitende hält und selbst ausbildet, wird unabhängiger vom externen Markt. Lehrstellen, gezielte Weiterbildung und eine frühe Nachfolgeplanung liegen vollständig in Ihrer Hand.

Drittens, informieren Sie sich an der Quelle. Der Abstimmungskampf gilt als einer der umstrittensten der Legislatur. Laut 20 Minuten budgetiert das Gegnerlager rund 3,4 Millionen Franken, das Befürworterlager weist bislang eine halbe Million aus. Als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber sind Sie direkt betroffen: Die Vorlage entscheidet nicht über eine Tagesfrage, sondern über die Rahmenbedingungen Ihrer Personalstrategie für die kommenden Jahre.

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