Zwei Signale aus Mai 2026: Konjunktur dümpelt, CFOs ziehen den KI-Lohnhebel

Das KOF-Konjunkturbarometer kratzt im Mai an der 100er-Marke, ohne sie zu nehmen. Gleichzeitig planen 46 Prozent der Schweizer Finanzchefs, mittelfristig Lohnkosten durch KI zu senken. Zwei Signale, eine Konsequenz für KMU-Führungspersonen.

Am Sonntag entscheidet die Schweiz über die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz». Die jüngste Umfrage zeigt einen Nein-Trend, doch das Rennen bleibt offen. Für KMU-Führungspersonen geht es dabei um handfeste Fragen: Rekrutierung, Personalplanung und der bilaterale Weg.

Drei Tage trennen die Schweiz vom Urnengang. Am 14. Juni stimmt das Land über die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» ab, die sogenannte Nachhaltigkeitsinitiative. Für Führungspersonen in KMU ist die Vorlage keine abstrakte Verfassungsfrage. Sie berührt den Zugang zu Fachkräften, den administrativen Aufwand bei Bewilligungen und die Stabilität des bilateralen Wegs mit der EU. Wer ein Unternehmen führt, plant über den Abstimmungssonntag hinaus. Eine nüchterne Auslegeordnung hilft dabei.

Was die Initiative verlangt

Ende 2025 lebten rund 9,1 Millionen Menschen in der Schweiz. Seit der Einführung der Personenfreizügigkeit im Jahr 2002 ist die Bevölkerung um rund 1,7 Millionen Personen gewachsen, hauptsächlich durch Zuwanderung. Das halten die offiziellen Erläuterungen des Bundesrates zur Abstimmung fest. Die Initiative verlangt, dass die ständige Wohnbevölkerung vor 2050 unter zehn Millionen bleibt. Überschreitet sie 9,5 Millionen, müssten Bundesrat und Parlament Massnahmen ergreifen, insbesondere im Asylbereich und beim Familiennachzug.

Reichen diese Schritte nicht, sieht der Initiativtext eine Eskalationslogik vor. Internationale Abkommen, die zum Bevölkerungswachstum beitragen, müssten neu verhandelt und bei Überschreiten der Zehn-Millionen-Grenze gekündigt werden. Nach zwei Jahren träfe das auch das Personenfreizügigkeitsabkommen mit der EU. Damit fielen die übrigen Verträge der Bilateralen I weg. Genau hier liegt für exportorientierte und rekrutierungsintensive KMU der wirtschaftlich relevanteste Hebel der Vorlage.

Die Umfragelage: Nein-Trend, aber offenes Rennen

Wie SRF Anfang Juni berichtet, lehnen gemäss der zweiten SRG-Umfrage 52 Prozent der Stimmberechtigten die Initiative ab, 45 Prozent sind dafür, 3 Prozent unentschieden. Das Forschungsinstitut GFS Bern befragte dafür Ende Mai über 19 000 Stimmberechtigte, der Fehlerbereich liegt bei plus/minus 2,8 Prozentpunkten. Aus dem Patt der ersten Welle ist damit ein Nein-Trend geworden. Das politische Zentrum hat sich verschoben: 64 Prozent der Mitte-Sympathisierenden und 55 Prozent der FDP-Nahen lehnen die Vorlage ab.

Inhaltlich hat die Nein-Seite die Themenführerschaft errungen, sagt Politikwissenschaftler Lukas Golder von GFS Bern. Entschieden ist aber nichts. Bemerkenswert: 55 Prozent der Befragten rechnen trotz Nein-Trend mit einer Annahme. Am Ende dürfte die Mobilisierung der beiden Lager den Ausschlag geben. Für die Unternehmensplanung heisst das: Beide Szenarien bleiben realistisch.

Die Argumente beider Seiten

Das Initiativkomitee hält die Zuwanderung für massiv zu hoch. Es verweist auf Wohnungsnot, steigende Mieten, Zersiedelung, Stau sowie Druck auf Gesundheitswesen und Bildungsqualität. In der Umfrage verfängt vor allem das Argument der überlasteten Infrastruktur bei Wohnen, Verkehr, Schulen und Spitälern. Bundesrat und Parlament empfehlen ein Nein. Sie warnen vor Unsicherheit, Schaden für Wirtschaft und Wohlstand sowie der Gefährdung des bilateralen Wegs. Auf der Nein-Seite wirken der Fachkräftebedarf und die Bedeutung der Bilateralen als stärkste Argumente. Beide Lager argumentieren also mit dem Alltag, nur mit unterschiedlichen Ausschnitten davon.

Das Arbeitsmarkt-Paradox

Eine aktuelle Analyse der Neuen Zürcher Zeitung zeigt die Gleichzeitigkeit zweier Entwicklungen. 2025 sind netto rund 74 000 Menschen zugewandert. Gleichzeitig stieg die Erwerbslosenquote von 4,4 Prozent Ende 2024 auf zuletzt 5,2 Prozent, das sind rund 31 000 zusätzliche Erwerbslose. Zuwanderung und Arbeitsmarkt hängen eng zusammen: Floriert die Wirtschaft, rekrutieren Unternehmen und öffentliche Einrichtungen fehlende Fachkräfte häufig im EU-Raum. Kühlt die Konjunktur ab, sinkt der Sog. Für die Führung bedeutet das: Die Verfügbarkeit von Fachkräften bleibt konjunktur- und demografieabhängig, unabhängig vom Abstimmungsresultat.

Die Abstimmung in Zahlen
52 Prozent Nein, 45 Prozent Ja: Stand der zweiten SRG-Umfrage (GFS Bern, Ende Mai)
9,1 Millionen Menschen lebten Ende 2025 in der Schweiz
9,5 Millionen: Schwelle, ab der erste Massnahmen greifen müssten
74 000 Personen Netto-Zuwanderung im Jahr 2025
14. Juni 2026: Abstimmungstermin

Drei Hausaufgaben für die Führung, egal wie es ausgeht

Erstens: Transparenz schaffen. Verschaffen Sie sich ein Bild, wie stark Ihr Unternehmen von ausländischen Fachkräften abhängt. Welche Schlüsselfunktionen sind mit EU- oder EFTA-Bewilligungen besetzt? Über welche Kanäle rekrutieren Sie heute? Diese Inventur kostet wenig und schafft Entscheidungsgrundlagen.

Zweitens: Szenarien definieren statt spekulieren. Bei einem Ja greifen Massnahmen erst ab der Schwelle von 9,5 Millionen, die Eskalation folgt einer mehrstufigen Logik. Es bleibt also Zeit für eine geordnete Vorbereitung. Durchdenken Sie, was ein restriktiveres Bewilligungsregime für Ihre Administration, Ihre Lohnkosten und allfällige Standortfragen bedeuten würde. Bei einem Nein bleibt der Status quo, nicht aber der demografische Druck.

Drittens: Die eigene Talentbasis stärken. Ausbildung, Mitarbeiterbindung, Produktivität und Automatisierung wirken in jedem Szenario. Die Pensionierungswelle der Babyboomer trifft den Arbeitsmarkt unabhängig vom Resultat vom Sonntag. Wer heute in Lernende, interne Entwicklung und effiziente Prozesse investiert, reduziert die Abhängigkeit von einem engen Rekrutierungsmarkt.

Weiterführend im KMU Leaders Campus Wie gehen andere Führungspersonen mit dieser Unsicherheit um? Genau dafür gibt es die Campus Impulse: kompakte Abendformate mit Inputs und ehrlichem Austausch unter KMU-Verantwortlichen, etwa zur Finanz- und Personalplanung. Vertiefung bieten die ganztägigen Seminartage mit Community of Practice. Und im Netzwerk unseres Partners Swiss Leaders finden Sie Sparring auf Augenhöhe zu Führungsfragen wie der Fachkräftesicherung.

Informiert bleiben

Sie wollen Neuigkeiten aus dem KMU Leaders Campus direkt erhalten? Tragen Sie sich ein, und wir halten Sie über kommende Events und Updates auf dem Laufenden.